Die GEW Hamburg erklärt sich solidarisch mit dem Verband Kinder- und Jugendarbeit Hamburg (VKJH), der aufgrund der anhaltenden Unterfinanzierung seiner Verbands- und Trägerstrukturen um seine Existenz fürchten muss. Sollte es nicht kurzfristig zu einer tragfähigen Finanzierung kommen, drohen der Verlust wichtiger Einrichtungen, Projekte und gewachsener Netzwerke der Offenen Kinder- und Jugendarbeit.
Eine Stadt ist nur so stark wie ihre öffentlichen und sozialen Strukturen. Die Kinder- und Jugendhilfe gehört zu den wirksamsten präventiven Angeboten unseres Sozialstaats. Sie stärkt Kinder und Jugendliche, unterstützt Familien, schützt frühzeitig vor Krisen, fördert demokratische Teilhabe und verhindert soziale Ausgrenzung. Jeder Euro, der heute in Prävention investiert wird, spart morgen ein Vielfaches an Kosten im Jugendhilfe-, Gesundheits- und Justizsystem.
Umso unverständlicher ist die aktuelle Entwicklung. Während der Hamburger Senat Kinderrechte, Armutsbekämpfung, Demokratieförderung und soziale Teilhabe als politische Ziele formuliert, geraten ausgerechnet jene Strukturen unter Druck, die diese Ziele täglich mit Leben füllen. Ein fehlender vollständiger Inflations- und Tarifausgleich sowie die ausbleibende strukturelle Stärkung der freien Träger senden ein fatales Signal: Es fehlt an Verlässlichkeit und an einer klaren Priorität für Kinder, Jugendliche und Familien.
Die Beschäftigten in der Kinder- und Jugendhilfe übernehmen seit Jahren wachsende Verantwortung bei unzureichender personeller und finanzieller Ausstattung. Das gefährdet nicht nur ihre Arbeitsbedingungen, sondern auch die Qualität öffentlicher Daseinsvorsorge.
Jugendhäuser, Familienförderung, Stadtteilprojekte oder Ombudsstellen sind ebenso Teil der öffentlichen Infrastruktur wie Schulen oder Straßen. Gebäude allein schaffen keine Teilhabe – erst qualifizierte Fachkräfte, soziale Arbeit und verlässliche Beziehungen machen sie wirksam. Wenn freie Träger ihre Arbeit einschränken oder aufgeben müssen, gehen nicht nur Angebote verloren, sondern auch Fachwissen, Vertrauen und sozialräumliche Stabilität.
Die Situation des VKJH steht stellvertretend für die Herausforderungen vieler Träger der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Hamburg. Die GEW Hamburg fordert den Senat deshalb auf, kurzfristig eine tragfähige Finanzierung sicherzustellen und die soziale Infrastruktur der Stadt nachhaltig zu stärken. Wer Kinder und Jugendliche stärken will, muss die Menschen und Strukturen sichern, die diese Arbeit jeden Tag leisten.
--

