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Naturerleben in Mädchenbüchern um 1900

Landesstellensitzung der AJuM
Termin: 
Montag, 14. November 2022 - 18:30 bis 20:00

Auf dieser Landesstellensitzung der AJuM wird

Geralde Schmidt-Dumont einen Vortragsimpuls zum Thema

Naturerleben in Mädchenbüchern um 1900 halten.

Zu den Kultbüchern, die von den Mädchen der wandernden Jugendbewegung verstärkt gelesen wurden, gehörten die Titel von Waldemar Bonsels „Anjekind“, Lely Kempins „Haubenlerches Kriegsferien“ und „Die heilige Insel“ und von Gertrud Prellwitz “Drude“. Sie schildern Ermächtigungsgeschichten von Mädchen, die nach der prüden und körperfeindlichen Literatur der Backfischbücher bewusst ihren Körper erleben, und das in der Begegnung mit der Natur. Landschaft und die Elemente von Wind, Sonne und Wasser trinken sie mit allen Sinnen, wobei die Haut das empfindungsreichste Sinnesorgan ist.

Diese Öffnung der Mädchenliteratur wurde vorbereitet durch Johanna Spyris „Heidi“-Bücher, die die Erkenntnisse der Naturheilkundebewegung des späten 19. Jahrhunderts umsetzten.

In allen Titeln erhält die Naturbegegnung einen quasireligiösen pantheistischen Überbau. In andächtiger Versenkung erleben die Protagonistinnen die Erhabenheit des Landschaftspanoramas oder der Wetterereignisse, verschmelzen mit den Elementen oder fühlen im Lichtkult ihre Seele mit dem All vereint.

In diesem Sinne werden die Titel für die Jugendliteraturforschung interessant, die nach dem „animal turn“ und dem „plant turn“ die Natur als Ganzes ins Auge fasst und sich dem angloamerikanischen „nature writing“ zuwendet, in dem das subjektive Ich die Natur emotional erfasst.