Seit Jahren schlagen wir Alarm. Seit Jahren weisen wir als GEW-Arbeitskreis Vorschule die Schulbehörde darauf hin, dass die Belastungsgrenze vieler Vorschullehrkräfte erreicht und längst überschritten ist.
Unser neuer Flyer „Gute Vorschule braucht gute Bedingungen – keine Sparpolitik!“ fasst die Situation und unsere Forderungen zusammen. Nutzt ihn, gebt ihn an Kolleg*innen weiter und kommt miteinander ins Gespräch. Und: Vernetzt euch im GEW-Arbeitskreis Vorschule, tauscht euch aus und werdet gemeinsam aktiv.
Die Anforderungen steigen. Die Aufgaben werden mehr. Die Verantwortung wächst. Aber die Bedingungen wachsen nicht mit.
Wir sollen auffangen, fördern, beobachten, dokumentieren, beraten, koordinieren und immer neuen Anforderungen gerecht werden. Gleichzeitig fehlt es an Ressourcen, aber vor allem bezahlte Zeit.
Damit muss Schluss sein!
Vorschule ist längst mehr als „ein bisschen Vorbereitung auf die Schule“
Wer heute eine Vorschulklasse führt, weiß, was diese Arbeit tatsächlich bedeutet. Wir tragen häufig allein die Verantwortung für eine große Gruppe von Kindern mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnissen.
Wir sollen jedem Kind gerecht werden – dem Kind, das kaum Deutsch spricht, genauso wie dem Kind mit besonderem Förderbedarf; dem Kind, das intensive emotionale Begleitung benötigt, genauso wie dem Kind, das zusätzliche Herausforderungen braucht.
Und all das häufig allein in einem Raum und mit kaum vorhandenen Ausweichmöglichkeiten oder Unterstützung durch Sonderpädagogen.
Wo sollen individuelle Förderung, Kleingruppenarbeit oder notwendige Rückzugsmöglichkeiten stattfinden, wenn dafür weder zusätzliche Räume noch ausreichend zusätzliches Personal vorhanden sind?
Inklusion und individuelle Förderung funktionieren nicht auf dem Papier. Sie brauchen Ressourcen!
Die Förderbedarfe steigen – die Ressourcen nicht
Die Herausforderungen in unseren Vorschulklassen haben sich verändert. Sprachförderung, Entwicklungsförderung und individuelle Unterstützung nehmen einen immer größeren Raum ein.
Beim Hamburger Vorstellungsverfahren der Viereinhalbjährigen wurde im Schuljahr 2021/22 bei 19,6 Prozent der vorgestellten Kinder ein ausgeprägter Sprachförderbedarf festgestellt. 2019/20 waren es 16,6 Prozent. Es gibt einen deutlichen Anstieg von Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten.
Doch was bedeutet das für unseren Alltag?
Mehr Förderung. Mehr Beobachtung. Mehr Vorbereitung. Mehr Dokumentation. Mehr Elterngespräche. Mehr Absprachen.
Und trotzdem werden Kinder mit Förderbedarfen in der Vorschule nach unserer Erfahrung in der Regel ohne entsprechende zusätzliche (personelle Ressourcen) betreut.
Hinter jedem Förderbedarf steckt zusätzliche Arbeit
Die zusätzliche Belastung endet nicht an der Klassenzimmertür.
Mit steigenden Förderbedarfen wächst auch die Zahl der Gespräche und Abstimmungen. Vorschullehrkräfte stehen im Austausch mit Logopäd:innen, Ergotherapeut:innen, dem ASD, den ReBBZ, Beratungslehrkräften, Frühförderpädagog:innen, ehemaligen Kitas, Sprachlernkoordinator:innen, Erzieher:innen und weiteren Fachkräften.
Hinzu kommen Elterngespräche. Sprachbarrieren können dabei Gespräche aufwendiger machen, Übersetzungsmöglichkeiten müssen organisiert und Informationen verständlich vermittelt werden.
Diese Zusammenarbeit ist wichtig. Sie ist Teil guter pädagogischer Arbeit.
Aber sie kostet Zeit. Und Arbeitszeit ist Arbeitszeit!
Es darf nicht länger selbstverständlich sein, dass diese Aufgaben irgendwie nebenbei erledigt werden.
Neues Bildungsprogramm – neue Aufgaben brauchen Zeit!
Auch das Bildungsprogramm für Vorschulklassen hat die Anforderungen erweitert. Es stellt hohe Ansprüche an Beobachtung, Dokumentation, Förderung und die Gestaltung der pädagogischen Arbeit.
Dazu gehört für die Kolleg:innen unter anderem die Arbeit mit drei Beobachtungsbögen, die angewendet und ausgewertet werden sollen.
Das bedeutet zusätzliche Beobachtung, zusätzliche Dokumentation und zusätzliche Vorbereitung– ohne entsprechende angepasste Zeiten.
Unsere Position ist klar: Wer zusätzliche Aufgaben vorgibt, muss dafür zusätzliche Arbeitszeit bereitstellen.
Neue Anforderungen können nicht immer weiter in eine ohnehin volle Arbeitswoche hineingepresst werden.
Unsichtbare Arbeit bleibt Arbeit!
Vieles von dem, was Vorschullehrkräfte mittlerweile leisten, entspricht nicht mehr den vorgegeben F-, und A Zeiten. Wo sind unsere Zeiten für die Maxistunde, Team und Jahrgangsgespräche, für die Beobachtungsbögen (LEA, LEWI, LEDO), für die Einteilung der 1. Klassen oder die Einteilung der Vorschulklassen oder für Zeugnisse und vieles mehr.
Wir arbeiten on Top und das schon seit Jahren.
Deshalb sagen WIR seit Jahren: Eine 85-Prozent-Stelle bedeutet in der Realität längst nicht mehr 85 Prozent Arbeit.
Vorschullehrkräfte sind am Limit.
Wenn auf unsere jetzige Überlastung nun auch noch 51 Minuten zusätzliche Arbeit pro Woche bei gleichem Gehalt hinzukommen, ohne dass die Schulbehörde irgendein strukturelles Problem bisher angegangen ist, dann rufen wir als GEW-Vorschularbeitskreis alle Hamburger Vorschulkollegen dazu auf, mit uns aktiv zu werden.
Je mehr Kolleg:innen sich beteiligen, Erfahrungen aus ihren Schulen zusammentragen und gemeinsam Forderungen stellen, desto sichtbarer wird, was in den Hamburger Vorschulklassen tatsächlich geleistet wird.
Vernetzen. Austauschen. Organisieren. Gemeinsam Druck machen.
Gute Vorschule gibt es nicht zum Spartarif!
Wer gute Vorschule will, muss dafür gute Bedingungen schaffen.
Wir fordern ausreichend Personal.
Wir fordern Zeit für Förderung, Beobachtung, Dokumentation und Gespräche.
Wir fordern angemessene räumliche Bedingungen.
Wir fordern verbindliche und transparente Arbeitszeitregelungen.
Wir fordern Entlastung statt weiterer Arbeitsverdichtung.
Und wir fordern eine gerechte Bezahlung unserer Arbeit.
Mach mit im GEW-Arbeitskreis Vorschule!
Gute Vorschule braucht gute Bedingungen – keine Sparpolitik!
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