GEW Hamburg

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft - Landesverband Hamburg
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Rede von Manuela Kirschbaum, Erzieherin, beim Warnstreik am 18.11

Geschrieben von: 
Webredaktion
„Wir standen und stehen, gerade in der Pandemie, den Schulen und den Kollegien mit Rat und Tat zur Seite“
Manuela Kirschbaum

Bei unserem Warnstreik am 18.11 redete u.a. Manuela Kirschbaum, Erzieherin und Vorsitzende der Fachgruppe Grundschule/PTF der GEW Hamburg:

Guten Morgen liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich heiße Manuela Kirschbaum, bin Erzieherin in der Grundschule und Fachgruppensprecherin des sogenannten pädagogisch-therapeutischen Fachpersonals der GEW.

Wir sind systemrelevant!!!

Von der Vorschule bis zum Abi, sind PTF in allen Schulformen Vertreten.

In den Vorschulen rocken die Kolleginnen und Kollegen die „Newcomer“ alleine, gehören nicht zum sozial und Erziehungsdienst und auch nicht zu den Lehrkräften. Sie arbeiten nicht nur in der Zwangsteilzeit, sondern auch in einer völlig unterbezahlten Sonderlocke eingruppiert.

Soviel zu systemrelevant!

PTF!!!

Es wird gesagt, dass Therapeuten und Therapeutinnen an Schulen keine Pädagogen sind. So fallen sie aus der SuE-Tabelle raus, verbleiben aber, weil es  schon immer so war, im Sammelbegriff PTF. Somit  wird erwartet, dass sie den pädagogischen Teil in Ihrer therapeutischen Arbeit  an Schulen ehrenamtlich verrichten.

Auch hier findet sich wieder eine Sonderlocke in ungerechter Bezahlung.  Ohne die Arbeit der Therapeutinnen und Therapeuten wäre es für viele Schüler (vorwiegend) an Sonderschulen sehr schlecht bestellt!

Die sozialpädagogische Arbeit an Schulen hat sich derzeit sozusagen in Luft aufgelöst!! Inklusion in aller Munde, aber keiner weiß wie sich der Inhalt gestaltet. Wir hatten bisher einfach keine Zeit uns darüber Gedanken zu machen!

Stattdessen laufen sich die Pädagoginnen und Pädagogen den Wolf. Werden als Feuerwehr eingesetzt, damit die Schulen weiterhin laufen können.

Sozialpädagogische Arbeit ist nicht inklusive, sondern ein Fremdwort an den meisten Schulen!!!

Erzieherinnen und Erzieher werden überwiegend zur Unterrichtsassistenz, Lernzeiten und auch den Lernferien eingesetzt, um die Defizite des formalen Unterrichts durch den Lokdown einzufangen. Wir laufen oft am Limit unserer gesundheitlichen Belastung, setzen uns in der gesamten Pandemie der Infektionsgefahr vor Ort aus. Wir werden oft in Fachfremde Aufgaben komplementiert.  Ja! Wir können eine ganze Menge, sind die Allrounder, denn wir machen unsere Arbeit mit viel Herzblut für die Schülerinnen und Schüler und hoffen dabei auf Wertschätzung und Anerkennung unserer Kompetenzen.

Wir standen und stehen, gerade in der Pandemie, den Schulen und den Kollegien mit Rat und Tat zur Seite.

Wir gehören ja zur Systemrelevanz!

Oberste Priorität lautet leider „die Schule muss laufen“! Und wir PTF müssen mit 81% von 44,5 Std. am Kind laufen! Das sind in Vollzeitbeschäftigung 36,12 Stunden in der Woche am Kind.

Schaft man diese Belastung nicht mehr, so kann man reduzieren und mit einer halben Stelle an 5 Tagen in der Woche in der Schule arbeiten und von einem halben Gehalt seeehr sparsam leben.

Alles ist möglich mit der Dienstanweisung für PTF!!!

Dabei weiß jeder wie rasant die Lebenshaltungskosten derzeit ansteigen.

Hamburg ist hip, heiß begehrt, wofür wir entsprechend hohe Mieten für Lebensraum bezahlen müssen.

Mit Blick auf den enormen Fachkräftemangel, sollte man logisch schlussfolgern, dass unsere Berufe in Arbeitsbedingungen und Lohn aufgewertet und attraktiver gestaltet werden müssten, weit gefehlt, ganz im Gegenteil, es wird verlangt, dass bei gleichbleibendem Lohn noch mehr oben drauf gepackt werden muss um die entstandenen Defizite durch die Pandemie wieder einzuholen.

Wo ist die Wertschätzung der BSB für diese wertvolle Arbeit????

Wir! wissen um unseren Wert ganz genau und deshalb bleiben wir dabei, wir fordern 5% mehr Gehalt, mindestens aber 150 Euro mehr.

Kolleginnen und Kollegen, das gewinnen wir!!!

Foto: Fredrik Dehnerdt