Am 28. Januar war Hochschulaktionstag. Um 11 Uhr fand am Hauptcampus der Uni Hamburg (Von-Melle-Park) eine Kundgebung statt, es folgte eine Demo durchs Viertel. Unser Kollege Patrick Grommes hielt eine Rede, die ihr unten findet.
Übersicht über vergangene und geplante Warnstreiks
Du willst eintreten? Herzlich willkommen!
Rede zum Hochschulaktionstag am 28.01.2026
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir sind heute hier, um gemeinsam für faire Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und eine solide Finanzierung der Hochschulen zu kämpfen. Steigende Preise bei Lebensmitteln, hohe Mieten, unsichere Stellen – lieber Andreas Dressel: dagegen hilft kein Inflationsausgleich und auch kein Schnaps!
Wissenschaft ist immer noch ein prekäres Arbeitsfeld. Es ist ein Arbeitsfeld, in dem sich Beschäftigte vielfach von einem befristeten Vertrag zum anderen hangeln, um am Ende oft gar keinen Vertrag mehr zu haben. Diese Gefahr ist akuter denn je! An vielen Hochschulen unserer Stadt reicht das Geld hinten und vorne nicht. Die Folge: Stellen werden nicht verlängert, Stellen bleiben unbesetzt. Die Arbeitslast nimmt zu, die Perspektiven werden unsicherer.
Wir als GEW fordern daher einen Kurswechsel in der Hochschulfinanzierung und endlich konsequente Schritte gegen die herrschende Befristungspraxis
Es ist höchste Zeit, dass die Verantwortlichen in Politik und Wissenschaft nicht nur einzelne Inseln der Exzellenz schaffen, sondern den Rahmen für eine „Exzellenz für alle“ schaffen: Dafür braucht es eine auskömmliche Grundfinanzierung und solide Grundlagen in Lehre und Forschung. Bund und Land müssen endlich anerkennen, was die Kolleginnen und Kollegen tagtäglich in der Lehre leisten, mit welch weitem Blick hier Forschung betrieben wird. Genau dafür braucht es Geld von Bund und Land!
Wir fordern
- Dauerstellen für Daueraufgaben!
Aus Sicht der GEW ist Lehre grundsätzlich eine Daueraufgabe. Dafür muss es Dauerstellen geben, wie es auch im HmbHG steht. Vor über zwei Jahren wurde von den Hochschulleitungen die „Hamburger Erklärung“ veröffentlicht. Trotz erster Lichtblicke lässt der Durchbruch auf sich warten.
Wir sagen außerdem:
- Auch Drittmittel-Dauerstellen sind möglich!
Immer wieder werden langjährig befristete Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor die Tür gesetzt. Auch wegen gesetzlich festgelegter Grenzen von Kettenbefristung hat die Uni Hamburg Angst, diesen könnten unbefristete Stellen zustehen. Aber: Gute Arbeit hat sichere Beschäftigung verdient, und daher fordern wir die Uni auf, Betroffene auf langjährigen Drittmittelstellen unbefristet weiter zu beschäftigen!
Wir fordern weiter:
- Stellen schaffen, statt Lehrbeauftragte zu missbrauchen!
Es ist schlechte Arbeitgeberpolitik, wenn feste Stellen aus Kostengründen ganz vermieden oder sogar abgeschafft werden und die notwendige Lehre stattdessen auf kostengünstige Lehrbeauftragte abgewälzt werden. Aus Sicht der GEW ist dieser Missbrauch einzustellen, indem erstens eng begrenzt wird, wieviel Lehre durch Lehraufträge geleistet werden darf und zweitens der Vergütungssatz deutlich erhöht wird.
Und angesichts der aktuellen Finanzlage fordern wir:
- Mindestens drei Prozent mehr für die Hochschulen pro Jahr von Bund und Land!
Die stetig wachsenden Bundesmittel für die Wissenschaft kommen zwar in Form von Exzellenzclustern und anderen Drittmitteln bei den Hochschulen an, aber eben nicht in ihrem Grundetat, sondern nur als wettbewerblich und befristet vergebene Projektgelder. Die Hochschulen münzen diese befristet zugewiesenen Drittmittel wiederum direkt in befristete Arbeitsverträge für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um. Diese Form der Hochschulfinanzierung ist somit also auch eine wichtige Ursache für das derzeitige Befristungsunwesen.
In den Lehramtsstudiengängen übernimmt die Universität Hamburg große Verantwortung für die Bildung über die Grenzen der Stadt hinaus. Diese muss auskömmlich, dynamisch finanziert werden! Neben dem Land Hamburg darf sich auch der Bund nicht aus seiner Verantwortung stehlen, sondern muss sich in der Grundfinanzierung der Hochschulen engagieren. Er muss jetzt die Weichen dafür stellen, dass der Zukunftsvertrag Studium und Lehre weiter aufgestockt wird, und zwar regelmäßig und deutlich analog zum Pakt für Forschung und Innovation.
Wir setzen uns dafür ein, dass es in Hamburg zu einer deutlichen Erhöhung der landeseigenen Hochschulfinanzierung kommt! Dies ist eine notwendige Bedingung für eine Verbesserung der Beschäftigungssituation, denn allein die Tarifsteigerungen werden nach dem Tarifabschluss deutlich höher liegen!
Wir fordern: Diese Tarifsteigerungen, IT-Sicherheit und die Energieversorgung müssen zu 100 % vom Land übernommen werden! Kein Arbeitsplatzabbau in der Wissenschaft für Einsparungen! Kein Studienplatzabbau aus fiskalischem Kleinmut!
Daher fordern wir als GEW: Mindestens drei Prozent mehr für die Hochschulen pro Jahr von Bund und Land!
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
der Einsatz für eine bessere Grundfinanzierung und für eine Entfristungsoffensive bildet weiterhin einen Schwerpunkt der Hamburger GEW im Bereich Hochschule und Forschung. Für die Durchsetzung von Beschäftigungssicherheit und die Erhöhung des Handlungsdrucks auf Hochschulen und Behörde sind insbesondere alle Aktiven in der Fachgruppe, die sich auch in verschiedenen Gremien – ob in Akademischen Senaten oder in Fakultätsräten, in Mittelbauvertretungen oder in Personalräten – engagieren. Wir rufen alle dazu auf, sich mit zu engagieren! Wir werden weiter bohren, um hier deutlichere Verbesserungen zu erreichen.
Danke!
Fotos: GEW Hamburg

