GEW Hamburg

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft - Landesverband Hamburg
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Erfolge in Zeiten nachlassender Politisierung

Geschrieben von: 
Fredrik Dehnerdt
Thema: 
GEW
Trotz leichter Mitgliederverluste konnte die GEW Hamburg den Organisationsgrad an den Schulen leicht verbessern
GEW

Die Mitgliederentwicklung in der GEW Hamburg ist nach fast zehn positiven Jahren mit einem insgesamt deutlichen Mitgliederzuwachs nun leicht negativ. Bemerkenswert ist, dass der Organisationsgrad an den Schulen dennoch gesteigert werden konnte. Im Folgenden wird auf die Mitgliederentwicklung der DGB-Gewerkschaften, der GEW bundesweit sowie auf die GEW Hamburg eingegangen und abschließend verschiedene Projekte der GEW vorgestellt, die das Ziel verfolgen, die GEW auch organisationspolitisch weiterzuentwickeln: Die (Wieder)Einführung der Vertrauensleuteversammlung, neue Aktivitäten der Studierenden und der Jungen GEW, unsere Betriebsgruppentour 2017/18 und unser Projekt „Bleib dabei“.

 

Mitgliederentwicklung…

…in den DGB-Gewerkschaften

Die Mitgliederentwicklung in den Einzelgewerkschaften ist leider leicht negativ. Bis auf die Gewerkschaft der Polizei haben alle anderen Gewerkschaften einen leichten Mitgliederrückgang zu verzeichnen. Die GEW konnte ihren Mitgliederbestand fast halten und verlor bundesweit 0,02 Prozent Mitglieder. Der DGB insgesamt hatte 2017 einen leichten Mitgliederrückgang von 0,86 Prozent und organisiert nun  5.995.437 Beschäftigte, Studierende, RentnerInnen und PensionärInnen.

 

Gewerkschaft 

2016

2017

IG Metall

2.274.033

2.262.661

ver.di

2.011.950

1.987.336

IG Bergbau, Chemie, Energie

644.944

637.623

GEW

278.306

278.243

IG Bauen-Agrar-Umwelt

263.818

254.525

NGG

201.623

199.921

EVG

192.807

189.975

Gewerkschaft der Polizei

180.022

185.153

DGB-gesamt

6.047.503

5.995.437

Mitgliederentwicklung in den DGB-Gewerkschaften

 

…in der GEW bundesweit

Von den bundesweit 278.243 GEW-Mitgliedern sind 71,7 Prozent weiblich und 28,3 Prozent männlich. Die größte Gruppe stellen wenig überraschend die Beschäftigten mit 75,9 Prozent. Davon sind 46,6 Prozent Angestellte und 53,4 Prozent BeamtInnen. Zu den SeniorInnen zählen mittlerweile 18,7 Prozent der Mitglieder, 4 Prozent sind Studierende und 2,1 Prozent arbeitslos. Der Organisationsbereich Schule ist mit 63,1 Prozent der am stärksten vertretene, gefolgt vom Bereich Jugendhilfe und Sozialarbeit mit 15,0, Berufliche Bildung und Weiterbildung mit 9,4 (wobei hier die Beruflichen Schulen einsortiert sind) und Hochschule und Forschung mit 6,5 Prozent. 5,9 Prozent entfallen auf Sonstige bzw. sind nicht zuzuordnen. Im Vergleich mit dem Vorjahr gab es kaum Verschiebungen zwischen den Proporzen.

 

… in der GEW Hamburg

Die GEW Hamburg hat ihren seit neun Jahren bestehenden kontinuierlichen Mitgliederzuwachs leider nicht fortführen können. 2015 sind wir auf 10.352 Mitglieder angewachsen, 2016 und 2017 haben wir leicht verloren. Von den aktuell 10.188 Mitgliedern sind 67,7 Prozent weiblich und 32,3 Prozent männlich. Die Beschäftigten machen 76,2 Prozent aus (davon sind 40 Prozent Angestellte und 60 Prozent BeamtInnen), zu den SeniorInnen zählen 18,6 Prozent der Mitglieder, 2,8 Prozent sind Studierende und 2,3 Prozent arbeitslos. Der Scheitelpunkt in 2015 erklärt sich insbesondere durch den mehrwöchigen Streik im ErzieherInnenbereich 2015, während dem eine Vielzahl streikender KollegInnen eingetreten ist. Um diese mehrere Hundert Neumitglieder angemessen in ihren Interessen zu vertreten haben wir verschiedene Veranstaltungen angeboten und ein eigenes Seminarprogramm für diese Gruppe aufgelegt. Dennoch ist es uns nicht gelungen, unser 2015 gestecktes Ziel, 90 Prozent zu halten, zu erreichen. Gelungen ist uns das aktuell bei immerhin 78 Prozent.

 

…Organisationsgrad an den Schulen

Neben der absoluten Zahl der Mitglieder ist der Organisationsgrad ein wichtiges Kriterium dafür, wie stark eine Gewerkschaft ist. Der Organisationsgrad stellt dar, wie viel Prozent der Beschäftigten GEW-Mitglied sind. Dieser Organisationsgrad ist in der Tabelle aufgeschlüsselt nach den Schulformen (Grundschule, Berufsbildende Schule, Stadtteilschule, Gymnasium). Dargestellt wird der Organisationsgrad für 12/2011 und für 12/2016, so dass die Verschiebungen innerhalb von fünf Jahren sichtbar werden.

Bemerkenswert ist, dass trotz leicht steigender Beschäftigtenzahlen (2011 waren es 16.585 Lehrkräfte an allen Schulformen, 2016 16.977 Lehrkräfte) der Organisationsgrad in Summe gesteigert werden konnte. Leicht abgenommen hat er an den Gymnasien, gleichbleibend ist er an den Stadtteilschulen, zugenommen hat er an den Grundschulen und an den beruflichen Schulen.

Eine Feinanalyse nach Organisationsgrad der Alterskohorten ergibt ein differenzierteres Bild. Vor dem Hintergrund, dass ein hoher Organisationsgrad bei den jüngeren KollegInnen ein gutes Zeichen dafür ist, als Organisation zukunftsfähig aufgestellt zu sein, sind die Zahlen erfreulich: So haben wir in den Grundschulen in den Alterskohorten bis 45 nun einen höheren Organisationsgrad als 2011, bei den Stadtteilschulen reicht dieser erhöhte Organisationsgrad sogar bis in die Gruppe der bis 55-jährigen. „Highlight“ sind die von uns organisierten GrundschulkollegInnen von 55-60, bei denen fast die Hälfte in der GEW ist. Auch bei den Gymnasien liegt der Organisationsgrad in der Gruppe der 30-50-jährigen über dem von 2011.

 

GEW Hamburg

Grundschulen

Berufsbildende Schulen

Stadtteilschulen 

Gymnasien

2011

35 %

33 %

34 %

22 %

2016

37 %

36 %

34 %

21 %

Organisationsgrad an den Schulen in Prozent, Daten aus Paisy (BSB) und D’Org (GEW)

 

Organisationsentwicklung der GEW Hamburg

Einerseits verzeichnet die GEW Hamburg seit Jahren einen Mitgliederanstieg, andererseits schlägt sich dies nicht in gesteigerten Aktivitäten und einer erhöhten Beteiligung innerhalb der GEW nieder. Zur Weiterentwicklung der GEW Hamburg hat der Landesvorstand 2016 eine Kommission eingesetzt, die sich mit Fragen rund um das Thema, wie wir die Beteiligung der Mitglieder stärken können, befasst und verschiedene Vorschläge entwickelt hat, die seitdem weiter vorangetrieben werden. Dazu gehörte, neue Beteiligungsstrukturen für Vertrauensleute in der GEW zu schaffen, weitere Vertrauensleute-Informationen und Arbeitshilfen anzubieten sowie, die “aufsuchende“ Arbeit zu verstärken.

 

…(Wieder)Einführung der Vertrauensleuteversammlung

Mit einem von der AG Weiterentwicklung vorbereiteten Antrag für den
Hamburger Gewerkschaftstag 10.04.2017 wurde die Vertrauensleuteversammlung (wieder) eingeführt und zugleich der zweite jährliche Herbst-Gewerkschaftstag aus der Satzung gestrichen.

Die Vertrauensleuteversammlung besteht aus den Vertrauensleuten der GEW Hamburg in den Betriebsgruppen sowie einigen weiteren Mitgliedern. Sie tagt mindestens einmal jährlich.  Zu den Aufgaben der Vertrauensleuteversammlung gehören die Diskussion von politischen Schwerpunkten der GEW Hamburg sowie von gewerkschaftlichen Aktionen und Mobilisierungskonzepten. Sie kann Anträge an den Vorstand und an den Gewerkschaftstag richten und zur Erledigung ihrer Aufgaben Ausschüsse einrichten. Die Aufgabe der Vertrauensleute besteht darin, die Verbindung zwischen dem Landesvorstand und den Mitgliedern aufrechtzuerhalten und den Vorstand über Wünsche und Anregungen der Mitglieder zu informieren. Nun ging es darum, diese formalen Vorgaben mit Leben zu füllen und mit den Vertrauensleuten die wichtigen gewerkschaftspolitischen Themen zu besprechen. Mittlerweile haben zwei VV stattgefunden.

Die erste Vertrauensleute-Versammlung fand am 10. Juli 2017 um 17 Uhr statt. Anwesend waren gut 30 Kolleginnen und Kollegen. Es gab Infos und Diskussionen zu den „heißen“ Themen Dienstvereinbarung Ganztag, JA13, Datenschutz und Gesundheitsschutz und einen Austausch zu brennenden Themen vor Ort sowie zur Kommunikation und Zusammenarbeit der Vertrauensleute mit der Geschäftsstelle.

Die zweite VV fand am 11. Dezember 2017 ebenfalls um 17 Uhr statt, anwesend waren erneut knapp 30 Vertrauensleute. Schwerpunkt war das Thema „Arbeitszeit / Arbeitsbelastung an Schulen“, zu dem Ole Waldmann von der STS Gretel Bergmann von den Aktivitäten an seiner Schule und im Netzwerk in Bergedorf berichtete. Im Anschluss diskutierten wir engagiert zur Frage, was wir mit der GEW an den Schulen tun können, um hier Verbesserungen zu erreichen. Darüber hinaus gab es Infos zur „Kampagne JA13“ und dem geplanten Aktionstag.

 

…Wiederbelebung der Arbeit der Studierenden und der Jungen GEW

Nachdem im Oktober 2017 einige der Aktiven im Bereich Studierende und Junge GEW von ihren Ämtern zurückgetreten sind, da sie sich mit den Bemühungen des Landesverbandes, die eigene Geschichte aufzuarbeiten, nicht einverstanden gezeigt haben, wurde von den verbleibenden sowie neuen Aktiven diese Arbeit aufgenommen und weiter vorangebracht. Ein Neuanfang war auch nötig, da die Zurückgetretenen die notwendige Arbeit, wie offene Mitgliedertreffen, Bewerbung der GEW am Campus oder auch die wichtige Veranstaltung „Dschungel Referendariat“ an der Uni verweigerten. Mittlerweile gab es mehrere Treffen der Aktiven, zudem wurde ein SprecherInnenteam sowie für die verschiedenen Gremien der GEW VertreterInnen gewählt. Auch die Veranstaltung „Dschungel Referendariat“ wird in Zusammenarbeit mit den Fachschaftsräten der Lehramtsstudierenden und dem LI in diesem Halbjahr endlich wieder stattfinden.

 

…Betriebsgruppentour 2017/18

Auch wenn es angesichts der Anforderungen und Belastungen schwer möglich scheint, konkrete Verbesserungen des Arbeitsalltags zu erreichen: Die GEW ist sich sicher, dass wir ihn – gemeinsames entschlossenes Handeln vorausgesetzt – verändern können. Mit den KollegInnen reden, zuhören, ihr Anliegen herausbekommen, sie organisieren, sie selbst entscheiden lassen, welche Probleme sie wie angehen werden und sie befähigen, diese Schritte selbst zu gehen. Denn auch das beste Flugblatt und die gut formulierte Resolution werden nichts an der Situation ändern, wenn nicht die Beschäftigten vor Ort selbst zu dem Problem Stellung beziehen und die KollegInnen vor Ort mobilisieren, aktiv zu werden.

Um die Vertrauensleute- und Betriebsgruppenarbeit zu stärken bieten wir seit einigen Monaten eine Betriebsgruppentour an. Ihr könnt uns einladen, damit wir  an eurer Schule bzw. Bildungseinrichtung von aktuellen Aktivitäten und Kampagnen berichten, informieren, Fragen beantworten…. Ein Ort für diese Veranstaltung kann eine Betriebsgruppensitzung sein, aber auch eine LehrerInnenkonferenz, eine Personalversammlung oder ein sonstiges Treffen. In Absprache mit euch bringen wir verschiedenes Material mit. Wir kommen auch mal in einer Pause, wenn das gut passt. Neben Themen, die ihr selber bestimmen könnt haben wir eine Reihe von (schulischen) Themen „parat“, wie JA 13, Gesundheitsschutz, Datenschutz und Eduport, Arbeitszeit und Ganztag.

Seit November 2017 touren unsere Vorsitzende mit Geschäftsführung und weiteren ExpertInnen zu den Themen durch die Schulen. Bis März 2018 fanden über 20 Touren statt, überwiegend zu Personalversammlungen, aber auch zu LehrerInnenkonferenzen oder Betriebsgruppentreffen.

 

…Bleib dabei - Gute Gründe für die GEW

Gerade in Zeiten einer erfreulich hohen Summe von Eintritten und eines Mitgliederzuwachses (über Jahre) ist es notwendig, auch die Austritte systematisch zu analysieren und Maßnahmen zu deren Verringerung umzusetzen. Das Rückhofverfahren „Bleib` dabei“ beruht auf der Annahme, dass eine persönliche Ansprache und Frage nach Austrittsgründen bei ausgetretenen Mitgliedern eine größere Bindung an die GEW erzielt, so dass der Austritt überdacht und im Idealfall zurückgenommen wird. Die Anrufe erfolgen, bevor der jeweilige Austritt wirksam wird, so dass die Kolleginnen und Kollegen ggf. nicht neu eintreten müssen, sondern ihren Austritt widerrufen können.

Der Startschuss war im April 2016. Es wurden zwei Projektaktive gefunden, die gemeinsam mit dem Projektverantwortlichen Fredrik Dehnerdt regelmäßig alle ca. vier Wochen für ca. 2 Stunden von der GEW Geschäftsstelle aus telefonierten.

Einerseits waren die Telefonate überwiegend positiv, andererseits liegt die Quote der „Zurückgeholten“ unter den Erwartungen. Was sind die Gründe für einen Austritt?

Die Gründe sind vielfältig, lassen sich jedoch auf einige zentrale Aspekte reduzieren, wobei es viele „individuelle Situationen“ gibt. Genannte Gründe sind in der Reihenfolge ihrer Häufigkeit:

  • „Zu hoher Beitrag“ – Trotz positiver Bewertung der politischen Arbeit wird „aufs Geld geschaut“, gerade wenn Beratungsleistungen nicht in Anspruch genommen werden. Hier machen wir im Gespräch deutlich, dass die GEW gute Serviceleistungen bietet, politisch für die materielle Verbesserung sorgt (Tarif), bildungspolitisch für gute Positionen kämpft und auch als Solidargemeinschaft einen Wert besitzt.
  • „Austritt aus dem aktiven Dienst und Neuordnung der (finanziellen) Verhältnisse“ – Mit dem Beginn eines neuen Lebensabschnittes werden bestehende Mitgliedschaften überprüft. Schwierig ist, dass der Mitgliedsbeitrag steigen kann, wenn die Pensionszahlung höher ist als das (teilzeitreduzierte) letzte Gehalt, obwohl die Beitragshöhe von 0,78 auf 0,68 % sinkt. Neben dem Solidaritätsprinzip können wir auf die Aktivitäten der BGRR verweisen.
  • „Kein Kontakt zur GEW, kein Bedarf nach Leistungen“ – Eine Bindung an die GEW erfolgte nie, sie blieb eine „anonyme“ Organisation. Hier überlegen wir, neue KollegInnen nach einer 1- und/oder 3-jährigen Mitgliedschaft erneut (fach- bzw. personengruppenspezifisch) anzuschreiben, auf unsere Leistungen etc. hinzuweisen und zu versuchen, sie zu aktivieren.
  • Darüber hinaus gibt es verschiedene vereinzelt auftretende Austrittsgründe wie unsere politische Positionierung (Hier verweisen wir darauf, dass unsere Positionierungen demokratisch gefasst wurden und jedeR aufgerufen ist, ihre/seine Interessen einzubringen), rechtliche Beratung mit einem Ausgang nicht im Sinne der/s Betroffenen, Umzug, Berufswechsel, akuter finanzieller Engpass (soweit wir können, sind wir z.B. bei akuten finanziellen Engpässen im Einzelfall zu Beitragsreduzierungen bereit) und verschiedenes anderes mehr.

Die Aufgabe der Mitgliederwerbung, -aktivierung, -bindung sowie die Weiterentwicklung der GEW als Organisation ist und bleibt eine Daueraufgabe der GEW auch in der Zukunft.

Fredrik Dehnerdt, stellv. Vorsitzender GEW Hamburg