Als Studierende gelten wir als zukünftige Fachkräfte und als akademischer Nachwuchs. Hinter dieser Vorstellung verbirgt sich aber eine prekäre Realität, die für Hunderttausende von uns bundesweit zum täglichen Erlebnis geworden ist. Wir sind es, die Seminare vorbereiten, Arbeiten korrigieren, Tutorien leiten und Forschungsdaten auswerten. Wir lehren, forschen, studieren und promovieren gleichzeitig. Unsere Arbeitsorte sind Labore, Servicebereiche, Verwaltungsbüros und IT-Abteilungen der Hochschulen.
Damit bilden wir eine unverzichtbare Stütze des gesamten Wissenschaftsbetriebs, die trotz unserer relevanten und notwendigen Arbeit systematisch schlecht entlohnt und als billige Arbeitskraft ausgebeutet wird. Dieser Zustand hat System.
Die bereits im Jahr 2023 von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und ver.di in Auftrag gegebene Studie mit dem Titel „Jung, akademisch, prekär?“ zeichnete mit über 11.000 Befragten ein erschreckendes Bild der Situation. Bis heute, im Jahr 2026, hat sich an diesen grundlegenden Missständen nichts gebessert. Die Arbeitsbedingungen von uns studentischen Beschäftigten sind durchzogen von permanenter Unsicherheit. Die durchschnittliche Vertragslaufzeit beträgt weniger als sechs Monate und überschreitet selten zwölf Monate. Wer mehrfach angestellt ist, arbeitet oft in Folge an derselben Stelle und sieht sich mit Kettenverträgen konfrontiert. Diese ständige Unsicherheit macht eine langfristige Lebensplanung unmöglich und erhöht den psychischen sowie existenziellen Druck immens. Wir leiden unter unsicheren Perspektiven, während wir parallel versuchen, unseren Lebensunterhalt zu finanzieren. Statt fairer Arbeitsbedingungen erleben wir permanenten Lohndruck und haben kaum Möglichkeiten zur Mitbestimmung. Nicht einmal den Schutz eines Tarifvertrags können wir als Hilfskräfte in Anspruch nehmen. Nach der zweiten Verhandlungsrunde wurde uns diese Forderung ein weiteres Mal verwehrt.
Diese ohnehin schon prekäre Lage wird nun durch die aktuellen Sparpläne der Länder und Hochschulen zur existenziellen Bedrohung. Während andere Beschäftigtengruppen im öffentlichen Dienst Tarifrunden mit Forderungen nach sieben Prozent mehr Gehalt oder mind. 300 Euro monatlich abgelehnt werden, wie die GEW-Vorsitzende Maike Finnen bereits scharf kritisierte, werden wir zum stillen Opfer einer anderen Rechnung: der öffentlichen Haushaltskonsolidierung.
Die konkreten Folgen zeigen sich besonders drastisch am Beispiel der Universität Hamburg. Hier sind alle Fakultäten mit mindestens 4,5 Prozent Kürzungen ihrer Budgets konfrontiert, von denen unsere Jobs und unsere Studienqualität massiv abhängen. Bereits heute sind rund 30 Prozent der Stellen in Forschung und Lehre unbesetzt und weitere Einsparungen sind geplant bei Lehrveranstaltungen, Tutorien und in der Verwaltung. Erst vor wenigen Monaten wurde die vollständige Streichung des Studiengangs „Behindertenpädagogik“ für Lehramts- und Erziehungswissenschaftsstudierende bestätigt.
Als Grund für diese tiefgreifenden Einschnitte wird genannt, die Universität habe jahrelang schlecht gewirtschaftet und die steigenden Personalkosten nicht einkalkuliert. Wir sind die Fachkräfte, die die Zukunft dieser Gesellschaft begleiten. Doch jeder gestrichene Euro in unserer Lehre ist eine Kürzung an der Bildungsqualität von morgen. Eine mangelhafte Ausbildung im Lehramt und in der Erziehungswissenschaft trifft am Ende nicht nur uns Studierende, sondern jedes Kind und jede Familie in diesem Land.
Es erscheint aus der Sicht der Verantwortlichen daher folgerichtig, dass die entstandenen Mehrkosten dieser Fehlplanung nun auf uns Studierende abgewälzt wird. Dass wir, die studentischen Beschäftigten und Studierenden, für diese hausgemachten Probleme büßen müssen, ist ein Armutszeugnis! Der Semesterbeitrag wurde zum aktuellen Semester bereits von 343€ auf 384€ erhöht. Eine weitere Erhöhung ist im Folgesemester zu befürchten.
Innerhalb dieser Sparlogik werden die Stellen von studentischen Hilfskräften und Tutor*innen zur einfachsten und schnellsten Stellschraube herabgesetzt. Unsere Arbeit gilt als vermeintlich entbehrlich. Doch jede gestrichene HiWi-Stelle bedeutet nicht nur einen verlorenen Job und eine gefährdete Existenz für eine*n Kommiliton*in, sondern auch schlechtere Betreuung in überfüllten Seminaren und eine insgesamt sinkende Lehrqualität für uns alle. Ohne den Schutz eines verbindlichen Tarifvertrags sind wir diesen Maßnahmen schutzlos ausgeliefert.
Wir leiden in doppelter Hinsicht unter dieser Entwicklung. Zuerst leiden wir als finanziell abhängige Beschäftigte, deren Verträge nicht verlängert werden und deren Lebensgrundlage schwindet. Gleichzeitig leiden wir als Studierende, die die unmittelbaren Folgen dieser Kürzungen im Hörsaal und im Seminarraum zu spüren bekommen. Weniger Tutorien, eine qualitativ schlechtere Lehre durch überlastete Dozierende und ein ausgedünntes Lehrangebot sind die direkten Konsequenzen. Die Sparpolitik trifft uns somit mit voller Wucht, sowohl in unserer Rolle als Arbeitende als auch in unserer Rolle als Lehrende und Lernende.
Es reicht! Schluss mit dem Bildungsabbau!
Wir fordern:
- eine gerechtere Ausfinanzierung der Hochschulen, Bildungsstätten und des Studiums!
- eine tarifliche Bindung für alle studentischen Beschäftigten und keine befristeten (Ketten-) Verträge!
- bessere Studien- und Arbeitsbedingungen, ohne Perspektivlosigkeit der Beschäftigten!
Daher rufen wir als Hamburger GEW Studis der Erziehungswissenschaften und des Lehramts alle Beschäftigten und Studierenden auf, sich mit uns und den Streikenden am 28. Januar zum bundesweiten Hochschulaktionstag zu solidarisieren. Steht mit uns gemeinsam auf der Straße für eine bessere Finanzierung unseres Studiums und unseres Arbeitsplatzes. Alle zusammen!
Du willst eintreten? Herzlich willkommen!
Sprecherinnen der GEW Studis Hamburg
Sophie und Estelle

