GEW Hamburg

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft - Landesverband Hamburg
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Belastete Schüler*innen und belastete Lehrer*innen nicht gegeneinander ausspielen

Geschrieben von: 
Presseredaktion
Thema: 
Schule
GEW zu „zusätzlichen Unterrichtsangeboten“ und „Lernferien“
Foto: Birgitta Hohenester / pixelio.de

Die Behörde für Schule und Berufsbildung versucht nachvollziehbarer Weise möglichst viel Präsenzunterricht und Unterstützung für die Schüler*innen in Hamburg möglich zu machen. In einem Schreiben vom 5.6.2020 bittet der Landesschulrat die Schulleitungen der Grundschulen über den bereits angelaufenen Präsenzunterricht zusätzliche Unterrichtangebote zu ermöglichen.

Insbesondere für die Jahrgänge 1 und 2 sollen diese Angebote im „Rahmen ihrer räumlichen und personellen Möglichkeiten und auf der Grundlage der geltenden Hygiene- und Abstandsregeln“ die bisherigen Präsenzunterrichtsstunden in den letzten zwei Wochen vor den Ferien erhöhen.

„Die Absicht ist aus pädagogischer Sicht begrüßenswert, aber es verkennt die Lage an den Grundschulen völlig! Gerade wurden mit viel Einsatz und Geschick die jetzigen Abläufe von Präsenz- und Fernunterricht und weiterer Notbetreuung an den Schulen organisiert. Dabei wird bereits mit Überlast gefahren. Jetzt werden die Grundschulen moralisch unter Druck gesetzt, um weitere Angebote zu machen. Wir fordern die Behörde auf, an den bisherigen Vorgaben bis zu den Sommerferien festzuhalten und sich nicht an dem Länderwettlauf auf Kosten einer weiteren Arbeitsverdichtung zu beteiligen. Damit wird ein zusätzliches Gesundheitsrisiko für die Kolleg*innen geschaffen!“ kritisiert Anja Bensinger-Stolze, Vorsitzende der GEW Hamburg.

In einem weiteren Brief des Landesschulrats vom 2.6.2020 wurden die Schulleitungen von Schulen in schwierigen Lagen (Sozialindex 1 und 2) aufgefordert „Hamburger Lernferien 2020 – Lernförderliche Angebote für Schülerinnen und Schüler in schwierigen sozialen Lagen oder belasteten Lebenslagen“ zu organisieren. Die Angebote selbst sollen von Honorarkräften aus der Volkshochschule und weiterem nicht-schulischem Personal durchgeführt werden. Allerdings enthält dieser Brief wiederum eine Reihe an zusätzlichen Aufgaben für die Lehrkräfte und die Schulleitungen der betroffenen Schulen. Sie sollen die Schüler*innen auswählen, ansprechen und die Eltern um ihr Einverständnis bitten. Sie sollen die Gruppen zusammensetzen, Listen und pädagogisches Zusatzmaterial erstellen. Die Schulleitungen sollen den Honorarkräften die Räumlichkeiten zur Verfügung stellen usw.

„Anstatt die Mehrbelastung durch die Neu-Organisation von Schule endlich anzuerkennen und für Entlastung zu sorgen, werden wöchentlich neue Aufgaben auf den Schulen abgeladen. Wir fordern die BSB auf, zu ihrem vorsichtigen Vorgehen zurückzukehren und geeignete Konzepte mit den Beschäftigten gemeinsam für den Wiedereinstieg nach den Ferien zu entwickeln. Und zwar so, dass die Interessen der Schüler*innen einbezogen werden und der Arbeits- und Gesundheitsschutz für die Kolleg*innen an den Schulen gewährleistet ist!“ so Bensinger-Stolze.

Foto: Birgitta Hohenester / pixelio.de