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Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft - Landesverband Hamburg
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Protest gegen Vermietung der Räume über dem Dokumentationszentrum Hannoverscher Bahnhof an die Firma Wintershall Dea

Geschrieben von: 
Webredaktion
Bild: Gerhard Wöbbeking, große Resonanz bei der Einweihung des Gedenkorts Hannoverscher Bahnhof

Die Einweihung des Gedenkorts Hannoverscher Bahnhof war in Hamburg und bundesweit ein wichtiges Ereignis: Erstmals wird in einer angemessenen und würdigen Weise an alle in den Tod Deportierten gleichermaßen erinnert. Alle werden mit ihrem Namen genannt, niemand soll vergessen werden.

Aus der Pressewurde offenkundig, dass die Hafencity GmbH die Räume über dem Dokumentationszentrum an die Firma Wintershall Dea vermietet hat.

Die GEW protestiert gegen diese Vermietung, da sie ein Hohn für den Sinn und Zweck des Gedenkorts und des Lern- und Ausstellungsorts ist, denn Wintershall und August Rosterg, der das Unternehmen während der NS-Herrschaft führte, waren eng mit dem Nazi-Regime verwoben.

Rosberg gehörte zum sog. Kepplerkreis, einer Gruppe um den Hitler-Vertrauten Wilhelm Keppler, die das Regime insbesondere durch großzügige Spenden unterstützte.

Der Betrieb war entsprechend der NS-Volksgemeinschafts-Ideologie organisiert. Ab 1936 wurde er aufgrund enger Zusammenarbeit mit der Wehrmacht als Rüstungsbetrieb eingestuft.

Unter deutscher Besatzung expandierte Wintershall nach Österreich, Polen, Ungarn und in die Ukraine. Zugleich profitierte der Konzern von der Beschäftigung von knapp 10.000 Zwangsarbeiter:innen. Dabei war es gängige Praxis, dass Zwangsarbeiter:innen vom Werksschutz an der Baracke abgeholt und auch wieder dorthin zurückgebracht wurden. War kein staatlicher Aufseher für die Nachtwache in der Baracke vor Ort, übernahm der Werksschutz auch diese (eigentlich staatliche) Aufgabe.

Dass Wintershall 2019 eine Studie zu „Wintershall im Nationalsozialismus“ veröffentlicht hat, ist kein Ausweis für gute Nachbarschaft zum Dokumentationszentrum Hannoverscher Bahnhof. An dem Unternehmen Wintershall Dea ist die BASF, ehemals IG Farben, mit 67 % beteiligt, vor der Fusion mit Dea hielt sie 100 % an Wintershall.

Wir meinen, dass Erinnern auch eine Verpflichtung für die Gegenwart beinhaltet, und fordern die Hafencity GmbH auf, diese Zumutung für Überlebende und Nachkommen zu korrigieren.

Wir unterstützen den Protest des Landesvereins der Sinti Hamburg gegen diese Vermietung.

Bild: Gerhard Wöbbeking, große Resonanz bei der Einweihung des Gedenkorts Hannoverscher Bahnhof