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Kritik an Bildungsplan-Entwürfen reißt nicht ab

Geschrieben von: 
Webredaktion
Thema: 
Schule
„Klausuren sind Leistungs- und keine Lernsituationen“
MBS

Die GEW hat sich bereits mehrfach kritisch mit den Bildungsplan-Entwürfen der Schulbehörde auseinandergesetzt. Die Personalversammlung der Max-Brauer-Schule hat ebenfalls Kritik an den Entwürfen zu den neuen Bildungsplänen geäußert:

Mit der vorliegenden Stellungnahme unterstützen wir in vielen Punkten die Kritik, die mit der Stellungnahme der VLHGS zu den Bildungsplanentwürfen für die Sekundarstufe I und II der Gymnasien im März 2022 veröffentlicht wurde. Zitate sind mit Anführungszeichen gekennzeichnet.

„In den Rahmenplanentwürfen tritt die Kompetenzorientierung in den Hintergrund und es lässt sich eine Rückkehr zu einer verstärkten Stoff-Orientierung anstelle einer konsequenten Ausrichtung an den Schlüsselkompetenzen des 21. Jahrhunderts konstatieren.“ Es ist kaum zu erwarten, dass die Vielzahl der genannten Inhalte auch 2033 noch relevant sein wird.

Die Bildungspläne „zeugen von einer additiven Herangehensweise an die inhaltliche Gestaltung der Rahmenpläne, die nicht von einer konsequenten Fokussierung auf das Wesentliche getragen wird.“

Die Bildungspläne schreiben eine Erhöhung der zwingenden Anzahl schriftlicher Leistungsüberprüfungen vor, setzen zusätzliche Ersatzleistungen fest, streichen gleichzeitig die Möglichkeit regulärer Klausurersatzleistungen. „Begründet wird dies mit den schwächeren schriftlichen Ergebnissen der Schüler*innen und der daraus abgeleiteten Notwendigkeit, die Schriftlichkeit stärker zu trainieren.“ Aber: Klausuren sind Leistungssituationen und keine Lernsituationen. Sie nehmen uns nicht nur Zeit, Schriftlichkeit zu trainieren, vielmehr wird das Format Klausurenschreiben trainiert, welches wenig nachhaltig ist.

Zusätzlich sind Formen der digitalen Leistungsmessung gefordert. Konkrete Formen dafür gibt es nicht. Das bedeutet entsprechende Mehrarbeit.

Mit keinem Wort erwähnt wird diese erhöhte Arbeitsbelastung der Kolleg*innen, die durch nichts aufgefangen wird. Die Erhöhung der Klausuren bedeutet de facto verordnete Mehrarbeit. Wir fordern in diesem Kontext auch dringend das Überarbeiten des Lehrerarbeitszeitmodell, das die Kolleg*innen in Hamburg sowieso schon über Gebühr und in frappierender Ungleichheit im Vergleich zu den Lehrer*innen anderer Bundesländer be-lastet. Gutes Lernen braucht Muße, Verstand, Offenheit und Gestaltungsraum.

Die Profil- und Projektarbeit, die seit Jahrzehnten wesentlicher Kern unserer Schule ist und erfolgreiches Zentrum unserer Arbeit, wird damit brutal zurückgedrängt. Von Schüler*innen der Oberstufe bekommen wir regelmäßig zurückgemeldet, dass Klausurersatz-leistungen als besonders erfolgreiche Lernsituationen wahrgenommen werden und das Gelernte sich nachhaltiger verankert. Auch SchülerInnen der Sek 1 wertschätzen die individuelle interessengeleitete Projektarbeit, welche persönliche Interessen herausbildet und stärkt.

Wir kämpfen dafür, dass uns diese Art, wirksam zu arbeiten und selbstwirksam arbeiten zu lassen, erhalten bleibt. Wir brauchen Freiräume, um unsere Handlungskompetenz wie die der Schüler*innen zu erhalten, aktuelle Themen aufzugreifen und Partizipation und Demokratieerziehung überhaupt noch einen Raum zu lassen.

Durch die höhere Wertigkeit von Schriftlichkeit und Digitalisierung bleibt gleichzeitig zu erwarten, dass soziale Disparitäten weiter verschärft werden. Wir lehnen das ab. Soziale Herkunft darf nicht mehr über Bildungserfolg entscheiden. Die neuen Bildungspläne sollten dies fokussieren statt zu verschärfen. Außerdem erhöhen mehr Lernstoff und Klausuren den Druck auf SchülerInnen und begünstigen psychische Instabilität.

Auch „wir wünschen uns mutige neue Bildungspläne auf der Höhe der Zeit, die einem grundsätzlich pädagogischen Selbstverständnis gerecht werden und nicht einem rückwärtsgewandten […] Bildungsverständnis verpflichtet sind.“ Die neuen Bildungspläne verengen den Blick auf Schriftlichkeit und verfolgen das Prinzip „teaching to the test“, wobei das Schreiben von Klausuren keine lebensnahe Kompetenz darstellt.

Schaut man sich das Schulprogramm der Hamburger Schulpreisschulen der letzten Jahre an, wurde der Preis für Aspekte vergeben, die mit den neuen Bildungsplänen zurückgedrängt werden. Wir, die Personalversammlung der Max-Brauer-Schule, fordern deshalb eine grundlegende Überarbeitung der vorliegenden Bildungsplanentwürfe, die unseren Kritikpunkten gerecht wird.