Mit der vierteiligen Reihe „Schule unter Sparzwang“ macht die GEW Hamburg zum Schulstart auf die Folgen der aktuellen Sparmaßnahmen für Kinder, Jugendliche und die Beschäftigten an Hamburgs Schulen aufmerksam. Im zweiten Teil geht es um die Zukunft der Hamburger Ganztagsschulen.
Die GEW Hamburg warnt davor, dass die geplanten Änderungen bei den Ganztagszuweisungen bewährte Schulkonzepte gefährden. Nach Darstellung der Schulbehörde bleibt die Gesamtzuweisung zwar unverändert, zahlreiche Schulleitungen befürchten jedoch erhebliche Auswirkungen auf die Qualität ihrer Ganztagsangebote.
Wie gravierend die Folgen sein können zeigt das Beispiel einer Hamburger vollgebundenen Ganztagsschule, die erfolgreich im Ganztag arbeitet. Erst vor wenigen Wochen bescheinigte die Schulinspektion der Schule nach Angaben der Schulleitung eine herausragende Qualität ihres Ganztags und bewertete zentrale Bereiche mit der Höchstbewertung.
Nun steht dieses erfolgreiche Konzept nach Angaben der Schulleitung vor tiefgreifenden Veränderungen. Die Schulleitung rechnet damit, dass mehrere Lehrkräftestellen entfallen. Darüber hinaus würde durch die veränderte Personalzuweisung die enge Zusammenarbeit der multiprofessionellen Teams geschwächt. Lehrkräfte und Erzieher*innen könnten künftig vielerorts nicht mehr gemeinsam, sondern nur noch nacheinander mit den Kindern arbeiten. Ein zentrales Qualitätsmerkmal des Ganztags ginge damit verloren. Nach ihrer Einschätzung wären fachlich anspruchsvolle Kursangebote, zusätzliche Förderangebote für Kinder und das bewährte Lernzeitmodell betroffen. „Ausgezeichnete Ganztagsschulen dürfen nicht kaputtgespart werden“, erklärt Sven Quiring, Vorsitzender der GEW Hamburg. „Wenn selbst Schulen mit nachweislich hervorragender Qualität ihre erfolgreichen Konzepte nicht mehr aufrechterhalten können, läuft in der Bildungspolitik etwas grundlegend falsch.“
Bereits Anfang Juli hatte die GEW Hamburg die geplanten Änderungen bei den Ganztagszuweisungen kritisiert und vor den Folgen für die Qualität des Ganztags gewarnt. Ein Offener Brief des Elternrates der Grundschule Am Baakenhafen weist ebenfalls auf die Problematik hin. „Hamburg gilt bundesweit als Vorreiter beim Ganztag. Wer an erfolgreichen Konzepten spart, spart am Ende an den Bildungschancen der Kinder“, so Quiring. „Gute Ganztagsschulen entstehen nicht über Nacht. Sie sind das Ergebnis jahrzehntelanger pädagogischer Arbeit.“
Die GEW Hamburg fordert den Senat auf, die geplanten Änderungen gemeinsam mit den Schulen zu überarbeiten und die Qualität des Ganztags dauerhaft zu sichern. Gerade bei den jüngsten Schüler*innen darf nicht gespart werden. Sie brauchen keine Betreuung oder Aufbewahrung, sondern eine verlässliche pädagogische Lernbegleitung. Gute Arbeitsbedingungen und gute Ganztagskonzepte sind gute Lernbedingungen.
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