Herzlich willkommen zurück im Schuldienst! Mit dem Ende der Ferien kehren viele Kolleg*innen an ihre Schulen zurück – in einen Arbeitsalltag, der für viele von ihnen zunehmend belastend ist. Eine aktuelle Schriftliche Kleine Anfrage (SKA) aus der Hamburgischen Bürgerschaft zeigt erneut, wie dringend Verbesserungen beim Arbeits- und Gesundheitsschutz an Hamburger Schulen sind.
Langzeiterkrankungen nehmen zu
Wenn Lehrkräfte an Grund- und Stadtteilschulen, Gymnasien oder Sonderschulen krankgeschrieben sind, dann häufig länger als 30 Tage. Der Anteil dieser Langzeiterkrankungen an allen Fehltagen ist in den vergangenen drei Schuljahren deutlich gestiegen: an Grundschulen von 27 auf 29 Prozent, an Gymnasien von 24 auf 29 Prozent und an Sonderschulen von 28 auf 34 Prozent. Laut Schulbehörde gehören Atemwegserkrankungen, psychische Belastungen sowie Muskel-Skelett-Erkrankungen zu den häufigsten Ursachen für Krankmeldungen im Schuldienst.
„Die steigende Zahl langzeiterkrankter Kolleginnen und Kollegen ist ein deutliches Warnsignal“, sagt Yvonne Heimbüchel, stellvertretende Vorsitzende der GEW Hamburg. „Wer über Unterrichtsausfall spricht, muss konsequent im Arbeits- und Gesundheitsschutz handeln. Gute Arbeitsbedingungen sind eine Voraussetzung dafür, dass Lehrkräfte gesund bleiben.”
Prävention statt Ausfall verwalten
Aus Sicht der GEW fehlt es nach wie vor an grundlegender Gesundheitsvorsorge. Niedrigschwellige Impfangebote für Beschäftigte direkt an den Schulen oder eine ergonomische Arbeitsplatzausstattung sind bislang selten. Gleichzeitig nehmen die psychischen Belastungen durch Arbeitsverdichtung, Personalmangel und Konfliktsituationen im Schulalltag zu. Diese Belastungen lassen sich nicht durch individuelle Strategien lösen. Notwendig sind strukturelle Veränderungen – von besserer Prävention bis hin zu einer verlässlichen Personalausstattung.
Gewalt ist ebenfalls ein Thema des Arbeits- und Gesundheitsschutzes. Zwar wird auf eine behördliche Handreichung aus dem Jahr 2018 verwiesen, doch eine Broschüre allein reicht nicht aus. Wenn Übergriffe nicht gemeldet und Unfallanzeigen nicht gestellt werden oder Betroffene zu hören bekommen, sie hätten pädagogisch anders handeln müssen, entstehen zusätzliche Belastungen – mit möglichen Folgen für die psychische Gesundheit der Beschäftigten.
Gemeinsame Verantwortung an den Schulen
Die GEW Hamburg hat sich gemeinsam mit dem Gesamtpersonalrat (GPR) über viele Jahre konsequent für verbindliche Strukturen im Arbeits- und Gesundheitsschutz eingesetzt – mit Erfolg. Ein wichtiger Schritt ist die Einführung schulformspezifischer Arbeitsschutzausschüsse und verpflichtender Gespräche zum Arbeits- und Gesundheitsschutz an den Schulen. In diesen werden Unfallmeldungen und Krankenstatistiken von Personalrat, Schulleitung und Sicherheitsbeauftragten ausgewertet und Maßnahmen beraten.
„Diese Gremien sollen helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen und Lösungen vor Ort zu entwickeln”, so Heimbüchel. „Aber klar ist auch: Arbeits- und Gesundheitsschutz kostet Geld – und ist trotzdem die günstigere Lösung, wenn dadurch Krankheitszeiten sinken und Kolleg*innen langfristig gesund arbeiten können.“

