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Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft - Landesverband Hamburg
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Lernferien nicht auf Kosten der Schulbeschäftigten

Geschrieben von: 
Presseredaktion
Thema: 
Schule
„Schulbehörde verliert Situation an Schulen und Belastung der Schulbeschäftigten aus dem Blick“
Foto: © Sebastian Bernhard / pixelio.de

An den Brief des Landesschulrats an die Schulleitungen der Grundschulen mit der Bitte um „Ermöglichung zusätzlicher Unterrichtsangebote“ vom 5.6.2020 und den Brief vom 2.6.2020 an die Schulleitungen der Schulen im Sozialindex 1 und 2 „Hamburger Lernferien 2020 – Lernförderliche Angebote für Schülerinnen und Schüler in schwierigen sozialen Lagen oder belastenden Lebenslagen“ zu organisieren, schloss sich ein weiterer Brief vom 8.6.2020 an alle Schulleitungen der übrigen Schulen mit dem Sozialindex 3 bis 6 an. Sie sollen ebenfalls „Hamburger Lernferien – Lernförderliche Angebote für Schülerinnen und Schüler“ organisieren. Allerdings sollen sie dieses Angebot selbst organisieren und dazu auf eigenes Personal zurückgreifen. Um dies umzusetzen, kann auch Mehrarbeit für Lehrkräfte und Pädagogisch-Therapeutisches Fachpersonal angeordnet werden.

In einer Telefonkonferenz am 8.6.2020 zeigten sich GEW-Schulleitungen fassungslos darüber, mit welcher Ignoranz hier eine Maßnahme nach der anderen ohne vorherige Beratung mit den Praktiker*innen vor Ort im Top-Down-Verfahren angewiesen wird. Die Behörde für Schule und Berufsbildung  schiebt immer weitere Arbeitspakete an die Schulen und lässt sie damit allein. „Selten war die Kritik der GEW-Schulleitungen so eindeutig an den Maßnahmen der BSB wie sie gestern geäußert wurde. Der Senator und die Schulbehörde verlieren den Blick auf die realen Verhältnisse an den Schulen völlig aus dem Blick. Hier wird das Vertrauen der Schulleitungen  in die Maßnahmen des obersten Dienstherrn verspielt.“, fasst Anja Bensinger-Stolze, Vorsitzende der GEW Hamburg, die Reaktionen zusammen.

Die GEW lehnt jede Art von Überstunden und Mehrarbeit in den Ferien ab. „Die Kolleginnen und Kollegen an den Schulen haben seit den Märzferien mit der Neu-Organisation von Präsenz- und Fernunterricht, Notbetreuung, Prüfungsdurchführung unter Coronabedingungen  mehr als genug zusätzlicher Arbeit in dieser Krisenzeit geleistet. Wir fordern die Behördenleitung auf, endlich die Kollegien zu entlasten und nicht auch noch mit angeordneter Mehrarbeit das Fass zum Überlaufen zu bringen!“, macht Bensinger-Stolze noch einmal deutlich.

Hintergrund

Die GEW Hamburg hat vor kurzem eine Umfrage unter den an Schulen Beschäftigten gestartet um herauszufinden, was die drängendsten Probleme aktuell sind, aber auch dazu, was wir als GEW bereits gut machen und noch machen sollten. Die Antworten auf die Frage, ob und wie viel zusätzliche Arbeitszeit aktuell benötigt wird, sind recht deutlich: Etwas mehr als ein Drittel beziffert den Mehraufwand aktuell mit „mehr als einer Stunde täglich“, ein Sechstel mit „bis zu einer Stunde täglich“, ein Zehntel mit „mehr als eine Stunde wöchentlich“, weitere Teilnehmende auf „bis zu eine Stunde wöchentlich“. Genau ein Viertel gibt an, keine zusätzliche Arbeitszeit zu benötigen. Drei Viertel der Lehrkräfte, so das Ergebnis, benötigen somit aktuell mehr Arbeitszeit, als vertraglich vorgesehen ist.

Die Umfrageergebnisse finden sich unter https://www.gew-hamburg.de/themen/schule/hohe-belastung-und-entgrenzung-der-arbeitszeit-von-lehrenden-oeffentlich-machen

Foto: © Sebastian Bernhard / pixelio.de