Mythen, Monster, Mutationen

Magazin
Wie die Wirtschaftswissenschaft ihren Auftrag erfüllt, die Interessen der Herrschenden zu verschleiern

Was Charles Darwin mit seiner Evolutionstheorie – wir feierten ja gerade das 150. Jahr des Erscheinens seines Hauptwerks – zwar nicht gewollt, aber dennoch angerichtet hat, ist allgemein bekannt. Die 1:1-Übertragung auf menschliches Verhalten, dass sich nur der Gesunde und Starke in der Gesellschaft durchsetzt, scheint dann doch – vor allem, weil die Nazis dieses Prinzip in Verbindung mit ihrer Rassenideologie so ungebrochen und schamlos (aus-)genutzt haben – ein wenig plump für eine ernst zu nehmende allgemeine Gesellschaftsanalyse zu sein. Anders dagegen das, was sich 80 Jahre zuvor Adam Smith ausgedacht hatte, als er versuchte, komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge im Zuge der Herausbildung einer sich durch bürgerliche Konkurrenz gekennzeichneten Wirtschaft aufzudecken. Sein zentraler Gedanke, dass sich der Wohlstand der Nationen am besten steigern ließe, wenn alle Unternehmer nach der Maxime handelten, sich selbst der/die Nächste zu sein, schien für die aufstrebende bürgerliche Klasse, die sich von feudalen Fesseln zu lösen suchte, die adäquate Legitimation für ihr Handeln. Der unbegrenzte Egoismus des Einzelnen also als Garant dafür, dass es allen besser gehen soll, war von Smith allerdings nicht als Erklärung für gesellschaftliches Funktionieren in Toto gemeint, sondern lediglich als Erklärung für wirtschaftliches Handeln derer gedacht, die mittels der Verfügungsgewalt über Produktionsmittel in Konkurrenz mit Ihresgleichen treten.

(...)

Joachim Geffers
AnhangGröße
PDF Icon oekonomie-fibel6.pdf316.16 KB