GEW Hamburg

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft - Landesverband Hamburg
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„Beschlüsse grundsätzlich richtig – es fehlt die Perspektive“

Geschrieben von: 
Presseredaktion
Thema: 
Schule
GEW zu den neuen Corona-Regeln in den Bildungsbereichen

Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher warnt ausdrücklich vor unbekannten Gefahren, die mit den Coronavirus-Mutationen einhergehen. Jede Möglichkeit der Kontakteinschränkung muss genutzt werden um die Infektionszahlen erheblich zu verringern, den Inzidenzwert mindestens auf wieder unter 50 je 100.000 Menschen zu bringen. Eine Ausbreitung der hochansteckenden Coronavirus-Variante gilt es unbedingt zu verhindern

Daher hält die GEW die Beschlüsse von Bund und Ländern grundsätzlich für richtig.

Schulen brauchen jetzt Perspektiven

„Auch in Hamburg muss Schulendie Ausbreitung der Pandemie jetzt konsequent gestoppt werden. Daher fordert die GEW schon länger eine verbindliche Phase von Fernunterricht und Notbetreuung in den Schulen. Der Distanzunterricht funktioniert zu weiten Teilen gut. Das ist den Pädagog*innen zu verdanken, die trotz technischer Limitierungen und immer noch fehlender digitaler Endgeräte engagierte und erfolgreiche Arbeit machen! Die Behörde muss das endlich anerkennen. Sie muss die hohen Arbeitsbelastungen ausgleichen, Laptops für alle Pädagog*innen und für die Schüler*innen, die es  brauchen, und genügend Internetbandbreite bereit stellen“, kommentiert Anja Bensinger-Stolze, Vorsitzende der GEW Hamburg,  die aktuellen Beschlüsse zu Schulen: „Wir haben allerdings keinerlei Verständnis dafür, dass die Schulbehörde sich offenkundig weigert, Perspektiven zu entwickeln. Wir brauchen jetzt Konzepte und Regeln für den Wiedereinstieg in den Präsenzunterricht! Was soll bei welchen Inzidenzwerten umgesetzt werden? Warum weigert sich die Behörde Konzepte für Wechselunterricht vorzulegen? Eltern, Schüler*innen und Pädagog*innen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, planbare Perspektiven und Hoffnung!“, so Bensinger-Stolze.

Kita Besuch nachvollziehbar einschränken

In den Kitas sind immer noch 60 % der Kinder anwesend. Der Appell, Kinder zuhause zu betreuen, hat nicht ausgereicht. „Deshalb ist es folgerichtig, dass der Hamburger Senat den Kita-Besuch weiter einschränkt und nun den Kitaleitungen die Möglichkeit in die Hand gibt Eltern abzuweisen, wenn sie nicht nachvollziehbar begründen, warum sie aus beruflichen Gründen ihr Kind nicht zuhause betreuen (lassen) können. Der Beliebigkeit der Eltern muss dieser Riegel vorgeschoben werden, damit das Pandemiegeschehen wirksam eingedämmt werden kann“, so Jens Kastner, Sprecher der Fachgruppe Kinder- und Jugendhilfe der GEW Hamburg. „Unsere Kolleg*innen in den Kitas, Hamburgs Fachkräfte für Bildung, Betreuung und Erziehung, können die ihnen anvertrauten Kinder vor der Gefahr einer Infektion in den Kitas nicht schützen.“

Anfang Mai 2020 (4.5. bis 18.5.) waren die Kitas schon einmal in der „erweiterten Notbetreuung“. Damals kamen 17 % der Kita-Kinder in die Einrichtungen. Dieses Niveau muss wieder erreicht werden.

Die GEW fordert Kita-Träger und Kita-Leitungen dazu auf jetzt gründlich zu prüfen, ob Kinder tatsächlich in die Einrichtung kommen müssen. „ Die Bundesregierung hat die Bezugsdauer des Kinderkrankentagegelds verdoppelt, sie verpflichtet die Arbeitgeber, die Möglichkeit des Arbeitens im Homeoffice deutlich auszuweiten und der Hamburger Senat eröffnet Eltern die Möglichkeit kleine Kindergruppen zu bilden, so dass Eltern auch die Freunde ihrer Kinder mit beaufsichtigen dürfen und sich untereinander in der häuslichen Betreuung mit anderen Elternteilen abwechseln können“, erwidert Jens Kastner, auf den Vorhalt, dass Kinder vereinsamen, wenn sie sich nicht mit ihren Kitafreunden treffen können: „Auch die Kitas brauchen aber Perspektiven, wann und unter welchen Bedingungen sie wieder zum Normalbetrieb zurück kehren können. Und die Eltern brauchen neben den schon beschlossenen Maßnahmen weitere finanzielle Unterstützung, gerade in schwierigen sozialen Lagen.

Weiterbildung auf online-Lernen umstellen

Die Lehrkräfte aus dem Bereich Weiterbildung wenden sich verstärkt an uns und weisen darauf hin, dass vielfach in den Präsenzveranstaltungen die Abstände nicht eingehalten werden können. Für sie ist es nicht nachvollziehbar, dass in anderen Bereichen das Leben heruntergefahren wird, aber bei ihnen weiterhin auf Präsenzveranstaltungen gesetzt wird. Hamburg ist fast das einzige Bundesland, das Präsenzveranstaltungen in der außerschulischen Bildung noch erlaubt.
„Um Lehrkräfte und Teilnehmer*innen zu schützen und um auch aus dem Bereich der Weiterbildung einen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie zu leisten, müssen außerschulische Bildungsangebote bis zunächst 14.2.2021 auf online-Formate umgestellt werden. Lehrkräfte und Teilnehmer*innen müssen dafür mit digitalen Endgeräten ausgestattet werden. Dazu muss auch Hamburg seinen Beitrag leisten“, fordert Anja Bensinger-Stolze.

„Pädagogisches Personal, Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern wollen endlich ein bundesweit einheitliches, verbindliches Vorgehen. Schulen und Kitas brauchen eine klare Strategie und einen verlässlichen Stufenplan, der vorgibt, bei welchen Inzidenzwerten, welche Maßnahmen greifen“, kommentiert Anja Bensinger-Stolze die Situation in den Bildungsbereichen abschließend.

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