Die GEW Hamburg zeigt sich besorgt über die angekündigte Schließung der Kita Company Kids in der HafenCity. Die Entwicklung steht exemplarisch für die zunehmenden Probleme vieler Kita-Träger in Hamburg und macht deutlich, dass das bestehende Finanzierungssystem an seine Grenzen stößt.
Nach Angaben des Trägers wird die Einrichtung mit 92 Plätzen aufgrund dauerhaft sinkender Belegungszahlen und fehlender Refinanzierung von Leerständen geschlossen. Für die GEW ist dies ein weiteres Warnsignal dafür, dass frühkindliche Bildung nicht nach marktwirtschaftlichen Prinzipien organisiert werden darf.
„Kitas sind keine Wirtschaftsunternehmen, sondern Bildungsorte. Wenn Einrichtungen schließen müssen, weil die Finanzierung allein von der Auslastung abhängt, wird ein zentrales Element öffentlicher Bildungsinfrastruktur dem Markt überlassen. Das kann nicht im Interesse der Stadt sein“, erklärt Varsenik Vardanyan, Kinder- und Jugendhilfeexpertin der GEW Hamburg.
Die GEW weist die Auffassung zurück, die Verantwortung der Stadt beschränke sich darauf, ausreichend Kita-Plätze bereitzustellen. Frühkindliche Bildung ist Teil des Bildungssystems und damit Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Die Stadt trägt deshalb auch Verantwortung für den Erhalt einer leistungsfähigen und vielfältigen Trägerlandschaft.
Besonders kritisch bewertet die GEW die Auswirkungen des aktuellen Gutschein- und Entgeltsystems. Während Einnahmen unmittelbar von der Zahl der belegten Plätze abhängen, bleiben Kosten für Personal, Mieten, Energie und Verwaltung bestehen. Sinkende Geburtenzahlen und regionale Verschiebungen bei der Nachfrage führen deshalb zunehmend zu wirtschaftlichem Druck auf die Einrichtungen.
„Wenn Kitas gezwungen werden, pädagogische Qualität, gute Arbeitsbedingungen oder tarifliche Standards gegen ihre wirtschaftliche Existenz abzuwägen, läuft etwas grundlegend falsch. Gute Bildung braucht verlässliche Finanzierung – und zwar unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen“, so Vardanyan.
Die Hamburger Kita-Landschaft lebt von ihrer Vielfalt. Unterschiedliche pädagogische Konzepte, kleine und große Einrichtungen sowie freie und gemeinnützige Träger leisten einen unverzichtbaren Beitrag zu Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit. Gehen Träger und Einrichtungen verloren, verschwinden nicht nur Betreuungsplätze, sondern auch pädagogische Kompetenzen, gewachsene Teams und wichtige Bildungsangebote für Familien.
Hinzu kommt der erhebliche Investitionsbedarf vieler Kitas. Zahlreiche Gebäude müssen saniert und an die Folgen des Klimawandels angepasst werden. Kinder und Beschäftigte haben Anspruch auf moderne, sichere und gesunde Bildungsräume.
Die GEW Hamburg fordert daher:
• eine indexbasierte Anpassung der Gutscheinentgelte an die tatsächlichen Tarif- und Kostenentwicklungen
• eine verlässliche und auskömmliche Finanzierung der Kita-Träger,
• öffentliche Investitionen in Sanierung, Modernisierung und Klimaanpassung von Kita-Gebäuden,
• sowie die Anerkennung der frühkindlichen Bildung als gleichwertigen Teil des Bildungssystems.
„Wer Bildung ernst nimmt, muss auch die Orte sichern, an denen Bildung stattfindet. Kitas dürfen nicht von Angebot und Nachfrage abhängig gemacht werden. Sie sind Teil der öffentlichen Verantwortung und müssen entsprechend abgesichert werden“, betont Vardanyan abschließend.
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