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Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft - Landesverband Hamburg
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„Das ist verantwortungslos!“

Geschrieben von: 
Webredaktion
Thema: 
Schule
Corona-Maßnahmen an Schulen
Foto: fotoart/Thommy Weiss by pixelio.de

Als „verantwortungsloses“ und „politisches Abenteuertum“ hat die GEW das Ergebnis der Bund-Länder-Videoschalte kritisiert. „Es ist vollkommen unverständlich, warum sich die Länder gegen den Wechselunterricht wehren“, sagte GEW-Chefin Marlis Tepe.

Die Videoschalte zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidentinnen und -präsidenten ist am Montag ohne klare Vorgaben für die Schulen zu Ende gegangen. GEW-Chefin Marlis Tepe hat das scharf kritisiert. „Wer die Schulen langfristig offen halten will, muss jetzt den Weg dafür bereiten. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben: Es ist völlig unverständlich und sachlich nicht begründet, warum sich die Länder gegen Wechselunterricht wehren, der für die Schülerinnen und Schüler ab der Sekundarstufe I gut umzusetzen ist. Wechselunterricht gehört zu den Vorschlägen des Robert Koch-Instituts“, sagte Tepe dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Auch an den Grundschulen müssten klare Regelungen her. „Für Grundschulen muss so schnell wie möglich nach zusätzlichen Räumen gesucht werden, damit die Abstände in den Klassen gehalten werden können“, sagte Tepe.

Es bleibt beim Flickenteppich

In der ursprünglichen Fassung einer Beschlussvorlage des Bundes für die Beratungen zwischen der Bundeskanzerlin und den Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Ländern war noch von einer Ausweitung der Maskenpflicht an Schulen und einer Halbierung der Gruppengrößen sowie der Suche nach zusätzlichen Raumkapazitäten die Rede gewesen, um Abstände in den Klassen – ergänzt durch entsprechende Lüftungskonzepte – einhalten zu können. Am Ende vertagten Merkel und die Ministerpräsidenten die Entscheidung über derartige Maßnahmen bis kommende Woche. Nun gelten weiterhin unterschiedliche Regelungen in den Ländern. „Maßnahmen werden von den Menschen akzeptiert, wenn es ein bundesweit einheitliches, nachvollziehbares Vorgehen gibt und diese für einen angemessenen Gesundheitsschutz von Lehrkräften, Schülern und deren Eltern sorgen. So aber bleibt es beim Flickenteppich“, krisierte Tepe. Offenbar sei es den Ministerpräsidenten wichtiger, weiter ihr eigenes Süppchen zu kochen als im Konsens tragfähige Lösungen zu finden und die Gesellschaft dafür zu gewinnen.

„Das ist verantwortungslos und politisches Abenteuertum.“

„Jetzt ist nicht die Zeit, vernünftige, zielführende Vorschläge vom Tisch zu wischen – in der Hoffnung, die Infektionszahlen würden schon irgendwie sinken. Das ist vor dem Hintergrund der rund 200.000 Schüler, die laut Kultusministerkonferenz bereits in Quarantäne sind, und der über 3.000 mit Corona infizierten Lehrkräfte verantwortungslos und politisches Abenteuertum“, betonte Tepe.

Seit Wochen mahnt die GEW an, an den Schulen endliche die Empfehlungen des RKI umzusetzen: „Die GEW schlägt vor, dem RKI zu folgen und in der Schule in kleineren Gruppen zu unterrichten. Ab dem 5. Schuljahr sollte Wechselunterricht zwischen Präsenz- und Fernlernphasen ab einem Inzidenzwert von 50 angeboten werden. So können die Gruppen verkleinert und Abstände eingehalten werden“, sagte Tepe bereits im Oktober. Zusätzlich müsse gesichert sein, dass in den Klassenzimmern regelmäßig und konsequent gelüftet wird. „Räume, in denen Lüften nur eingeschränkt möglich ist, müssen umgehend mit wirksamen Luftfiltern ausgestattet werden. Wir brauchen Gefährdungsbeurteilungen, bessere Hygienemaßnahmen und einen besseren Gesundheitsschutz.“ Nur so könne die Schließung von Schulen verhindert werden.

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