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Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft - Landesverband Hamburg
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Rede von Manuela Kirschbaum, Erzieherin, beim Warnstreik am 24.11

Geschrieben von: 
Webredaktion
„Nun stehen wir wieder hier und müssen um Wertschätzung und Anerkennung kämpfen!“
Foto: Fredrik Dehnerdt

Bei unserem Warnstreik am 24.11 redete u.a. Manuela Kirschbaum, Erzieherin und Sprecherin der GEW Fachgruppe Grundschule/PTF:

Guten Morgen Kolleginnen und Kollegen,

Nun stehen wir wieder hier und müssen um Wertschätzung und Anerkennung kämpfen.

5% mehr Gehalt fordern wir und wir bekommen keine Antwort!

Dabei fordern wir, wenn man es genau nimmt, nur 1%, denn 4% werden schon von der Teuerungsrate verschlungen!

Aber die Arbeitgeber haben es auch in der 2. Verhandlungsrunde nicht für nötig befunden ein Angebot vorzulegen!

Was für eine Ignoranz unserer Leistungen!!!

Nun müssen wir uns wieder bemerkbar machen, wo wir doch über die gesamte Pandemie als so wichtig hervorgehoben wurden.

Wir wären Systemrelevant hieß es!

WICHTIG für dieses System, in dem alle darauf angewiesen sind, dass ihre Kinder gut versorgt sind.

Damit die Lieferketten laufen und die Versorgung in diesem Land gewährleistet ist, dass die Beschäftigten, die an systemrelevanten Standorten arbeiten müssen ihrer Arbeit auch nachgehen können, weil sie ihre Kinder in guten Händen wissen.

Für uns Fachkräfte verlieren diese Worte, diese Lobeshymnen wichtig zu sein an Glaubwürdigkeit, wenn keine Honorierung unserer Arbeit folgt.

Wenn diese Arbeit von den Arbeitgebern als Ehrenamt gewünscht ist und

wir für Wertschätzung und Anerkennung so hart kämpfen müssen und es an den Arbeitgebern abperlt wie von Teflonpfannen, dann haben Sie nichts verstanden und ihre warmen Worte verpuffen, wie leeres Gerede!

Damit lassen wir uns nicht abspeisen!!!!

Wir wissen was wir leisten und geleistet haben, gerade in Zeiten der Pandemie!

 

2.

Und wir machen gute und wichtige Arbeit, trotz der schwierigen Arbeitsbedingungen an Schulen, des nicht verstandenen Auftrags unserer Qualifikationen.

Dabei sei erwähnt; PTF ist kein Beruf!!!

Es sind drei verschiedene Berufe. Das zeigt sich derzeit ganz deutlich bei den Therapeuten.

Schämen sie sich BSB, wie wenig sie über ihre Beschäftigten wissen!

Traurig ist auch, dass die BSB es sich entgehen lässt eine hohe Qualität an multiprofessioneller Zusammenarbeit der Schulbeschäftigten auf vernünftige Beine zu stellen, stattdessen jagt sie den Sparmodellen hinterher und treibt die Fachkräfte in die Berufsflucht.

So ist Sozialpädagogische Arbeit an Schulen beispielsweise nicht inklusive, sondern ein Fremdwort an vielen Hamburger Schulen.

Das ist eben der Preis für Sparmodelle!

Mit der Unwissenheit von Inklusion werden PTF überwiegend in die Unterrichtsassistenz eingesetzt, wir vertiefen die Lerninhalte des formalen Unterrichts in den Lernzeiten und arbeiten die Defizite mit den Schülerinnen und Schülern auf.

Gerade durch den Lokdown in der Pandemie, mehr denn je.

Jedoch unser eigentlicher sozialpädagogischer Auftrag, die Kinder zu unterstützen und zu begleiten, in ihrer Persönlichkeitsentwicklung auf ihrem Weg mündige Bürger zu werden, findet weder Platz noch Beachtung in der Schule.

Was das kostet!?  Ist die Antwort, auf unsere  Forderungen nach mehr Personal und fehlenden Ressourcen.

Der Laden muss laufen hat die höchste Priorität!

Und wir laufen! Oft am Limit unserer gesundheitlichen Belastung, setzen uns in der gesamten Pandemie der Infektionsgefahr vor Ort aus, standen und stehen in der gesamten Pandemie den Schulen und den Kollegien mit Rat und Tat zur Seite.

 

3.

Wir können eine ganze Menge, sind die Allrounder, denn wir machen unsere Arbeit mit viel Herzblut für die Schülerinnen und Schüler und hoffen dabei auf Wertschätzung und Anerkennung unserer Kompetenzen von unserem Arbeitgeber.

Mit Blick auf den enormen Fachkräftemangel, sollte man logisch schlussfolgern, dass unsere Berufe in Arbeitsbedingungen und Lohn aufgewertet und attraktiver gestaltet werden müssten, aber mit dieser Auffassung liegen wir leider völlig daneben.

Das genaue Gegenteil ist der Fall! Es wird ganz offensichtlich verlangt, dass uns bei gleichbleibendem Lohn noch mehr Arbeit auferlegt werden muss, um die entstandenen Defizite durch die Pandemie wieder reinzuholen.

Da ist doch jeglicher Blick für die Verhältnismäßigkeit verloren gegangen!?!?!?

Wo ist die Wertschätzung unseres Arbeitgebers für unsere wertvolle Arbeit?

Wir gehören zur Systemrelevanz und deshalb bleiben wir dabei,

5% mehr Lohn, mindesten aber 150 Euro mehr Gehalt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen das fordern und das gewinnen wir!

Foto: Fredrik Dehnerdt