GEW Hamburg

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft - Landesverband Hamburg
Foto mit GEW-Logo

Betriebsgruppe der Schule Weidemoor Förderschwerpunkt geistige Entwicklung zu Infektionsketten

Geschrieben von: 
Webredaktion
Thema: 
Schule
Infektionsketten unterbrechen – auch in den Sonderschulen!
Schule Weidemoor Förderschwerpunkt geistige Entwicklung

Die GEW unterstützt die Stellungnahme der Betriebsgruppe Schule Weidemoor Förderschwerpunkt geistige Entwicklung:

Infektionsketten unterbrechen – auch in den Sonderschulen!

Seit Wochen versuchen wir im Interesse unserer SchülerInnen und auch im Interesse unserer eigenen Gesundheit die Vorgaben der Behörde in unserer Schulform umzusetzen. Aus den Medien ist bekannt, dass die Umsetzung der AHA-Regeln auch an Regelschulen auf sehr viele Probleme der Umsetzung stößt. Um so mehr ist das in unserer Schulform der Fall:

Als Sonderschule mit vielen SchülerInnen aus sozialen Brennpunkten und Flüchtlingsunterkünften (Unterbringung in ein bis zwei Zimmern, Gemeinschaftsbädern, Gemeinschaftsküchen)  müssen wir leider feststellen, dass wir weder in den Medien noch von Seiten der Behörde mit unseren spezifischen Bedingungen beachtet werden. Um Ihnen zu verdeutlichen, um welche Probleme es sich handelt, führen wir diese ohne Anspruch auf Vollständigkeit nachfolgend auf:

  • Unsere Klassenräume sind für die Anzahl der SchülerInnen und des pädagogischen Personals viel zu klein. Die Abstandsregeln lassen sich nicht umsetzten. Der Klassenraum beträgt ca. 40 qm, der Küchennebenraum 10,5 qm inkl. Einrichtung wie Liegebetten, Schülertische, Rollstühle, Stehständer etc. Die Klassenräume in der Oberstufe sind mit bis zu 11 SchülerInnen plus bis zu fünf KollegInnen des pädagogischen Personals einschließlich FSJ’lerInnen belegt. Der Abstand von 1,5 Meter kann nicht eingehalten werden.
  • Da das pädagogische Konzept der Sonderschulen mehr auf Nähe und individuelle Betreuung ausgelegt ist als in anderen Schulformen, ist eine Gefährdung/ Ansteckung aller SchülerInnen und KollegInnen sehr hoch. Eine zusätzliche Gefährdung besteht darin, dass viele SchülerInnen eine Maskenbefreiung haben oder eine Maske aufgrund ihrer Behinderung nicht tragen können.
  • Viele SchülerInnen sind nicht in der Lage, grundsätzliche Hygienemaßnahmen einzuhalten. Z.B. kann aufgrund von mangelndem Mundschluss der Speichel häufig nicht im Mund gehalten werden. Viele SchülerInnen haben keine Kontrolle über das Husten und Niesen. Auch in Essenssituationen kann nicht gewährleistet werden, dass die Hygienemaßnahmen im Sinne eines Gesundheitsschutzes eingehalten werden können.
  • In unserer Schulform müssen wir individuelle, differenzierte und auch viele handlungsorientierte Unterrichtsangebote bereit stellen. Das bedeutet, dass wir räumlich nahe an den SchülerInnen unterrichten müssen.
  • Erschwerend kommt hinzu, dass Verhaltensauffälligkeiten, die ein verbales und auch konkretes Eingreifen erfordern, alltäglich für unsere Arbeit sind. Unsere Arbeit sieht also nicht so aus, dass wir hinter einem Schreibtisch sitzen oder 1,5 m Abstand halten könnten.
  • Durch die Kohortentrennung haben die SchülerInnen versetzte Pausenzeiten, was zur Folge hat, dass die PTF-KollegInnen vermehrt Pausenaufsichten übernehmen müssen. Das hat zur Folge, dass der Austausch zwischen den KollegInnen nur noch stark reduziert stattfinden kann. Ein Durchatmen ohne Maske ist daher nur während der halbstündigen individuellen ErzieherInnenpause und in Absprache mit dem Team möglich.
  • Die Kohorten werden bei der Busbeförderung allerdings auf engstem Raum durchmischt. Auch in den Bussen können aus den genannten gründen nicht alle SchülerInnen eine Masken tragen.
  • Die SchülerInnen, die selbstständig zur Schule kommen, müssen in überfüllten HVV- Bussen täglich zur Schule fahren. Auch hier ist die AHA-Regel nicht realisierbar.
  • Wir haben den Eindruck, dass die bestehende Regelung bzgl. Erst- und Zweitkontakten von SchülerInnen und Personal mehr und mehr beliebig wird, um den Präsenzunterricht  aufrecht erhalten zu können: Mittlerweile gilt das Tragen einer einfachen Stoffmaske als ausreichend, Erstkontakte nicht mehr in Quarantäne zu schicken. Dieses Vorgehen hat an unserer Schule stattgefunden. Eine Schülerin, die als Erstkontakt registriert wurde, wurde eine Testung verweigert. Ihre Klasse wurde damit im Unklaren gelassen.
  • Die offiziellen Informationen seitens des Gesundheitsamtes, der Schulbehörde und der jeweiligen Schule werden aufgrund der Vielsprachigkeit der Eltern oft nicht verstanden. So ist es leider auch schon vorgekommen, dass ein positiv getesteter Schüler aufgrund von Sprachbarrieren und sehr komplexen schriftlichen Mitteilungen seitens der Gesundheitsämter in die Schule kommen konnte.

 

Um den Gesundheitsschutz umsetzen zu können fordern wir:

    1. Berücksichtigung der Sonderschulen bei Maßnahmenplanung der Schulbehörde
    2. Schriftliche offizielle Mitteilungen in den entsprechenden Muttersprachen und in leichter Sprache. Sicherstellung der Informationsvermittlung durch zusätzliches Fachpersonal in den Flüchtlingsunterkünften.
    3. Schnelltestungen an den Schulen durch Fachpersonal
    4. Täglich neu gestellte FFP-2 Masken für das schulische Personal einschließlich der SchulbegleiterInnen!
    5. Hybridunterricht: angepasst an die Räumlichkeiten und die Schülerschaft
    6. Entlastende Dienste für Familien, deren Kinder zu Hause wechselnd beschult werden
    7. Zusätzliche HVV-Busse für die tägliche Beförderung während der Stoßzeiten

Hamburg, den 08.12.2020

Betriebsgruppe der GEW/ Schule Weidemoor Förderschwerpunkt geistige Entwicklung

Wir schließen uns als Betriebsgruppe dem ausführlichen gemeinsamen Appell der Schule Weidemoor an. Dieser ist ebenfalls auf der GEW-Seite zu finden.