Die Ersten werden die Letzten sein

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Die jahrelange Exportweltmeisterschaft der Deutschen, gepaart mit der Gier nach hohen Renditen, entpuppt sich als Bumerang.

Jeder Greenback, den du oder ich in der Hand hälst/halte, ist eine Forderung gegenüber der amerikanischen Notenbank, da diese sich verpflichtet, ihn zum tagesaktuellen Kurs aller frei gehandelten (konvertierbaren) Währungen einzuwechseln, damit du und ich in jedem Winkel der Erde unsere Konsumbedürfnisse oder was auch immer sonst noch pekuniär erreichbar ist, befriedigen können. Bis 1972, bis dahin galt das 1944 in Bretton Woods vereinbarte System fester Wechselkurse, war die Sicherheit gegeben, diesen Dollar gegen einen im Vorhinein schon bekannten Kurs einwechseln zu können. Da fortan der Außenhandel mit höheren Risiken behaftet war – man konnte ja nicht wissen, ob der für die Preiskalkulation zugrunde gelegte Wechselkurs auch tatsächlich realisiert werden konnte –, galt es von politischer Seite umso mehr darauf zu achten, dass die Kurse stabil blieben. Der damals als shooting star gehandelte sozialdemokratische Wirtschaftsminister Karl Schiller führte vor diesem Hintergrund in enger Anlehnung an Keynesianische Überlegungen den Begriff der „Globalsteuerung“ ein. Fortan sollte sich die Politik dafür verantwortlich zeigen, die vier makroökonomischen Ziele, nämlich Preisstabilität, Wirtschaftswachstum, Vollbeschäftigung und zu guter letzt noch das außenwirtschaftliche Gleichgewicht, gleichzeitig im Auge und damit im Lot zu (be)halten. Die Notwendigkeit der Einhaltung des letzten Ziels vermag man eigentlich mit dem gesunden Menschenverstand nicht sogleich einzusehen. Was ist verkehrt daran, vorausgesetzt man sieht den Welthandel nicht prinzipiell als Teufelswerk an, wenn man auf den Weltmärkten seine Produkte besonders gut verkaufen kann? Man kann das nur verstehen, wenn man sich die Wechselkursmechanik auf den Währungsmärkten vor Augen führt.

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Joachim Geffers
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