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„Die Schulen sind nicht sicher!“

Geschrieben von: 
Webredaktion
Thema: 
Schule
Offener Brief von KollegInnen der Grundschule Islandstraße an Schulsenator Rabe
Grundschule Islandstraße

Die GEW unterstützt den Offenen Brief von KollegInnen der Grundschule Islandstraße an den Schulsenator Rabe:

Offener Brief von KollegInnen der Grundschule Islandstraße an den Schulsenator Rabe

Die Schulen sind nicht sicher!

Trotz halber Klassen und Selbsttests der LehrerInnen und SchülerInnen machen wir KollegInnen an der Grundschule Islandstraße uns zunehmend Sorgen. Wir halten es für unverantwortlich, bei rasant steigenden Inzidenzwerten - vor allem unter Kindern und Jugendlichen - in Hamburg einfach so weiterzumachen.

Daher stellen wir von der Grundschule Islandstraße folgende Forderungen auf:

  1. Sofortige konsequente Lockdown-Maßnahmen incl. Schließung der Schulen und Umstellung auf Distanzunterricht zur Eindämmung der Pandemie.
  2. Notbetreuung nur mit Nachweis der Notwendigkeit. Aber dafür Aufnahme derjenigen Kinder in die Notbetreuung, von denen bekannt ist, dass sie zu Hause nicht lernen oder nicht sicher betreut werden können.

Für die erneute Öffnung der Schulen sind folgende Voraussetzungen notwendig:

  • Inzidenzwerte in Hamburg unter 50.
  • Alle LehrerInnen, die es möchten, sind durchgeimpft.
  • Externe Testteams für zweimal wöchentliche Schnelltests bei den Kindern - erst recht jetzt, wo die Tests verbindlich werden sollen!
  • Einbeziehung der Vorschulen in die Testungen
  • Ausreichend FFP2-zertifizierte Masken für alle Beschäftigten

In den täglichen Nachrichten ist es nicht mehr zu überhören, dass die Infektionen unter den Kindern, Kleinkindern und Jugendlichen täglich zunehmen. Und es handelt sich nicht mehr durchgehend um symptomlose Verläufe. Sogar ein Todesfall bei einem vierjährigen Kind aus dem Kreis Stormarn war in der letzten Woche zu verzeichnen.

Elf Kitas sind zur Zeit wegen Corona geschlossen. 178 Kinder in Hamburg sind derzeit an Covid 19 erkrankt, davon werden fünf im Krankenhaus behandelt, und eins liegt auf der Intensivstation.

Auch bei uns an der Schule nehmen die Fälle, in denen eine SchülerIn oder ein Familienmitglied eines unserer SchülerInnen an Corona erkrankt ist, langsam, aber stetig zu.

Andere Schule haben bei jeder Testung in fast jeder Klasse neue Fälle. Ganz abgesehen davon erfassen die Selbsttests nur ca. ein Fünftel bis ein Viertel aller an Covid 19 erkrankten Kinder, da diese Tests erstens freiwillig sind und zweitens von den Kindern selbst durchgeführt werden – was eine große Fehlerquote mit sich bringt.

Die Situation in den Schulen ist jetzt gefährlicher als im letzten November vor dem Lockdown.

Sie sind weder für die Kinder noch für die Beschäftigten sicher! Denn auch wenn Teile des Schulpersonals bereits eine erste Impfung erhalten haben, ist noch kein durchgehender Schutz vorhanden.

Dazu kommt, dass das Vertrauen in die Schulbehörde weiter schrumpft, was die Wahrnehmung ihrer Sorgfaltspflicht angeht. Eine Belieferung mit angeblich sicheren, wirksamen Masken, die dann nach Monaten plötzlich zurückgezogen und verboten werden, weil sie eben doch nicht sicher und nicht geprüft sind, ist ein Skandal!

Der ärztliche Direktor des Hamburger Kinderkrankenhauses Wilhelmstift, Dr. Peter Höger, beschreibt ein deutliches Ansteigen von Corona-Patienten in seinem Krankenhaus und befürchtet im April eine erhebliche Zunahme von Covid-Infektionen, auch mit schweren Verläufen, bei Kindern und Jugendlichen. Dies hänge mit den allgemein steigenden Fallzahlen und den partiellen Schulöffnungen zusammen.

Auch das Robert-Koch-Institut konstatiert ein rasantes Ansteigen der Zahlen bei Jugendlichen unter 15 Jahren. Und Intensivmediziner am Uniklinikum Essen weisen darauf hin, dass es speziell bei Kindern eine lebensgefährliche Folgeerkrankung gibt, die intensivmedizinisch behandelt werden muss und die bei einem Teil der PatientInnen Langzeitfolgen hinterlässt.

Virologen sagen ein Überlaufen der Intensivstationen in drei bis vier Wochen voraus, wobei die Zahl der infizierten Kinder und Jugendlichen schneller steigt als die Zahlen bei dem Rest der Bevölkerung. Denn die Auswirkungen der jetzigen Ansteckungsmöglichkeiten zeigen sich immer erst mit Verzögerung – wenn man jetzt nicht die Notbremse zieht.

Aus diesen Gründen wollen KollegInnen der Islandstraße nicht länger tatenlos zusehen, wie die Situation für unsere Kinder, deren Eltern und sie selbst immer gefährlicher wird, und erwarten, dass die Schulbehörde ihrer Verantwortung für die Gesundheit der Kinder und ihrer Bediensteten nachkommt.