GEW Hamburg

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft - Landesverband Hamburg
Foto mit GEW-Logo

„Vorschule soll Kinder besser vorbereiten“ – Senator Rabe stellt neues Bildungsprogramm für die Vorschule vor

Geschrieben von: 
Webredaktion
Thema: 
Schule
Erste Reaktion einer Vorschulkollegin vom 27. Januar 2020
Bild: GEW

Überraschung… plötzlich informiert Herr Rabe am Freitag letzter Woche die Hamburger Öffentlichkeit (z. B. im Hamburger Abendblatt) darüber, dass von der Behörde „erstmals ein Bildungsprogramm“ entwickelt wurde, mit dem die Kinder (…) gezielt auf die Schule vorbereitet werden – WENN sie richtig gefördert werden und gute Lernanreize bekommen….

Das war für uns Vorschul-Lehrerinnen nun doch überraschend – arbeiten wir doch seit vielen Jahre nach den „Richtlinien für die Bildung und Erziehung in Vorschulklassen“, einem mehrseitigen Bildungsplan der Schulbehörde.  Dort ist zu jedem Bildungsbereich ein breiter Bogen an Vorgaben für Kompetenz- und Lernfelder zu finden, die die Vorschule  den Kindern zu vermitteln hat. Alles Inhalte, , die in der Grundschule bekannt sind.

Wir Vorschulklassenleitungen haben immer alles Geforderte abgedeckt durch unseren Unterricht!

Dass wir dabei, trotz aller ebenfalls abgeforderter und geleisteter individueller Förderung jedes einzelnen Kindes, nicht genug gute Lernanreize vermittelt haben sollen, ist nun wirklich ein Schreck….

Auch, dass diese Feststellungen und Verbesserungen zuerst der Öffentlichkeit und danach erst den Kammern und den Betroffenen kommuniziert werden, lässt uns irritiert und betroffen zurück – sind wir doch in Schule immer aufgefordert, offen, ehrlich und transparent zu kommunizieren…

Nach dem neuen Bildungsplan sollen nun „spielerisch und fächerübergreifend Kinder in der Vorschule lernen und anhand bestimmter Lerngegenstände“ könnten sie dann zum Beispiel „mit Wasser experimentieren und forschen: sie können Eiswürfel einfrieren und Dampf erzeugen“…

Vielleicht ist Herrn Rabe nicht bekannt, wie sehr unterschiedlich die zur Verfügung gestellten Klassenräume aussehen, dass es z. B. nur wenige Klassenräume gibt, in denen Zugang zu Wasser gegeben ist. Kühlschränke mit Eisfächern gehören unserer Erfahrung nach ebenso wenig zur verlässlichen Vorschulklassenausstattung, wie ein Herd oder ein Wasserkocher. In vielen Vorschulklassen-Räumen ist es nicht einmal möglich, Spielecken für die Kinder einzurichten, sondern es handelt sich um enge Räumlichkeiten mit Schultischen und -stühlen ohne weitere Bewegungsfreiheit.

„Ein behutsames Heranführen an das schulische Lernen durch den Einsatz geeigneter Spiel-, Lern- und Arbeitsformen“ wird es ab jetzt laut Herrn Rabe nach dem neuen Bildungsprogramm geben…

Wir Vorschullehrkräfte sind mehr als verwundert darüber, dass wir das bisher scheinbar nicht ausreichend gemacht haben, obwohl wir uns seit Jahren immer wieder in Didaktik und Methodik fortgebildet haben, Materialien und Gerätschaften organsiert, privat gekauft, von zu Hause mitgebracht und in die Schule geschleppt haben, um die mangelnde gegebene Ausstattung auszugleichen und den Kindern ein möglichst abwechslungsreiches und anschauliches Lernen zu ermöglichen.

Allerdings freuen wir uns sehr darüber, dass Herr Rabe erkannt hat, dass „die vorschulische Bildung eine größere Bedeutung hat und einen höheren Stellenwert verdient“ und „das Bildungsprogramm (…) die Bedeutung der Pädagoginnen und Pädagogen der Vorschulklassen unterstreicht“.

Dann ist es sicher auch endlich so weit, dass der höhere Stellenwert und die unterstrichene Bedeutung sich in passenderer Bezahlung niederschlägt und die VorschullehrerInnen endlich aus der Entgeltgruppe E9 in die – dieser Tätigkeit und ihrer Bedeutung entsprechende – Entgeltgruppe E11 hochgestuft werden!

Kerstin Mögle, Vorschulkollegin und GEW-Mitglied

Bild: GEW