GEW Hamburg

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft - Landesverband Hamburg
Foto mit GEW-Logo

Offener Brief der GEW Betriebsgruppe der Grundschule Eenstock

Geschrieben von: 
Webredaktion
Thema: 
Schule
Grundschule Eenstock

Die GEW unterstützt den Offenen Brief der GEW Betriebsgruppe der Grundschule Eenstock

 Wir, die GEW Betriebsgruppe der Grundschule Eenstock, schließen uns den zahlreichen offenen Briefen der GEW Betriebsgruppen Hamburger Schulen und deren Forderungen an.

Wir sorgen uns, wie alle Lehrkräfte, um unsere Schülerinnen und Schüler. Es ist für viele Familien nicht leicht, den Spagat zwischen Beruf, Distanzunterricht und Familienleben zu bewältigen.

Aber auch unsere Gesundheit steht für uns im Fokus. Wir Lehrkräfte gehören z.T. selbst einer Corona-Risikogruppe an oder wohnen mit Menschen aus Risikogruppen zusammen. Mit großer Sorge beobachten wir, dass dieser Aspekt nur eine untergeordnete Rolle bei der Wiederaufnahme des Wechsel-/Präsenzunterrichts zu spielen scheint. Der Wechselunterricht begann, ohne dass wir zuvor geimpft wurden. Immerhin laufen die Erstimpfungen jetzt an. Die uns zur Verfügung gestellten FFP2 Masken wurden ausgerechnet zu Beginn der Selbsttestungen der Kinder für schadhaft befunden und mussten – bisher ersatzlos – entsorgt werden. Eine Entschuldigung, die ein wertschätzendes Zeichen gesetzt hätte, vermissen wir bis heute. Leider werden Kinder mit viel zu großen oder schon vielfach getragenen Einmalmasken oder gar mit Symptomen in die Schule geschickt, diesen Umständen sind wir ohne wirksamen Schutz ausgeliefert.

Wir unterweisen seit zwei Wochen die Kinder in der Durchführung der Selbsttests, besonders die Erstklässler benötigen viel Hilfe. Niesanfälle durch die Wattestäbchen kommen vor. Da natürlich beim Testen keine Masken getragen werden, sind alle im Raum gefährdet. Dieser Zustand ist nicht tolerierbar, zumal eine Infektion mit Covid19 in der Schule nicht einmal als Berufserkrankung angesehen wird. Es ist unerträglich, dass unser Dienstherr seit einem Jahr fahrlässig mit unserer Gesundheit umgeht. Das Öffnen der Fenster, freiwillige (jetzt verpflichtende) Selbsttests, CO2 Geräte und die AHA Regel sind die einzigen Maßnahmen, die eine „sichere Schule“ suggerieren sollen, wir fühlen uns nicht geschützt. Die Gesundheit am Arbeitsplatz Schule ist nicht gegeben, die Fürsorgepflicht wird nicht umgesetzt.

In den B-Briefen überschlagen sich die Dienstanweisungen. Das Zeitfenster zur Umsetzung ist derart eng, dass immenser Stress für das Personal vorprogrammiert ist. Schulleitungen, Lehrkräfte und pädagogisches Personal müssen seit Beginn der Pandemie ständig neue Anweisungen, Ideen, Regelungen adhoc umsetzen. Für die Elternschaft sind diese wenig transparent. Deren verständlicher Unmut wird an uns Lehrkräfte herangetragen.

Unser tägliches Arbeitsfeld, mit dem wir uns konfrontiert sehen, sieht folgendermaßen aus: Wechselunterricht, Kinder und Lehrpersonal in Quarantäne, Notbetreuung und Kinder, die Gebrauch vom Aussetzen der Schulpflicht machen sowie Videokonferenzen für diese. Diese immensen zusätzlichen Herausforderungen  gehen zulasten unserer Lehrergesundheit, die auch zu pandemiefreien Zeiten gefährdet ist. Dennoch versuchen wir den Schulbetrieb gegen alle Widrigkeiten aufrechtzuerhalten. Unsere SchülerInnen liegen uns am Herzen. Wir arbeiten gern und mit hohem Engagement in unserem Beruf. Doch allmählich wachsen uns die Belastungen über den Kopf.

Wir appellieren an unseren Dienstherrn: Nehmen Sie unsere Gesundheit endlich ernst, und versorgen Sie die Schulen umgehend mit effektiven Sicherungsmaßnahmen, wie z.B. mit Luftfiltern. Bieten Sie schnellstmögliche und   ausreichende Impftermine für alle Lehrkräfte und wertschätzen Sie die immensen Anstrengungen, die Ihr Schulpersonal seit über einem Jahr leistet, um schulische Bildung bestmöglich auch während der Pandemie aufrechtzuerhalten. Es hilft nicht, hohe Summen für die Nachhilfe von Schülern bereitzustellen, während wir seit einem Jahr durch fehlende Sicherheitskonzepte daran gehindert werden, den hohen Qualitätsstandard unseres täglichen Unterrichts zu halten. Die zusätzliche zeitliche Komponente durch zwei Testungen pro Kind durch das Lehrpersonal geht zulasten des Unterrichts.

Trotz all der Widrigkeiten sollen die Kinder am Ende des Schuljahres ein Zeugnis bekommen, als stünde das Schuljahr nicht seit Beginn unter dem Zeichen der Pandemie. Wie sollen wir guten Gewissens den Lernstand in das übliche Raster pressen? 

Die nächste bedrohliche Welle hat bereits begonnen. Wir fordern umgehend ein Konzept, das den Kindern einen bestmöglichen Lernzuwachs im Präsenzunterricht/Wechselunterricht ermöglicht, ohne dass die Gesundheit von uns Lehrkräften und auch von den Kindern weiter grob fahrlässig aufs Spiel gesetzt wird!

Gez.: GEW Betriebsgruppe der Grundschule Eenstock