Beim „Streiktag Bildung“ in Hamburg am 29. Januar hielt Annett Lindner, GEW-Vorstandsmitglied Tarif- und Beamtenpolitik, eine Rede:
Übersicht über vergangene und geplante Warnstreiks
Du willst eintreten? Herzlich willkommen!
Rede Annett Lindner - Streiktag Bildung Hamburg, 29.01.2026
Kolleginnen und Kollegen,
toll dass ihr zum Streiktag Bildung hier seid!
Ich begrüße alle Lehrerinnen und Lehrer!
Ich begrüße alle sozialpädagogischen und therapeutischen Fachkräfte!
Ich begrüße alle Erzieherinnen und Erzieher!
Ich begrüße alle Wissenschaftler*innen und Hochschul-Lehrkräfte!
Ich begrüße alle studentischen Beschäftigten!
Ihr alle seid die Bildungsprofis – und Profis brauchen mehr!
Bildung ist Länderthema – das betonen die Länder unisono. In jedem Landtagswahlkampf, in jeder Sonntagsrede. Nur wenn’s ums Geld geht, dann ducken sie sich weg! So auch in dieser Tarifrunde. Zwei Verhandlungsrunden seit Anfang Dezember und immer noch kein Angebot. Das ist schäbig!
Deshalb fällt heute die Schule aus, deshalb bleibt heute der Hort und die Kita zu, deshalb ist heute Bambule an der Hochschule: Heute ist Streiktag! Streiktag Bildung!
Das fällt vielleicht nicht leicht. Ihr kämpft jeden Tag für gute Bildung, trotz miserabler Rahmenbedingungen. Aber die Arbeitgeber lassen uns keine Wahl!
Ist streiken in der Bildung unverantwortlich? Lasst ihr die Kinder und jungen Erwachsenen allein? Nein, andersrum wird ein Schuh draus!
Seit Jahrzehnten wird an der Bildung gespart. Deshalb fällt Tag für Tag Schulunterricht aus. Deshalb fehlt in Kitas und Horten das Personal. Deshalb platzen die Hochschulen aus allen Nähten. Und ihr müsst die Folgen ausbaden. So kann das nicht weitergehen!
Nur mit besseren Bedingungen in der Bildung gibt es gute Bildung für alle. Dafür braucht es attraktive Arbeitsplätze. Und dazu gehören auch attraktive Gehälter. Deshalb fordern wir sieben Prozent!
Profis brauchen mehr!
Arbeitgeber bezeichnen Forderungen als nicht zeitgemäß
Liebe Kolleg*innen,
wir fordern sieben Prozent mehr Gehalt, mindestens 300 Euro im Monat. Die Länder-Arbeitgeber sagen, das sei astronomisch. Wenn das astronomisch ist, dann lasst uns nach den Sternen greifen! Sie sagen, unsere Forderungen würden nicht in die Zeit passen. Welche Zeit meinen sie damit? Um fehlende Steuereinnahmen kann es dabei nicht gehen. Denn die Einnahmen der Länder verzeichneten auch 2025 ein kräftiges Plus von insgesamt rund 20 Milliarden Euro. Das ist eine Steigerung um 5,1 Prozent in nur einem Jahr! Das wäre doch ein guter Einstieg in Tarifverhandlungen.
Profis brauchen mehr!
Lehrkräfte-Eingruppierung endlich weiterentwickeln!
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
seit 2015 gibt es den Tarifvertrag, der die Eingruppierung der angestellten Lehrkräfte regelt. Davor haben die Arbeitgeber das auf der Grundlage selbst erlassener Richtlinien getan. Die GEW hat viele Jahre für die tarifliche Eingruppierung gekämpft. Dass wir überhaupt einen Tarifvertrag haben, ist ein Erfolg. Aber die GEW hat das Erreichte von Anfang an kritisch gesehen. Denn eine zentrale Forderung ist bis heute nicht umgesetzt. Diese Forderung ist klar und einfach: Angestellte Lehrkräfte sollen bei gleicher Tätigkeit in die Entgeltgruppe eingruppiert sein, die der Besoldungsgruppe verbeamteter Kolleg*innen entspricht. Das nennen wir Paralleltabelle. In den Folgejahren haben wir weitere Punkte formuliert, in denen die Lehrkräfte-Eingruppierung dringend weiterentwickelt werden müsste. Seit 2019 haben wir von der TdL die Zusage, darüber zu verhandeln. Doch diese Zusage wurde mit wechselnden Begründungen von der TdL immer wieder aufgeschoben.
Wir wollen uns nicht länger abspeisen lassen. Wir fordern, dass endlich die vollständige Paralleltabelle kommt. Und wir fordern die Lehrkräfte-Eingruppierung so weiter zu entwickeln, dass Ungerechtigkeiten, die wir seit Jahren aufgezeigt haben, endlich beseitigt werden. Wir rufen den Arbeitgebern zu: Duckt euch nicht länger weg! Lasst uns die Probleme endlich lösen! Ihr solltet doch eigentlich auch ein Interesse daran haben, diesen Beruf attraktiver zu machen – auch für angestellte Lehrkräfte!
Profis brauchen mehr!
Tarifvertrag für Studentische Beschäftigte, jetzt!
Liebe Kolleg*innen,
an den Hochschulen arbeiten rund 300.000 Studentische Beschäftigte als wissenschaftliche und künstlerische Hilfskräfte und als Tutor*innen. Nur in Berlin haben sie einen Tarifvertrag, der Entgelt, Arbeitszeit, Urlaub und vieles mehr regelt. In den anderen Bundesländern verweigern ihnen die Landes-Arbeitgeber weiterhin den Schutz eines Tarifvertrags. Das sind fast 300.000 Beschäftigte ohne Tarifbindung! Und das im öffentlichen Dienst! Während der Bundestag über Tariftreue und die Stärkung der Tarifbindung diskutiert. Das ist ein Skandal! Und diese Tarifrunde bietet euch, liebe Arbeitgeber, die Chance, diesen Skandal endlich zu beenden. Deshalb stehen wir wieder gemeinsam hier für einen echten Tarifvertrag für Studentische Beschäftigte. Gemeinsam rufen wir: TV-Stud! Jetzt!
Profis brauchen mehr!
Schulsozialarbeiter*innen und schulische Therapeut*innen
Liebe Kolleg*innen,
an den Schulen arbeiten auch sozialpädagogische und therapeutische Fachkräfte. Sie leisten eine hochqualifizierte und wichtige Arbeit mit Wirkung weit über die Schule hinaus. Doch ihre Eingruppierung entspricht dem vielerorts nicht. Sie sind hier gut sichtbar auf dem Platz und sie fordern lautstark eine Aufwertung durch Zuordnung ihrer Tätigkeit zu einer höheren Entgeltgruppe. In der Tarifrunde wollen die Gewerkschaften einen Einstieg in Verhandlungen zur Reform der Entgeltordnung Länder erreichen. Das bietet auch die Chance, die Forderungen der Schulsozialarbeiter*innen und schulischen Therapeut*innen endlich einzulösen. Auch dafür stehen wir hier heute gemeinsam und solidarisch. Denn ihr verdient das!
Profis brauchen mehr!
Ost-West-Angleichung
Liebe Kolleg*innen,
wir fordern die vollständige Angleichung der Arbeitsbedingungen der Landesbeschäftigten Ost an West. Muss man das 35 Jahre nach der Einheit noch begründen? Leider ja, denn nach wie vor warten die Kolleg*innen auch im öffentlichen Dienst auf die Vollendung des Angleichungsprozesses. Beim besonderen Kündigungsschutz haben die Kolleg*innen im Tarifgebiet Ost weiterhin das Nachsehen. Damit muss jetzt endgültig Schluss sein! Gleiche Bedingungen für gleiche Arbeit!
Profis brauchen mehr!
Stufengleiche Höhergruppierung
Liebe Kolleg*innen,
wer höherwertige Aufgaben übernimmt, steigt in eine höhere Entgeltgruppe auf. Das sollte eigentlich bedeuten, dass man auch mehr verdient als vorher. Im Tarifvertrag der Länder besteht jedoch weiterhin eine unsinnige Regelung, die dazu führt, dass viele Kolleg*innen bei der Höhergruppierung in eine niedrigere Erfahrungsstufe gelangen und teils erhebliche Gehaltseinbußen erleiden. Das kann man niemandem erklären und das gehört einfach abgeschafft! Wir fordern die stufengleiche Höhergruppierung! Die ist übrigens bei Bund und Kommunen schon längst Realität. Also weg mit dem sognannten Rösselsprung! Damit jede Höhergruppierung sich auszahlt!
Profis brauchen mehr!
Liebe Kolleg*innen,
es macht Spaß, hier gemeinsam mit euch auf dem Platz zu stehen. Trotzdem hoffe ich, dass das nicht noch einmal nötig ist. Das liegt jetzt in der Hand der Arbeitgeber: Legt uns endlich ein akzeptables Angebot vor. Dann sind wir hier ganz schnell weg! Tut nicht so, als hättet ihr kein Geld. Das Geld ist da – ihr müsst es nur wollen.
Falls ihr das nicht kapiert, sage ich aber auch: Dann kommen wir wieder – immer wieder!
Profis brauchen mehr!

