Die geplante Schließung von vier Praxisausbildungsstätten (PAS) ist weit mehr als ein verwaltungsinterner Vorgang im Kita-Bereich. Sie bedeutet einen tiefen Eingriff in die Ausbildungsstruktur sozialpädagogischer Berufe in Hamburg. PAS erfüllen eine zentrale Doppelrolle: Sie sind Kindertageseinrichtungen und zugleich fest etablierte Ausbildungsorte für angehende Fachkräfte. Ihre Schließung gefährdet bewährte Strukturen der Fachkräftequalifizierung nachhaltig.
Fehlende Transparenz
Bislang fehlt jede nachvollziehbare Grundlage für diese Entscheidung. Weder eine veröffentlichte Evaluation noch eine Bedarfsanalyse oder unabhängige fachliche Begutachtung liegen vor.
Dabei sind die Auswirkungen erheblich: 162 betreute Kinder, die Ausbildungsstrukturen der Fachschulen sowie die Gewinnung dringend benötigter Fachkräfte sind unmittelbar betroffen. Entscheidungen dieser Tragweite brauchen transparente und fachlich fundierte Grundlagen.
Unverzichtbar für die Ausbildungsqualität
Die aktuellen Bildungspläne betonen ausdrücklich die Bedeutung der engen Verzahnung von Theorie und Praxis. Genau hier leisten die PAS einen unverzichtbaren Beitrag: Sie schaffen verlässliche Praxisorte, an denen angehende Fachkräfte professionelles Handeln erlernen und reflektieren können.
Isabel, Erzieherin (PAS Gerritstraße):
„Ich habe selbst meine Ausbildung in der FSP 2 gemacht. Reflexion ist bei uns zentral: Nach jedem Lernangebot findet sie statt. Durch einen ‚Second Try‘ können Dinge erneut erprobt und vertieft werden – begleitet und unterstützt. Genau darauf liegt unser Fokus.“
Alexander Krüger, stellvertretende Leitung (PAS Gerritstraße):
„Unsere Arbeit und Praxiserfahrungen werden regelmäßig in den Unterricht der Schulklassen integriert. Auch Fachlehrer*innen hospitieren bei uns – diese Zusammenarbeit ist enorm wertvoll. Pädagogik ist nicht linear: Unterricht kann nur gut sein, wenn die Praxis mitgedacht wird. Gleichzeitig bin ich enttäuscht vom HIBB. Trotz unserer Mitwirkung an Bildungsplänen für ganz Hamburg haben wir wenig Unterstützung erfahren. Dieser Widerspruch ist schwer nachvollziehbar. Unsere Arbeit verdient Anerkennung und sollte ausgebaut werden.“
Klare Forderung: Entscheidung neu prüfen
„Die geplante Schließung gefährdet nicht nur funktionierende Ausbildungsstrukturen, sondern auch die langfristige Sicherung qualifizierter Fachkräfte im sozialpädagogischen Bereich. Eine Entscheidung dieser Tragweite darf nicht ohne transparente Prüfung, fachliche Beteiligung und ernsthafte Alternativen getroffen werden. Deshalb ruft die GEW Hamburg zur Kundgebung auf am 6. Mai, 13 Uhr, vor der Europapassage. Gemeinsam setzen wir ein sichtbares Zeichen gegen die Schließung der Praxisausbildungsstätten“, so Varsenik Vardanyan, KiJu-Expertin der GEW Hamburg.
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