Die angekündigte Reform des Hamburger Kita-Gutscheinsystems bleibt leider auch nach der Einigung der BSFB und der Kita-Verbände aus. Dabei stehen Träger, Beschäftigte und Familien längst unter massivem Druck. Ein großer Hamburger Träger musste in der Vergangenheit bereits rund 80 Fachkraftstellen abbauen, andere Träger sehen sich gezwungen, Personalstunden zu reduzieren. Die Folgen sind gravierend: weniger pädagogische Qualität, eingeschränkte Sprachförderung, überlastete Beschäftigte und wachsende Unsicherheit für Familien.
All dies geschieht nicht, weil es am Bedarf fehlt, sondern weil die Finanzierung im Personalbereich nach wie vor unzureichend ist. Besonders betroffen sind tarifgebundene Träger, die langjährig erfahrenes Personal beschäftigen. Die Tarifsteigerungen für diese Kolleg*innen werden durch das Gutscheinsystem immer noch nicht ausreichend refinanziert.
„Wer Tarifbindung verspricht, muss diese auch refinanzieren – andernfalls ist das System nicht tragfähig. Die Hamburger Kitas brauchen eine kostendeckende Finanzierung, insbesondere im Personalbereich. Eine fehlende Haushaltsvorsorge kann dabei kein Argument sein. Geld ist da, insbesondere in einer Stadt mit hoher finanzieller Leistungsfähigkeit. Es ist eine politische Entscheidung, wofür der Senat bzw. die Bürgerschaft öffentliche Mittel bereitstellt und wofür nicht“, so Sven Quiring, Vorsitzender der GEW Hamburg.
Im September 2024 wurde zwischen den Kita-Trägern und der Sozialbehörde vereinbart, dass eine neue Entgeltsystematik für das Jahr 2025 und die folgenden Jahre entwickelt werden soll. Diese Vereinbarung wurde mehrfach bekräftigt. Diese sollte mindestens auf den bisherigen Gutscheinentgelten für das Jahr 2024 inklusive aller Zusatzfortschreibungen aufsetzen. Doch bereits heute sind diese Werte nicht auskömmlich. „Ein zukunftsfestes System muss gewährleisten, dass jährliche Tarifsteigerungen vollständig in die Entgelte einfließen. Wenn aber schon der Startwert zu niedrig angesetzt ist, setzt sich dieser Mangel strukturell fort – Jahr für Jahr. Ein ‚Systemfehler‘, der nicht korrigiert wird, gefährdet dauerhaft die Qualität der frühkindlichen Bildung. Das ist ein ‚No-Go‘ für eine Stadt, die Bildungsgerechtigkeit ernst nimmt“, so Sven Quiring weiter.
Es geht nicht allein um Verwaltungsentscheidungen, sondern um politische Verantwortung. Denn frühkindliche Bildung ist kein Sparobjekt, sondern der Grundstein für Teilhabe, Chancengleichheit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Die GEW Hamburg fordert von den politischen Verantwortlichen:
- eine indexbasierte Anpassung der Gutscheinentgelte auf Basis realer Tarifentwicklungen,
- eine verlässliche Ausgangsbasis für die neue Entgeltsystematik ab 2025 und
- politischen Willen statt weiterer Verzögerungen.
Gute Bildung braucht gute Bedingungen – von Anfang an. Wer Tarifbindung will, muss sie auch refinanzieren. Die GEW erwartet, dass die BSFB zeitnah nach den Sommerferien in die Verhandlungen mit den Kita-Trägern für eine neue Systematik der Entgeltfortschreibungen startet.
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Foto: Carole LR auf Pixabay

