Bei unserem Streiktag Bildung am 29. Januar hielten unsere Kolleginnen Shenja und Stefanie von der GEW AG Seiteneinstieg eine Rede.
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Rede am Streiktag, 29.01.2026 zur Tarifrunde Länder 2025/26
Hallo, liebe Kolleginnen und Kollegen,
ich heiße Shenja,
und ich heiße Stefanie!
Shenja
Wir sind Seiteneinsteigerinnen im Lehrberuf an Hamburger allgemeinbildenden Schulen!
Stefanie
Wir gehen heute mit euch zusammen auf die Straße und streiken für mehr Gehalt –
7 Prozent, mindestens 300 EUR !
Und wir sprechen heute zu euch, weil wir euch auf unsere spezielle Situation als Seiteneinsteiger:innen aufmerksam machen wollen.
Stefanie
Wer sind wir?
Wir sind engagierte, hochmotivierte Menschen, die sich dazu entschlossen haben, ihre Qualifikationen, ihr Fachwissen und ihre Freude an der Begleitung von Kindern und Jugendlichen als Lehrkräfte einzubringen.
Weil es auch an Hamburger Schulen einen Lehrermangel gab und teils noch immer gibt!
Anders als die QuereinsteigerInnen erfüllen wir zwar nicht die Voraussetzungen, um den Vorbereitungsdienst zu absolvieren.
In der Praxis werden wir aber ab Tag 1 wie alle vollausgebildeten Lehrkräfte eingesetzt:
Wir geben Fachunterricht und/oder sind Förderlehrkräfte und Klassenlehrer:innen, wir korrigieren Klassenarbeiten und geben Zensuren, schreiben Berichtszeugnisse, kommunizieren mit Eltern, und und und…
Shenja
Und wir sind viele!
Wenn wir geschätzt davon ausgehen, dass an den ca. 350 Hamburger allgemeinbildenden staatlichen Schulen im Schnitt zwei Seiteneinsteiger:innen beschäftigt sind, dann kommen wir auf 700 Lehrkräfte im Seiteneinstieg!
Wir sind viele, aber unsere Ausbildungs- und Beschäftigungsbedingungen lassen erheblich zu wünschen übrig.
Darum brauchen wir eure Solidarität!
Stefanie
Was wir fordern:
Solange wir nicht pädagogisch-didaktisch qualifiziert werden – und das kann mitunter mehrere Jahre dauern – bekommen wir nur Jahresverträge, die mit dem letzten Schultag vor den Sommerferien enden.
Damit muss jetzt Schluss sein! Wir fordern die Schulbehörde auf, die unsägliche Praxis zu beenden, die uns zwingt, Arbeitslosengeld für die Zeit der Sommerferien zu beantragen!
Wir fordern: Bezahlte Sommerferien auch für uns Seiteneinsteiger:innen!
Shenja
Wir leisten die gleiche Arbeit wie vollausgebildete Kolleginnen und Kollegen, wir werden jedoch erheblich schlechter bezahlt!
Wir verstehen, dass es angesichts unterschiedlicher Qualifikationen Gehaltsunterschiede geben muss, aber wir sind nicht damit einverstanden, dass wir bis zu drei Entgeltgruppen unter den vollausgebildeten KuK liegen, und zwar bei gleicher Arbeit!
Wir fordern: eine angemessene Vergütung, die unserer Lehrtätigkeit, unserem zuvor erworbenen Fachwissen und unseren Vorqualifikationen entspricht!
Dazu gehört auch, dass bei einer Entfristung die bis dahin erworbene Berufs-erfahrung angerechnet wird!
Stefanie
Auch sind wir nicht einverstanden mit den Bedingungen, zu denen wir qualifiziert werden.
Kaum stellt die Schulbehörde fest, dass die Zahl der Erstklässler nach längerer Zeit wieder stagniert, wird uns einer von zwei jährlichen Ausbildungsstartterminen gestrichen!
Das heißt, dass Seiteneinsteiger:innen, die bereits zwei Jahre auf ihre Qualifizierung warten, abermals um ein halbes Jahr vertröstet werden! Das bedeutet, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass wir teils jahrelang an Hamburger Schulen unterrichten, ohne pädagogisch-didaktisch ausgebildet zu werden!
Das kann und darf, auch im Sinne der SuS, NICHT sein!
Wir fordern: Qualifizierung von Beginn der Lehrtätigkeit an!
Shenja
Wenn wir die einjährige Qualifizierung erfolgreich bestanden haben, werden wir NICHT höher eingruppiert. Das sieht die Schulbehörde in ihren Richtlinien zum Qualifizierten Seiteneinstieg ausdrücklich vor!
Wir fordern: Höhergruppierung nach erfolgreich bestandener Qualifizierung!
Und last but not least sollte es für uns auch Aufstiegsmöglichkeiten geben!
Uns gibt es zu Hunderten an Hamburger Schulen, wir sind eure Kolleginnen und Kollegen, wir leisten die gleiche Arbeit wie ihr und wollen entsprechend behandelt und wertgeschätzt werden!
Stefanie
Darum lasst uns alle solidarisch miteinander sein!
Shenja
Denn letztendlich wollen wir alle Dasselbe:
Stefanie
Bessere Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen für eine gute Zukunft aller, die wir Teil des Schulsystems sind!
Vielen Dank!

