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Senator mogelt beim Leistungsbegriff

Geschrieben von: 
Presseredaktion
Thema: 
Schule
GEW: „Ein verkürztes Leistungsverständnis hilft niemandem in der Debatte um die Bildungspläne!“
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Schulsenator Ties Rabe hat in der Bürgerschaft die Entwürfe der Bildungspläne verteidigt und mit den Worten kommentiert, dass Hamburg sich beim Thema „Leistung“ nicht „wegmogeln“ dürfe. Allerdings vertritt er dabei einen verkürzten Leistungsbegriff, der nicht pädagogisch fundiert ist, sondern wie aus einem bildungsökonomischen Papier abgeschrieben wirkt.

„Nach Auffassung des Schulsenators führt ein Leistungsverständnis, das sich an Klausuren, abfragbarem Wissen und bildungsökonomischen Rankings orientiert, zu mehr Bildungsgerechtigkeit – doch der Lösungsweg fehlt. Eine Klausur zusätzlich gleichzusetzen mit höherer Leistung ist schon schwierig. Eine Klausur zusätzlich als hilfreich für die Bildungsgerechtigkeit zu behaupten ist nicht nachvollziehbar. Ein Bezug ist nicht ersichtlich, wird aber in seine Ausführungen hereingemogelt.

Bildungsgerechtigkeit bedeutet, Kindern und Jugendlichen die bestmöglichen Chancen zu geben, ihre Interessen und Bedürfnisse zu entfalten und sich sodann in die Gesellschaft und Berufswelt einzubringen – und somit gesellschaftlich relevante Leistung zu erbringen. Gute Bildung bedeutet, dass jede und jeder befähigt wird, für sich und die Gesellschaft etwas zu leisten.

Nicht ‚Bildung und Leistung‘ gehören verknüpft, sondern Bildung und individuelle Entwicklungschancen. Ein verkürztes Leistungsverständnis, wie vom Senator vertreten, hilft niemandem in der Debatte um die Bildungspläne und lenkt von den falschen Weichenstellungen in den Bildungsplan-Entwürfen ab“, so Sven Quiring, Vorsitzender der GEW Hamburg.

 

Hintergrund:

Bildungspläne sind die „Grundlage für Unterricht und Erziehung“ (Hamburger Schulgesetz §4) und legen fest, welche Ziele und Inhalte in jedem einzelnen Schulfach und jeder Jahrgangsstufe unterrichtet und gelernt werden sollen. Die aktuellen Pläne sind öffentlich verfügbar. Dass eine Neufassung nötig sei, wurde 2019 in einem parteiübergreifenden Antrag mit dem Titel „Rahmenvereinbarungen zur Sicherung des Schulfriedens“ in der Hamburgischen Bürgerschaft beschlossen. Die Entwürfe der Bildungspläne finden sich online.

 

© Foto: S. Hofschläger/pixelio.de