Beim Streiktag am 23. Januar hielt unsere Kollegin Miriam, Physiotherapeutin an einer Sonderschule und in der Inklusion, eine Rede, die wir gerne wiedergeben.
Übersicht über vergangene und geplante Warnstreiks
Folge uns bei Facebook oder Instagram für Live-Berichte, Bilder und Videos unserer Aktivitäten!
Du willst eintreten? Herzlich willkommen!
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir stehen heute hier, weil wir immer wieder merken, dass viele von euch uns noch gar nicht kennen. Wir sind Ergotherapeut:innen und Physiotherapeut:innen, die an Hamburger Schulen arbeiten, genau wie ihr alle: als Angestellte im öffentlichen Dienst. Wir sind Angestellte der Schulbehörde.
Wir stehen hier, weil wir klarstellen wollen: Wir gehören natürlich auch zum Sozial- und Erziehungsdienst! Dafür müssen wir aber immer noch kämpfen!
Wir arbeiten an Sonderschulen und in der Inklusion an Regelschulen mit Schüler:innen, die einen Förderschwerpunkt in der körperlich-motorischen oder geistigen Entwicklung haben.
Unsere Berufsgruppe ist verhältnismäßig klein. Bis vor wenigen Jahren waren wir ca. 70 Therapeut:innen in ganz Hamburg, inzwischen sind wir ca. 180 Kolleg:innen, weil in der Inklusion immer mehr Bedarf entsteht.
Unsere Arbeit an Schulen ist nicht vergleichbar mit der Ergo- und Physiotherapie in einer Praxis, die ihr vielleicht aus eigener Erfahrung kennt.
Wir arbeiten nicht mit Patient:innen, sondern mit Schüler:innen!
Wir behandeln nicht nur, sondern sind Teil des Schulalltags, überall wo er stattfindet: Wir fördern, begleiten und ermöglichen Bildung.
Und wir arbeiten natürlich immer pädagogisch: mit den Schüler:innen innerhalb ihrer Klassen, im multiprofessionellen Team mit Erzieher:innen und Lehrkräften, bei Sportveranstaltungen – vom Rollstuhl-Basketballturnier bis zu den Paralympics –, auf Klassenfahrten und bei der Hilfsmittelversorgung unserer Schüler:innen.
In den letzten Jahren wurde auch immer deutlicher, dass wir für eine gelungene Inklusion in Regelschulen unverzichtbar sind.
Deshalb wurde in den letzten Jahren immer mehr inklusiv beschulten Schüler:innen von der Schulbehörde eine therapeutische Ressource zugestanden und zusätzliche Stellen geschaffen. Engagierte Eltern hatten sich jahrelang konsequent für eine therapeutische Versorgung im Rahmen der Inklusion eingesetzt, und auch der ehemalige Schulsenator Rabe und die jetzige Schulsenatorin Frau Bekeris haben unsere Bedeutung erkannt.
Aber sie sind immer noch nicht bereit, dafür angemessen zu bezahlen!
Die Inklusion von Schüler:innen mit körperlich-motorischem oder geistigem Förderbedarf, mit der sich Hamburg gerne schmückt, ist ohne uns gar nicht umsetzbar! Ohne uns funktioniert das multiprofessionelle Team nicht.
Hier wird es besonders deutlich: Schulische Physio- und Ergotherapie ist Bildung.
Deshalb sagen wir ganz klar: Wir wollen wieder zum Sozial- und Erziehungsdienst gehören und tariflich gleichgestellt werden mit unseren Erzieherkolleg*innen in den Sonderschulen – so wie es bis 2017 der Fall war. Nicht aus Neid. Nicht aus Konkurrenz. Sondern aus fachlicher Logik und Gerechtigkeit.
Berechtigterweise wurden pädagogische Berufe 2017 tariflich aufgewertet, um sie attraktiver zu machen. Wir haben die Aufwertung unserer Kolleg:innen voll unterstützt und in allen Tarifauseinandersetzungen der letzten Jahre immer für den Sozial- und Erziehungsdienst gekämpft.
Nur aus formalen Gründen wurden wir dabei nicht mitbedacht.
Ganz formal zählen wir Ergotherapeut:innen und Physiotherapeut:innen tariflich nicht zum pädagogischen Personal, sondern werden in einer Tarifgruppe mit angestellten Therapeut:innen im medizinischen Sektor gefasst. Das ist absurd: Kolleg:innen mit viel Berufserfahrung verdienen inzwischen bis zu 500 Euro im Monat weniger als ihre Erzieher:innen-Kolleg:innen.
Diese Ungleichheit führt zu Frust und Abwanderung. Immer spürbarer wird auch der Mangel an Physio- und Ergotherapie an Schulen, denn wegen der schlechten Bezahlung können freie Stellen gar nicht erst besetzt werden.
Wir schulischen Therapeut:innen sind ganz klar Teil des Sozial- und Erziehungsdienstes, Teil der Schule. Wir arbeiten pädagogisch, werden gebraucht und gehören dazu!
Wir appellieren an unsere gewerkschaftlichen Vertretungen Verdi und GEW, solidarisch zusammenzuarbeiten.
Ganz konkret an Verdi: Schließt euch unserer Forderung nach Eingruppierung in die S-Tabelle an! Vergesst uns nicht bei den Verhandlungen!
Wir sind nur wenige Betroffene und werden leicht übersehen und abgetan. Aber bei nur ca. 180 Therapeut:innen an Hamburgs Schulen ist es umso absurder, dass wir nicht endlich gleichgestellt werden.
In ganz Niedersachsen sind es nur 400 Kolleg:innen. Das sind doch Peanuts!
An Herrn Dressel und alle Verantwortlichen:
Wer eine Schule der Vielfalt will, muss das gesamte multiprofessionelle Team gut bezahlen! Wir brauchen die Eingruppierung in die S-Tabelle! S8b inklusive der Zulage der Sozial- und Erziehungsdienste.

