Damit die Arbeitgeber in der aktuell laufenden dritten Verhandlungsrunde endlich ein akzeptables Angebot vorlegen, haben wir am 10. Februar noch eine Schippe draufgelegt und sind erneut auf die Straße gegangen. Wir starteten um 7:30 Uhr mit einer Kundgebung vor der Schule Nymphenweg in Marmstorf, denn Profis brauchen mehr – auch an Sonderschulen! Anschließend fuhren wir zur gemeinsamen Kundgebung mit ver.di in die Innenstadt vor der Europa-Passage. Danach demonstrierten wir zum DGB-Gewerkschaftshaus, wo auch die Streikerfassung stattfand.
Übersicht über vergangene und geplante Warnstreiks
Du willst eintreten? Herzlich willkommen!
Folge uns bei Facebook oder Instagram für Live-Berichte, Bilder und Videos unserer Aktivitäten!
In Marmsdorf hielt user stellv. Vorsitzender Bodo Haß eine Rede, bei der Abschlusskundgebung am DGB sprach unser Vorsitzender Sven Quiring zu den Streikenden. Beide Reden findet ihr unten.
Rede Bodo Haß bei der Kundgebung am Nymphenweg
Guten Morgen liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, liebe Eltern, liebe Nachbarn der Sonderschulen hier in Harburg!
Toll, dass Ihr hier in der Frühe mit uns draußen seid!
Morgen beginnt die dritte und vielleicht letzte Verhandlungsrunde in den diesjährigen Tarifauseinandersetzungen. Und auch wenn der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Herr Dr. Dressel, immer wieder behauptet, es gäbe ein Angebot der Arbeitgeber.
Das gibt es bisher nicht. Es gibt irgendwelche Verhandlungskorridore mit Inflationsausgleich und einem Schnaps. Den finde ich als Wortwahl ja auch fragwürdig, mal abgesehen davon, dass Herr Dr. Dressel hier sicherlich nichts hochprozentiges meinte!
Deshalb wird heute wieder gestreikt, wir machen deutlich, dass wir bei den Verhandlungen ein vernünftiges Ergebnis erwarten. Die Forderungen sind klar:
7% mehr, mindestens 300€!
Einführung eines Tarifvertrages für Studierende!
Wir stehen heute morgen aber noch einmal vor einer Hamburger Sonderschule, weil die GEW und Ihr Kolleg:innen in diesen Verhandlungen ganz klare Erwartungen habt, die insbesondere die Sonderschulen und die sonderpädagogische Beschulung in der Inklusion betreffen:
Wir brauchen endlich die Umsetzung von Euch schulischen Ergos und Physios in die S-Tabelle. Das ist so schon lange nicht mehr tragbar. Das muss jetzt klappen. Ihr seid super sichtbar in dieser Verhandlungsrunde. Vielen Dank dafür auch von mir. Alle wissen, dass Ihr das auch in den letzten Jahren wart und kennen Euren Arbeitseinsatz in den Jahren dazwischen. Morgen fahren wir mit einer Delegation nach Potsdam, um dort direkt den Verhandlern noch einmal mitzugeben, dass wir Eure Umsetzung in die S-Tabelle, in die S8b, jetzt sofort und endlich brauchen.
S-Tabelle jetzt, denn Profis brauchen mehr!
Wir brauchen auch die Anerkennung, dass die inklusive Arbeit genau den gleichen Wert hat, wie die Arbeit an Sonderschulen.
Im Moment bekommen Erzieher:innen in der Inklusion weniger, als in den Sonderschulen, obwohl sie in ihrer Rolle mit dem gleichen Klientel arbeiten. Das ist absurd und auch dort gehören die Erzieher:innen in die S8b.
Denn Profis brauchen mehr!
Liebe Kolleg:innen,
die multiprofessionellen Teams werden größer. Das pädagogisch-therapeutische Fachpersonal in den Hamburger Schulen ist am wachsen, dafür braucht es mehr Koordinationsstellen. Damit diese sich dann aber auch für Euch Kolleg:innen lohnen, brauchen wir endlich die stufengleiche Höhergruppierung. Es ist absurd, dass Kolleg:innen mehr Verantwortung übernehmen, aber weiterhin fast das gleiche Geld bekommen.
Profis brauchen mehr!
Und, liebe Kolleg:innen, liebe Eltern, lasst es mich deutlich sagen:
Auch nach den Tarifverhandlungen werden die speziellen Sonderschulen und die sonderpädagogische Beschulung im bildungspolitischen Fokus liegen:
Die Schüler:innen haben sich verändert, aber auch die anderen Anforderungen an Euch:
Aus den Sonderschulen sollen Kompetenzzentren werden. Die Zusammenarbeit von Sonderschulen und den Inklusionsstandorten soll noch verstärkt werden.
Liebe Kolleg:innen: begleitet diesen Prozess aktiv, damit er sinnvoll gelingen kann:
Organisiert Euch in Euren Betriebsgruppen, bringt Eure Themen in die schulischen Gremien ein! Als GEW Hamburg haben wir die Fachgruppen Sonderpädagogik und PTF in denen wir diesen Prozess kritisch und konstruktiv begleiten. Bringt Euch dort ein!
Nicht zuletzt: Stellt Euch bei den kommenden Personalratswahlen gut auf, damit die Interessen von Euch Kolleg:innen gut vertreten werden können.
Liebe Kolleg:innen,
ich wünsche uns heute einen starken Streiktag, lasst uns gemeinsam mit den anderen Gewerkschaften unsere Forderungen auf die Straße tragen.
- 7% mehr, mindestens 300€
- Einführung des Tarifvertrages für die Studierenden
- Und endlich die Umsetzung der schulischen Therapeut:innen in die S-Tabelle
Denn Profis brauchen mehr!
Vielen Dank!
Rede von Sven Quiring am DGB am Besenbinderhof
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
moin und schön, dass ihr heute so zahlreich hier seid –
aus Schulen, Hochschulen und dem Sozial- und Erziehungsdienst.
Dass wir heute hier stehen, ist kein Zufall. Es ist notwendig.
Denn Solidarität entsteht nicht auf dem Papier. Solidarität entsteht auf der Straße.
Und heute setzen wir ein starkes Zeichen: GEW, ver.di und GdP streiken gemeinsam.
Gemeinsam, weil wir wissen:
Nur zusammen sind wir wirklich stark.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
der öffentliche Dienst ist kein Kostenfaktor. Er ist das Rückgrat dieser Gesellschaft.
Ihr habt in den letzten Jahren Unglaubliches geleistet: durch Pandemie, Energiekrise und Inflation –
und das alles bei massivem Personalmangel.
Während andere geredet haben, habt ihr dafür gesorgt,
dass Schulen offen blieben, Hochschulen funktionierten und Behörden arbeitsfähig waren.
Und trotzdem erleben viele von euch seit Jahren dasselbe:
Anerkennung in Worten –aber nicht im Geldbeutel.
Deshalb sagen wir ganz klar: Dankesreden zahlen keine Miete. Dankesreden füllen keinen Kühlschrank.
Kolleginnen und Kollegen, gute Arbeit braucht gutes Geld!
Unsere Forderung ist klar:
Sieben Prozent mehr Gehalt – mindestens 300 Euro im Monat.
Und was hören wir von den Arbeitgebern?
„Das ist astronomisch.“
Kolleginnen und Kollegen:
Wenn das astronomisch ist, dann lasst uns nach den Sternen greifen!
Denn was ist wirklich realitätsfern?
Sieben Prozent mehr für die Menschen, die dieses Land am Laufen halten?
Oder die Erwartung, dass wir dauerhaft mit Reallohnverlusten, Überlastung
und Personalmangel einfach weitermachen?
Die Fakten sind eindeutig:
Die Steuereinnahmen der Länder sind auch 2025 kräftig gestiegen um rund 20 Milliarden Euro.
Das ist kein Problem. Das ist Verhandlungsspielraum.
Und Kolleginnen und Kollegen, wir wissen: Dieser Streiktag wirkt.
Mit rund 2.500 engagierten Kolleg:innen
haben wir heute einen grandiosen Streiktag hingelegt.
Respekt – und ja:
auch für euer Durchhaltevermögen trotz kalter Füße!
Aber wir sagen auch ganz klar: Applaus allein reicht nicht.
Denn nach wie vor gibt es in dieser Tarifrunde kein akzeptables Angebot der Arbeitgeber.
Im Gegenteil:
Gerade im Bildungsbereich kündigen sie einen massiven Sparkurs an.
Sparen –bei überlasteten Schulen.
Sparen –bei unterfinanzierten Hochschulen.
Sparen –auf dem Rücken der Beschäftigten.
Und besonders dreist:
Ein klares Nein der Arbeitgeber
zur Forderung nach einem Tarifvertrag
für die bundesweit rund 300.000 studentischen Beschäftigten.
Das zeigt doch ganz deutlich: Sie hoffen, dass wir müde werden. Dass wir nach Hause gehen.
Dass wir aufgeben. Tun wir aber nicht.
Im Gegenteil:
Das heißt für uns: Wir müssen den Druck erhöhen.
Denn es geht in dieser Tarifrunde um mehr als nur Prozentzahlen.
Wir sagen:
TV Stud jetzt!
Gute Lehre und gute Forschung
brauchen faire Arbeitsbedingungen.
Wir sagen:
Stufengleiche Höhergruppierung im TV-L!
Mehr Verantwortung
muss schneller besser bezahlt werden.
Wir sagen:
Weiterentwicklung der Lehrkräfte-Entgeltordnung!
Auch tarifbeschäftigte Lehrkräfte
und Seiteneinsteigende
verdienen endlich gerechte Bezahlung.
Und hier in Hamburg sagen wir ganz deutlich:
Die schulischen Ergo- und Physiotherapeutinnen
leisten hochqualifizierte Arbeit –
und werden schlechter bezahlt
als vergleichbare Kolleginnen.
Das ist nicht hinnehmbar.
Eingruppierung in die S-Tabelle – jetzt!
Auch an den Hochschulen gilt: Wer dauerhaft Aufgaben erfüllt, braucht auch dauerhafte Beschäftigung.
Dauerstellen für Daueraufgaben sind Voraussetzung für Qualität.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir stehen heute hier in Hamburg
und senden ein klares Signal:
Diese Stadt funktioniert nicht von allein. Hamburg läuft, weil wir sie am Laufen halten.
Und deshalb sagen wir heute gemeinsam, GEW, ver.di und GdP:
Wir lassen nicht zu,
dass die Länderbeschäftigten weiter abgehängt werden.
Wir lassen nicht zu, dass Überlastung zur Normalität wird.
Unsere zentrale Forderung bleibt:
Sieben Prozent.
Mindestens 300 Euro.
Für alle Länderbeschäftigten.
Kolleginnen und Kollegen, das hier ist kein Abschluss –das ist ein Auftakt.
Wenn es kein anständiges Angebot gibt, bleiben wir dran.
Dann kommen wir wieder. Und wir geben nicht nach, bis ein gerechtes Ergebnis auf dem Tisch liegt.
Denn ohne uns läuft hier nichts.
Hamburg steht zusammen.
Hamburg streikt zusammen.
Hamburg hält zusammen.
Danke euch!

