GEW Hamburg

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft - Landesverband Hamburg
Foto mit GEW-Logo

Geschlechtergerechte Sprache – Sicht- und Hörbarkeit für alle Geschlechter

Geschrieben von: 
Webredaktion

„Der Senat der Stadt Hamburg hat den Anspruch, alle Menschen anzusprechen, gesellschaftliche Entwicklungen aufzugreifen, bei der Umsetzung voranzugehen und niemanden zu diskriminieren.“

Wir als Ausschuss für Gleichstellungs- und Genderpolitik-Que(e)rschnitt der GEW Hamburg (AfGG) weisen darauf hin, dass Gleichberechtigung und Gleichbeteiligung zwischen Männern und Frauen in vielen Bereichen noch nicht erreicht ist. Deshalb ist es weiterhin notwendig durch die explizite Nennung der weiblichen Form: Lehrerinnen, Politikerinnen, Schulleiterinnen, Unternehmerinnen, Wissenschaftlerinnen... Frauen in allen Bereichen des öffentlichen Lebens und Wirtschaftens sprachlich hör- und sichtbar zu machen, damit sie irgendwann überall annähernd hälftig vertreten sind. Der Gender-Stern und der Gender-Doppelpunkt stellen neben der Nennung der weiblichen und männlichen Form eine wichtige Erweiterung dar und lassen sichtbar werden, dass es neben weiblich - männlich weitere geschlechtliche Identitäten gibt.

Wir begrüßen daher die neuen „Hinweise zur geschlechtersensiblen Sprache in der hamburgischen Verwaltung“, als eine erste Positionierung zum Thema geschlechtergerechte Sprache seit dem Senatsbeschluss von 1995. Dieser 25 Jahre alte Beschluss gilt weiterhin. Er schreibt vor die sprachliche Gleichbehandlung von Männern und Frauen zu beachten. „Die Benutzung männlicher Bezeichnungen für Frauen ist zu vermeiden.“

Die neuen Hinweise des Senats vom Juni 2021 hingegen sind ausschließlich Hinweise bzw. Empfehlungen, so dass die hamburgischen Verwaltungen selbst entscheiden können, ob sie die Vielfalt ihres Umfeldes anerkennen und ob sie geschlechtlicher Vielfalt Rechnung tragen wollen. Dies finden wir bedauerlich: das Bemühen eine gendergerechte Sprache zu verwenden, z.B. durch neutrale Formulierungen, den Gender-Doppelpunkt oder den Gender-Stern, sollte 2021 in einer öffentlichen Verwaltung nicht optional, sondern genau wie die Verwendung männlicher und weiblicher Formen normiert sein. Daher ist die Schreibweise Lehrer:innen oder Lehrer*innen, Schüler:innen oder Schüler*innen, Schulleiter:innen oder Schulleiter*innen, Wissenschaftler:innen oder Wissenschaftler*innen... eine wunderbare Möglichkeit, um alle Geschlechter sprachlich zu inkludieren – kein Geschlecht verschwindet. Hörsprachlich kann dies sehr einfach mit einem glottalen Verschlusslaut - also einer Microsprechpause (z.B. Spiegel ei) - umgesetzt werden. Aus Gründen der Barrierefreiheit wird zurzeit vorrangig allerdings der Doppelpunkt empfohlen. Die einzelnen Ämter sollen diese Empfehlungen nun realisieren.

Als GEW sprechen wir hier insbesondere die Schulbehörde an: wir erhoffen uns nach so vielen Jahren eine baldige praktikable Umsetzung in den Behörden.

Margarete Stokowski brachte es im Januar auf den Punkt: „Es geht darum, sich Mühe zu machen, gerecht zu sein“ (Stokowski, 12.01.2021 Spiegel Online).

Ausschuss für Gleichstellungs- und Genderpolitik-Que(e)rschnitt der GEW Hamburg

Foto: GEW Bayern