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Wie sich der Brexit auf die Bildung auswirkt

Geschrieben von: 
Barbara Geier
Bildungspolitik in Großbritannien steht im Schatten der Aufmerksamkeit
Foto: Marvin Siefke / www.pixelio.de

Was passiert in Sachen Bildung, wenn ein EU-Staat plötzlich nicht mehr Teil der europäischen Gemeinschaft ist? Großbritannien steckt in dieser Situation. Lehrkräfte und Schüler*innen leiden darunter.

Das Vereinigte Königreich, United Kingdom, kurz UK genannt, gewährt konstitutionell seinen vier Nationen England, Wales, Schottland und Nordirland unabhängige Schulministerien mit mehr oder weniger eigenen Curricula und Rahmenbedingungen.

Seit Theresa May nach dem knappen Referendumsvotum für den Austritt aus der EU die Regierung Großbritanniens von David Cameron im Sommer 2016 übernommen hat, befindet sich die schon seit Jahren kontrovers diskutierte Bildungspolitik in England in einem Schlingerkurs. Dieser wurde nach der Wahlniederlage der Tories im Mai 2017 noch einmal beschleunigt.

Ausgaben für Bildung sinken seit 2010

Da die Bildungspolitik nicht Verhandlungsgegenstand der Brexitdiskussionen ist, steht sie im Augenblick im Schatten der politischen Aufmerksamkeit. Sie ist aber sehr wohl von den Budgetauswirkungen der Verhandlungen betroffen und diese haben weitreichende Auswirkungen für Hunderttausende von Schüler*innen und Lehrer*innen.

Von 2010 bis 2015 haben die Bildungsausgaben von 5,8 Prozent auf 4,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts abgenommen. Umverteilungen innerhalb des Budgets für die von der Premierministerin Theresa May favorisierten teilprivatisierten Free Schools entziehen den staatlichen Schulen Mittel. Proteste von Eltern, Lehrer*innen- und Schulleitungsgewerkschaften gegen die Streichung von Zuschüssen fürs Schulessen für bedürftige Schüler*innen, Reduzierung von Etatzuweisungen und ein akuter Lehrer*innenmangel haben für viel Unruhe und Unsicherheit vor Beginn des neuen Schuljahrs im September geführt.

Einsparungen beim pädagogischen Fachpersonal

Seit die Regierung unter Theresa May und ihrer Bildungsministerin Justine Greening, den Lehrer*innenberuf auch für nicht qualifiziertes Personal an staatlichen Schulen geöffnet hat, ist deren Zahl auf 24.000 gestiegen. Das bedeutet, dass die schon seit Jahren bestehende Praxis an teilprivatisierten Schulen, nach Bedarf nicht-pädagogisch fachlich ausgebildetes Personal zu außertariflichen Bedingungen einzustellen, auch an staatlichen Schulen etabliert wird.

In ganz England gibt es noch für vier Fächer genug ausgebildete Lehrer*innen – nämlich in Sport, Geschichte, Biologie und Geografie. Die Erhöhung der Klassenfrequenzen sind nur ein Hinweis für die dramatische Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, sodass laut Statistik nur 25 Prozent der Junglehrer*innen länger als fünf Jahre im Beruf bleiben.

Smartierollen für die Schulsanierung

Der Mangel an qualifizierten Lehrkräften trifft besonders viele Schulen in sozialen Brennpunkten. Schulleitungen teilten der Öffentlichkeit mit, dass sie im neuen Schuljahr gezwungen seien, ihre Schule nur noch vier oder maximal viereinhalb Tage geöffnet zu lassen, da ihnen die nötigen Ressourcen fehlen. Andere suchen kreativ nach Geldquellen: So wurden zum Beispiel Schüler*innen aufgefordert zum Schuljahresende mit 20 Cent Münzen gefüllte Smartierollen für die Schulrenovierung mitzubringen.

Den Primar- und Sekundarschulen stehen harte Zeiten bevor, denn anders als die Hochschulen sind sie nicht Teil der alles beherrschenden Brexitverhandlungen.

Barbara Geier, GEW Hamburg

Foto: Marvin Siefke / www.pixelio.de