GEW zur geplanten Änderung der Ganztagszuweisungen für GTS-Grundschulen
Die GEW Hamburg betrachtet die geplante Änderung der Ganztagszuweisungen für Grundschulen mit großer Sorge. Nach den Planungen der Schulbehörde sollen die Ganztagszuweisungen aufwachsend ab dem Schuljahr 2027/28 künftig zu 77 Prozent über Erzieher:innenstellen und zu 23 Prozent über Honorarmittel erfolgen. Zunächst sollen die Vorschulklassen sowie die Jahrgänge 1 und 2 zum 1. August 2027 umgestellt werden, die Jahrgänge 3 und 4 folgen ein Jahr später.
Zunächst ist festzuhalten, dass mit der Neuregelung weder die Höhe der Gesamtzuweisung pro Schule verändert wird, noch die pädagogische Freiheit der Schulen hinsichtlich der Rhythmisierung oder der Organisationsform des Ganztags eingeschränkt werden soll. Die Zuweisung bleibt weiterhin an die Zahl der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler gekoppelt und ist unabhängig davon, ob eine Schule als offene, teilgebundene oder vollgebundene Ganztagsschule organisiert ist.
Dennoch beobachten wir mit Besorgnis, dass diese Informationen vielerorts unzureichend kommuniziert wurden. Dies führt zu erheblichen Verunsicherungen an den Schulen. Schulleitungen berichten von vermeintlich tiefgreifenden strukturellen Veränderungen und ziehen bereits Überlegungen in Betracht, ihre Schulen künftig als offene Ganztagsschulen oder sogar mit einem externen Träger zu organisieren. Diese Schlussfolgerungen entsprechen nach unserem Kenntnisstand nicht den tatsächlichen Planungen und zeigen, wie dringend eine transparente und verbindliche Kommunikation durch die Behörde erforderlich ist.
Besonders groß sind die Sorgen unter den Erzieher:innen. Viele Kolleg:innen befürchten eine Verringerung ihrer Arbeitszeit, Teilabordnungen oder sogar den Wegfall von Stellen. Diese Sorgen sind aus Sicht der GEW keineswegs unbegründet. Es steht zu befürchten, dass künftig die Erzieher:innenressourcen ausschließlich für den Ganztag eingesetzt werden sollen. Da diese überwiegend am Nachmittag stattfinden, wird der bisher vielerorts etablierte Einsatz von Erzieher:innen während der Unterrichtszeit – insbesondere im Rahmen der inklusiven Arbeit und multiprofessionellen Zusammenarbeit – deutlich eingeschränkt werden. Dadurch werden Vollzeitstellen oder Beschäftigungen mit einem hohen Teilzeitumfang erheblich erschwert.
Gleichzeitig droht eine weitere Verdichtung der Arbeitsbelastung am Nachmittag. Wenn die Erzieher:innen nahezu ausschließlich in den Nachmittagsstunden eingesetzt werden und die gemeinsame Verantwortung von Lehrkräften und Erzieher:innen im rhythmisierten Ganztag zurückgeht, steigt die Belastung der pädagogischen Fachkräfte weiter an. Dies widerspricht dem Anspruch eines multiprofessionellen Ganztags, in dem Bildung, Erziehung und Betreuung gemeinsam gestaltet werden.
Die GEW weist zudem darauf hin, dass die geplante Umstellung im Kern eine Entwicklung nachvollzieht, die an vielen Schulen bereits seit Jahren praktiziert wird: Schulen wandeln die ihnen zugewiesenen Lehrerwochenarbeitszeiten in Erzieher:innenstellen um, um den Ganztag personell abzusichern. Künftig soll diese Umwandlung nicht mehr von den Schulen vorgenommen werden müssen, sondern bereits unmittelbar in der Zuweisung erfolgen.
Damit verfolgt die Behörde jedoch auch ein finanzielles Ziel. Erzieher:innenstellen sind kostengünstiger als Lehrkräfte, wodurch die Personalkosten sinken. Gleichzeitig erfolgt eine weitere Angleichung der personellen Ausstattung der Ganztagsschulen (GTS) an die Ganztägige Bildung und Betreuung an Schulen (GBS). Diese Entwicklung darf jedoch nicht zulasten der Qualität des Ganztags, der multiprofessionellen Zusammenarbeit oder der Beschäftigungsbedingungen der Erzieher:innen gehen.
Die GEW fordert daher:
- eine transparente und frühzeitige Information aller Schulen über die tatsächlichen Auswirkungen der Neuregelung,
- eine verbindliche Zusicherung, dass die Umstellung nicht zu Arbeitsplatzverlusten oder unfreiwilligen Arbeitszeitreduzierungen bei Erzieher:innen führt,
- den Erhalt des Einsatzes von Erzieher:innen während der Unterrichtszeit, insbesondere im Bereich der inklusiven Förderung und der multiprofessionellen Zusammenarbeit,
- Maßnahmen gegen die zu erwartende Arbeitsverdichtung am Nachmittag,
- sowie eine Evaluation der Auswirkungen der Umstellung auf die pädagogische Qualität und die Beschäftigungsbedingungen.
Der Ganztag lebt von multiprofessioneller Zusammenarbeit und verlässlichen Beschäftigungsbedingungen. Einsparungen dürfen nicht auf Kosten der pädagogischen Qualität und der Beschäftigten erfolgen. Die GEW Hamburg wird den weiteren Prozess kritisch begleiten und sich für gute Arbeitsbedingungen sowie einen qualitativ hochwertigen Ganztag einsetzen.
In diesem Kontext weisen wir hin auf einen lesenswerten Artikel vom Ganztagsschulverband.
Bild: StockSnap auf Pixabay
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