Hamburg braucht dringend eine transparente, breite Debatte über die anstehende Oberstufenreform. Genau diesen Anspruch unterstützt die GEW Hamburg ausdrücklich – denn die Veränderungen, die ab 2027/28 greifen werden, betreffen alle: Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Schulleitungen und Eltern.
GEW Hamburg: Weiterentwicklung statt Rückschritt
Im Zentrum der aktuellen Diskussion steht die Frage, ob Hamburg zur Logik von Grund- und Leistungskursen zurückkehren oder die Profiloberstufe beibehalten sollte. Für die GEW ist das jedoch eine Scheindebatte. Yvonne Heimbüchel, stellvertretende Vorsitzende der GEW Hamburg, betont: „Aus unserer Sicht stellt sich die Frage, ob eine Profiloberstufe oder die Rückkehr zu Leistungskursen sinnvoller ist, nicht. Entscheidend ist, eine echte Weiterentwicklung in den Blick zu nehmen.“
Für eine neue Oberstufe für die Hamburger Schulen
Beide Modelle hätten Vor- und Nachteile – entscheidend sei, die Oberstufe so zu gestalten, dass sie den Anforderungen einer heterogenen Schülerschaft gerecht wird. Die Leitlinien der GEW zur Bürgerschaftswahl 2025 zeigen dafür einen klaren Weg: flexible Oberstufenstrukturen, individuelle Lernwege, Anerkennung außerunterrichtlicher Leistungen und moderne Prüfungsformate. Das Ziel bleibt: eine vollständig inklusive Schule und mehr Bildungsgerechtigkeit.
Mehr Belastung vermeiden: Fünftes Prüfungsfach nur mit tragfähigen Lösungen
Während Teile der Elternräte ein fünftes Prüfungsfach begrüßen, mahnt die GEW zu Augenmaß. Eine aktuelle Studie der Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften der Universität Göttingen zeigt, wie stark Lehrkräfte bereits heute belastet sind – vor allem durch Prüfungs- und Korrekturarbeit. Heimbüchel warnt: „Allein jetzt bräuchte es bereits 350 zusätzliche Stellen, um die in der Studie festgestellten Mehrarbeit an STS und Gymnasien zu kompensieren. Wenn ein fünftes Prüfungsfach kommen soll, dann nur unter Bedingungen, die weder Schülerinnen und Schüler noch Lehrkräfte zusätzlich überfordern.“
Zeitgemäße Prüfungsformate statt starrer Klausurenlandschaft
„Notwendig sind an erster Stelle neue, zeitgemäße Prüfungsformen: digital, hybrid-digital, zeitlich flexibel – und gleichzeitig sicher gegenüber technischem Stress und Ausfällen“, so Heimbüchel. Die KMK-Vorgaben bringen neue bundesweite Standards mit sich: mehr naturwissenschaftliche Stunden, einheitliche Klausuranzahlen, 36 einzubringende Kurse und ein größerer Anteil länderübergreifender Prüfungsaufgaben. Das sind Veränderungen, die tief in Unterricht, Organisation und Lernkultur eingreifen. Die GEW sieht darin eine Chance: prüfungsentlastende, flexible Formate, Stärkung projektorientierten und fächerübergreifenden Lernens, Einbettung digitaler Arbeitsweisen, die der Lebenswelt der Jugendlichen entsprechen. Gleichzeitig verweist die GEW auf die Risiken digitalen Stresses, der innerhalb der Göttinger Studie erstmals bei Lehrkräften nachgewiesen wurden – und in Prüfungssituationen auch bei Schülerinnen und Schülern nicht von der Hand zu weisen sind.
Die flexible Oberstufe - eine Alternative zu G9 in Hamburg!
Transparenter Prozess statt Entscheidungen hinter verschlossenen Türen
Die Schulbehörde hält sich bislang bedeckt. Während Elternräte, Schülerkammer und GEW auf eine breite gesellschaftliche Debatte drängen, arbeitet die Behörde laut Medienberichten noch intern an einem Entwurf. Für die GEW ist klar: Die Reform der Oberstufe berührt grundlegende Fragen der Bildungsgerechtigkeit, der Unterrichtsorganisation und der Lernbedingungen für über 20.000 Hamburger Oberstufenschüler*innen – und muss deshalb demokratisch, transparent und gemeinsam gestaltet werden!
Hamburg braucht jetzt eine echte Reformdebatte
Die GEW Hamburg fordert, die Oberstufenreform als Chance zu begreifen: für eine moderne, inklusive und flexible Oberstufe, die individuelle Bildungswege ermöglicht und zugleich realistisch umsetzbar bleibt. Es geht nicht um ein Wiederaufflammen der Strukturdebatte. Wichtig ist ein offener, breiter Beteiligungsprozess – getragen von den Menschen, die Schule täglich gestalten. Nur so kann Hamburg eine Oberstufe entwickeln, die den Anforderungen der Zukunft gerecht wird.
Du willst eintreten? Herzlich willkommen!
Bild: Gerd Altmann auf Pixabay

