Beim „Streiktag Bildung“ in Hamburg am 29. Januar hielt Sven Quiring, Vorsitzender der GEW Hamburg, eine Rede:
Übersicht über vergangene und geplante Warnstreiks
Du willst eintreten? Herzlich willkommen!
Liebe Kolleginnen und Kollegen, moin und herzlich willkommen hier in Hamburg!
Schön, dass ihr heute so zahlreich hier seid –
aus Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern,
aus Schulen, Hochschulen, Kitas und dem Sozial- und Erziehungsdienst.
Dass wir heute hier stehen, ist wichtig.
Denn Solidarität entsteht nicht auf dem Papier.
Solidarität entsteht auf der Straße.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
der öffentliche Dienst ist kein Kostenfaktor –
der öffentliche Dienst ist das Rückgrat dieser Gesellschaft!
Ihr habt in den letzten Jahren Unglaubliches geleistet:
durch Pandemie, durch Energiekrise, durch Inflation,
und das alles bei massivem Personalmangel.
Während andere über Krisenmanagement geredet haben,
habt ihr dafür gesorgt, dass die Schulen offen blieben,
Behörden arbeitsfähig waren, Hochschulen funktionierten
und dieser Staat handlungsfähig blieb.
Ihr sorgt jeden Tag dafür, dass dieses Land Zukunft hat.
Und trotzdem erleben viele von euch seit Jahren immer dasselbe:
Anerkennung in Worten, aber nicht im Geldbeutel.
Deshalb sagen wir klar und deutlich:
Dankesreden zahlen keine Miete.
Dankesreden füllen keinen Kühlschrank.
Und Dankesreden machen niemanden gesund.
Kolleginnen und Kollegen,
gute Arbeit braucht gutes Geld!
Damit ihr gesund bleibt. Damit ihr motiviert bleibt. Und damit sich auch morgen noch hochqualifizierte Kolleg*innen für den öffentlichen Dienst entscheiden und nicht woanders hingehen,
weil dort Wertschätzung nicht nur versprochen, sondern bezahlt wird.
Die Beschäftigten bei Bund und Kommunen haben es vorgemacht.
Sie haben im April 2025 einen guten Abschluss erkämpft.
Und fast ein Jahr später sagen wir ganz klar:
Die Landesbeschäftigten dürfen nicht abgehängt werden!
Deshalb legen wir jetzt eine Schippe drauf.
Deshalb sagen wir heute laut und unmissverständlich:
Her mit der Kohle!
Spart euch die Dankesreden und legt stattdessen beim Gehalt ordentlich was drauf!
Unsere Forderung ist klar.
Sie ist gerecht. Und sie ist notwendig:
Sieben Prozent mehr Gehalt – mindestens 300 Euro im Monat.
Und was hören wir von den Arbeitgebern?
„Das ist astronomisch.“
Kolleginnen und Kollegen,
wenn das astronomisch ist –
dann lasst uns nach den Sternen greifen!
Denn was ist wirklich realitätsfern?
Sieben Prozent mehr für die Menschen, die dieses Land am Laufen halten?
Oder die Erwartung, wir dauerhaft mit Reallohnverlusten, Überlastung und Personalmangel einfach so weitermachen?
Sie sagen:
„Diese Forderungen passen nicht in die Zeit.“
Ich frage euch:
Welche Zeit meinen sie eigentlich?
Die Zeit steigender Preise? Die Zeit explodierender Mieten? Die Zeit leerer Stellenpläne
und immer größerer Arbeitsbelastung? Oder meinen sie die Zeit leerer Kassen?
Kolleginnen und Kollegen,
daran kann es ganz sicher nicht liegen.
Die Fakten sind eindeutig:
Die Steuereinnahmen der Länder sind auch 2025 kräftig gestiegen, um rund 20 Milliarden Euro,
ein Plus von 5,1 Prozent in nur einem Jahr! 20 Milliarden Euro mehr!
Kolleginnen und Kollegen,
das ist kein Problem –
das ist ein Verhandlungsspielraum.
Das ist kein Argument gegen unsere Forderungen, das ist ein verdammt guter Einstieg
in ernsthafte Tarifverhandlungen!
Und es geht in dieser Tarifrunde um mehr als nur Prozentzahlen.
Wir sagen:
TV Stud jetzt!
Gute Lehre und gute Forschung brauchen faire Arbeitsbedingungen.
Wir sagen:
Stufengleiche Höhergruppierung im TV-L!
Mehr Verantwortung muss auch zeitnah besser bezahlt werden.
Wir sagen:
Weiterentwicklung der Lehrkräfte-Entgeltordnung –
nicht irgendwann, sondern jetzt!
Und hier in Hamburg und in Niedersachsen sagen wir klar:
Die schulischen Ergo- und Physiotherapeutinnen leisten hochqualifizierte therapeutische und pädagogische Arbeit und werden schlechter bezahlt als vergleichbare Kolleginnen.
Das ist nicht zu begründen
und nicht hinnehmbar
Eingruppierung in die S-Tabelle – jetzt!
Auch an den Hochschulen ist klar: Wer dauerhaft Aufgaben erfüllt, braucht auch dauerhafte Beschäftigung. Dauerstellen für Daueraufgaben sind Voraussetzung für Qualität, keine Luxusforderung.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir wollen keinen Luxus. Wir wollen Respekt.
Respekt, der sich auf der Gehaltsabrechnung zeigt. Respekt, der unserer Verantwortung gerecht wird,
jeden einzelnen Tag.
Deshalb stehen wir heute hier. Deshalb streiken wir. Deshalb werden wir laut.
Denn ohne Druck bewegt sich nichts. Und ohne uns bewegt sich dieser Laden überhaupt nicht!
Wir stehen noch nicht am Ende dieser Tarifrunde. Wir brauchen einen langen Atem.
Aber eines ist glasklar: Wir werden uns in den nächsten Wochen noch öfter auf Streiktagen sehen,
und darauf freue ich mich!
Gemeinsam –
GEW, ver.di und GdP –
zeigen wir den Arbeitgebern:
An einem angemessenen Ergebnis
werden sie nicht vorbeikommen!
Sieben Prozent. Mindestens 300 Euro. Für alle Länderbeschäftigten.
Danke euch –
und jetzt:
Lasst uns gemeinsam Druck machen!
Und jetzt noch kurz in eigener Sache, hier als GEW Hamburg:
Mit großer Sorge sehen wir die Bestrebungen zur Wiedereinführung der sogenannten Regelanfrage im öffentlichen Dienst in Hamburg. Die GEW lehnt den vorliegenden Gesetzesentwurf ab.
Er ist unverhältnismäßig und geht deutlich über das Ziel hinaus. Bereits heute verfügt Hamburg über wirksame Instrumente gegen politischen und religiösen Extremismus im öffentlichen Dienst:
vom Disziplinarrecht über bestehende Regelungen bis hin zu Erklärungen neuer Beschäftigter.
Der öffentliche Dienst ist nicht wehrlos.
Deshalb gibt es heute für euch eine Petition gegen die Regelanfrage. Bitte unterschreibt sie zahlreich und zeigt, dass wir wachsam bleiben!
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
das ist Solidarität: nicht nur für bessere Bezahlung, sondern auch für einen demokratischen und starken öffentlichen Dienst.
Und weil wir heute nicht nur in Hamburg stehen, sondern weil wir hier gemeinsam als norddeutsche Bildungsgewerkschaften auftreten, freue ich mich sehr, dass jetzt auch unsere Kolleg*innen aus den anderen Bundesländern das Wort ergreifen werden.
Denn dieser Streiktag ist ein gemeinsames Signal –
über Landesgrenzen hinweg: Hallo Bremen! Hallo Mecklenburg-Vorpommern! Hallo Niedersachsen!
Hallo Schleswig-Holstein! Hallo Hamburg!

