Die heute vorgestellte bundesweite Befragung von mehr als 7.000 Schulleitungen belegt: Leitungskräfte an Schulen arbeiten regelmäßig jenseits der Belastungsgrenze. Pausen bleiben aus, die Arbeit drängt in Abend- und Nachtstunden, viele gehen krank zur Arbeit. „Die Ergebnisse sind erschreckend, aber nicht überraschend“, erklärt Sven Quiring, Vorsitzender der GEW Hamburg. „Wir haben in Hamburg bereits 2023 in unserer Pilotstudie gezeigt, dass Schulleitungen massiv überlastet sind. Die Bundesdaten bestätigen unsere Befunde eindrücklich. Jetzt ist die Schulbehörde gefordert: Belastung runter, Gesundheitsschutz rauf!“
Hamburg als Vorreiter für bundesweite Untersuchung
Die bundesweite Studie baut methodisch auf der Pilotbefragung auf, die die GEW Hamburg gemeinsam mit Rheinland-Pfalz und der GEW Bund 2023 initiiert hatte. Grundlage war der wissenschaftlich anerkannte Copenhagen Psychosocial Questionnaire (COPSOQ), der erstmals spezifisch für Schulleitungen angepasst wurde. „Dass wir heute über eine bundesweit repräsentative Datengrundlage verfügen, ist auch ein Verdienst der GEW Hamburg“, so Quiring. „Wir haben vorgemacht, dass solche Untersuchungen möglich und dringend nötig sind. Ohne unser Pilotprojekt gäbe es die jetzt vorliegenden Ergebnisse nicht.“
Ergebnisse: Enorme Belastung, hohes Burnout-Risiko
Die Studien zeigen:
- Über 70 Prozent der Schulleitungen können Pausen selten oder nie einhalten.
- 75 Prozent arbeiten dauerhaft im hohen Tempo, systematische Schulentwicklung bleibt auf die Abendstunden verschoben.
- Burnout-Symptome und Erschöpfung liegen deutlich über dem Durchschnitt anderer Berufsgruppen.
- Mehr als 40 Prozent gehen regelmäßig krank zur Arbeit.
„Unsere Schulleitungen stemmen den Alltag nur mit überdurchschnittlichem Engagement und Selbstausbeutung. Dieses System ist auf Dauer nicht tragfähig“, warnt Quiring.
Forderungen der GEW Hamburg
Die GEW Hamburg fordert die Behörde auf, die Ergebnisse endlich ernst zu nehmen und konkrete Schritte einzuleiten:
- Regelmäßige Belastungsstudien und Gefährdungsbeurteilungen für Schulleitungen, wie im Arbeitsschutzgesetz vorgeschrieben.
- Eigenständiges Zeitbudget für Leitungsaufgaben – Funktionszeiten dürfen nicht aus dem allgemeinen Pool entnommen werden, sondern müssen separat und zusätzlich zugewiesen werden.
- Mehr qualifiziertes Verwaltungspersonal wie Verwaltungsleitungen zur Entlastung, ohne dass diese von den Schulen mitfinanziert werden müssen.
- Reduzierte Unterrichtsverpflichtung und Befreiung von Klassenleitungen insbesondere für Leitungen kleinerer Schulen.
- Mehr Ressourcen und Fachpersonal – zusätzliche Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte sowie IT-Administrationen.
„Jetzt ist die Schulbehörde am Zug“
„Die Daten sind eindeutig: Schulleitungen sind hoch motiviert, aber dauerhaft überlastet. Ohne entschlossene Maßnahmen riskieren wir den Kollaps des Systems“, betont Quiring. „Die Schulbehörde muss die Gefährdungsbeurteilungen verbindlich umsetzen und für echte Entlastung sorgen. Hamburg kann jetzt beweisen, dass es die Warnsignale ernst nimmt.“
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© Foto: Gerd Altmann, pixelio.de
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