Im Rahmen der aktuellen Tarifauseinandersetzung zum TV-L rief die GEW Hamburg am 8. Januar zu einer Kundgebung an der Reesendammbrücke gegenüber vom Rathaus auf. Im Mittelpunkt standen die schulischen Ergo- und Physiotherapeut*innen, die seit Jahren eine tarifliche Gleichstellung mit dem Sozial- und Erziehungsdienst fordern. Unser stellvertretender Vorsitzender Bodo Haß hielt eine Rede, die wir gerne wiedergeben:
Moin, moin Herr Dr. Dressel,
hier stehen trotz Kälte und Schnee knapp 100 schulische Ergo- und Physiotherapeut:innen. Das sind 2/3 der schulischen Therapeu*tinnen in Hamburg.
Sie stehen hier, weil sie wieder genauso bezahlt werden wollen, wie ihre Erzieherkolleg:innen an den Sonderschulen, mit denen sie schon immer eng verbunden im Team arbeiten. Die Aufwertung des Sozial- und Erziehungsdienstes haben sie mit erkämpft, aus formalen Gründen wurden sie nur nicht mitbedacht.
Die Unterschiede in der Tarifierung sind den schulischen Therapeut:innen nicht vermittelbar, auch wenn sie ihren Erzieher-Kolleg:innen das Geld ehrlich gönnen. Sie brauchen es auch!
Die schulischen Ergo-und Physiotherapeut:innen an den Schulen fordern ihre Eingruppierung in die S8b mit der Hamburger Zulage für den Sozial- und Erziehungsdienst! Und das fordern sie und die GEW seit der Einführung der SuE-Tabelle 2020!
Die Kolleg:innen organisierten mit der GEW zusammen diverse Kundgebungen, schrieben Briefe an Herrn Rabe und an Frau Bekeris, wandten sich an den Bürgermeister.
Sie erhalten dabei außerordentlich viel Unterstützung und Solidarität von den Erzieher:innen und Lehrkräften der Schulen, von Schulleitungen und Elternräten der speziellen Sonderschulen und dem Kreiselternrat. Alle Beteiligten in der sonderpädagogischen Förderung wissen, wie wichtig ihre Arbeit in den multiprofessionellen Teams der Schulen ist!
Inhaltlich gibt es aus der Erfahrung der Gespräche mit verschiedensten Personen keinen Dissens mehr mit der Schulbehörde.
Therapeutische Arbeit an Schulen ist immer auch pädagogisch. Nicht umsonst werden in den inzwischen von der BSFB verwalteten Kindertagesstätten Ergo- und Physiotherapeut:innen dem Sozial- und Erziehungsdienst zugerechnet.
Alle Bemühungen, für die schulischen Therapeut:innen eine tarifkonforme Hamburger Regelung zu finden, scheiterten bislang. Es fehlte die formale Möglichkeit, aber auch der Wille, diese zu schaffen!
Bei Kolleg:innen mit viel Berufserfahrung gibt es Gehaltsunterschiede von bis zu über 500€ im Monat. Das sind Summen, die ein Arbeitsleben verändern und zu Frust in den Kollegien führt. Dazu werden Ergo- und Physiotherapeut:innen in Praxen besser bezahlt.
Nach 9 Jahren wachsender Gehaltslücke braucht es jetzt endlich eine Umsetzung im TVL für die schulischen Therapeut:innen hier in Hamburg, in Niedersachsen und für die vereinzelten Kolleg:innen in den anderen Bundesländern.
Der niedersächsische Ministerpräsident hat in einem persönlichen Statement seine Unterstützung für diese Forderung geäußert. Hamburg muss nun folgen. Setzen Sie sich im Interesse Hamburgs und als Vorsitzender der TdL dafür ein.
Die Kolleg:innen brauchen diese Regelung, aber die Schulen brauchen diese auch, weil sie sonst nach und nach ihr therapeutisches Personal verlieren werden! Dem Aushängeschild der BSFB im sonderpädagogischen Bereich, der bestmöglichen Förderung der Kinder und Jugendlichen mit speziellem Förderbedarf durch multiprofessionelle Teams, droht damit das Aus.
Ohne schulische Therapeut:innen ist dieses Konzept nicht umsetzbar.
Zur Verdeutlichung der multiprofessionellen Arbeit überreiche ich Ihnen ein Exemplar gesammelter Praxisberichte schulischer Physio-und Egotherapeut*innen.
Herr Dr. Dressel, setzen Sie sich als Hamburger Arbeitgeber für die schulischen Therapeut:innen gegenüber Ihren Kolleg:innen in der TdL ein.
Als GEW werden wir unsere Erwartungen laut und deutlich in den Verhandlungen vor- und einbringen.
Die Kolleg:innen haben die Gleichstellung mit ihren Kolleg:innen immer verdient und brauchen sie jetzt.
Vielen Dank!
Foto: GEW Hamburg

