Die GEW Hamburg kritisiert die vom Hamburger Senat angekündigte Reform des Kita-Gutscheinsystems scharf. Was als Modernisierung verkauft wird, bedeutet für viele Familien vor allem höhere Elternbeiträge – ohne dass erkennbar ist, wie Kinder, Kitas oder Beschäftigte davon profitieren.
Besonders widersprüchlich ist aus Sicht der GEW Hamburg die Argumentation von Bildungssenatorin Bekeris. Sie begründet die Reform mit einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Tatsächlich werden jedoch ausgerechnet jene Betreuungszeiten teurer, auf die Eltern mit Vollzeit- oder vollzeitnaher Beschäftigung angewiesen sind. Gleichzeitig muss Betreuung wegen des anhaltenden Personalmangels immer wieder eingeschränkt werden. So erschwert der Senat die Vereinbarkeit, statt sie zu stärken.
Während Hamburg sich als Bildungsstadt präsentiert, erleben Fachkräfte, Träger und Familien eine andere Realität: Personalmangel, wachsender Arbeitsdruck und eine chronisch unzureichende Finanzierung prägen den Alltag. Sinkende Geburtenzahlen verschärfen die wirtschaftliche Lage vieler Kitas zusätzlich, weil das Gutscheinsystem auf Vollauslastung ausgelegt ist.
„Der Senat verlangt von Familien höhere Beiträge ohne zu erklären, wie Kinder, Kitas und Beschäftigte davon profitieren. Wer den Höchstbetrag erhöht, ohne die Rahmenbedingungen zu verbessern und gleichzeitig von besserer Vereinbarkeit spricht, widerspricht sich selbst. Frühkindliche Bildung ist die Grundlage erfolgreicher Bildungsbiografien und darf nicht der Haushaltskonsolidierung geopfert werden“, erklärt Varsenik Vardanyan, KiJu-Expertin der GEW Hamburg.
„Ich finde sie können nicht alles über die Elternbeiträge regeln, sie müssen zusätzlich in die Kitas investieren! Die finanzielle Entlastung der Behörde sollte dazu führen, dass die Kitas mehr Geld bekommen. Höhere Elternbeiträge dürfen nicht dazu dienen, Haushaltslöcher zu stopfen, sondern müssen den Kindern, den Familien und den Kitas unmittelbar zugutekommen“, ergänzt Kitaleitung Nina Langer.
Die GEW Hamburg begrüßt, dass die beitragsfreie fünfstündige Grundbetreuung einschließlich Mittagessen erhalten bleibt und Familien mit niedrigen sowie mittleren Einkommen entlastet werden sollen. Offen bleibt jedoch, wofür die angekündigten Mehreinnahmen von rund 13,7 Millionen Euro verwendet werden. Höhere Elternbeiträge sind nur dann vertretbar, wenn sie nachweislich in mehr Personal, bessere Bildungsqualität und bessere Arbeitsbedingungen fließen. Andernfalls handelt es sich nicht um eine Modernisierung, sondern um Sparpolitik auf dem Rücken von Kindern, Familien und Beschäftigten.
Unsere Forderungen:
- eine indexbasierte Anpassung der Gutscheinentgelte an die tatsächlichen Tarif- und Kostenentwicklungen,
- eine verlässliche und auskömmliche Finanzierung der Kita-Träger,
- öffentliche Investitionen in Sanierung, Modernisierung und Klimaanpassung von Kita-Gebäuden,
- die vollständige Finanzierung der mittelbaren pädagogischen Arbeit,
- sowie die Anerkennung der frühkindlichen Bildung als gleichwertigen Teil des Hamburger Bildungssystems.
Wer Bildungsqualität ernst meint muss jetzt in die frühkindliche Bildung investieren nicht bei ihr sparen.
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