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Mitreißende Aktivist_innen aus Chile zu Gast in Hamburg: "Wir können die Welt verändern"

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Drei Aktivist_innen der Bildungsproteste in Chile, darunter die weltweit populäre Camila Vallejo, bereisen noch bis zum 9. Februar auf Einladung der GEW und der Rosa-Luxemburg-Stiftung zehn deutsche Städte, über den Kampf von SchülerInnen und Studierenden gegen Studiengebühren und für eine Reform des überwiegend privaten Bildungssystems in Chile zu berichten. 2011 entwickelte sich aus dem Protest gegen ein ungerechtes Bildungssystem eine breite Debatte über den Widerspruch zwischen Neoliberalismus und Demokratie - aus der Bewegung junger Menschen, die für bessere Bildung auf die Straße gingen entstand eine Bewegung, in der Gewerkschaften, soziale Bewegungen und linke Parteien in Chile zusammenfanden.

Nachdem bereits in Frankfurt und Berlin jeweils rund 400 Menschen zu den Veranstaltungen mit den Chilenischen Aktivist_innen geströmt waren, war auch der große Hörsaal an der Hamburger Universität voll. Gespannt und engagiert verfolgten rund 450 Zuhörer_innen - darunter viele Exilchilen_innen - die Berichte von Camila Vallejo, Jorge Murúa und Karol Cariola über die Privatisierung von Bildung und die breiten Widerstandsaktivitäten gegen den neoliberalen Ausverkauf von Grundrechten. Dass Protest und Widerstand - nicht nur in Chile - nach wie vor gefährlich sein kann, weiß Camila Vallejo zu gut: Sie gilt als das "Gesicht der Revolution" und steht in Chile unter Personenschutz.  
Das Medieninteresse vor allem an Camila Vallejo ist immens. "Es mag wichtig sein, eine Bewegung mit einem Gesicht zu verbinden", sagt die 23 jährige Vallejo. "Aber eine Bewegung kann und darf nicht an einer Person hängen. Wir sind viele und wir können die Welt verändern". Entsprechend gaben die drei Aktivist_innen während ihrer Reise konsequent alle Interviews zu dritt - ein Diktum, dem sich auch Medien wir ZEIT, Spiegel und ORF beugten.

"Wir freuen uns sehr über den Besuch unserer Freunde und Freundinnen aus Chile", unterstreicht Klaus Bullan, Vorsitzender der GEW Hamburg. "Es ist wichtig, unsere jeweiligen Erfahrungen mit dem Kampf um ein sozial gerechtes Bildungssystem in den verschiedenen Ländern zu teilen. Die Klarheit, das Herzblut und das Durchhaltevermögen der jungen Aktivistinnen ist beeindruckend und mitreißend."

Zum Hintergrund:
Seit April 2011 protestieren in Chile SchülerInnen und StudentInnen für ein sozial gerechtes Bildungssystem. Im vergangenen Semester besetzten sie etwa 600 Universitäten und Schulen, mit zahllosen Aktionen und Großdemonstrationen bestimmten sie die politische Agenda des Landes.
Gemeinsam mit den Aufständen in den arabischen Ländern, den Indignados in Spanien und der Occupy-Bewegung in den USA reiht die Studierendenbewegung in Chile sich ein in die großen Protestbewegungen des Jahres 2011. Dabei blieb die Protestbewegung keine Angelegenheit der Studierenden. Nicht nur Lehrkräfte und HochschulmitarbeiterInnen unterstützen den Bildungsstreik, auch der größte Gewerkschaftsverband des Landes, die /Central Unitaria de Trabajadores de Chile/ (CUT), soziale Bewegungen und zivilgesellschaftliche Gruppen entwickelten die Proteste zu einer breiten kritischen Diskussion über die grundlegende Ausrichtung der Gesellschaft. Der CUT unterstützte die Proteste mit mehreren Generalstreiks.

Camila Vallejo (23) ist Vize-Präsidentin der Studentenvereinigung der Universität von Chile (FeCh). Sie studiert seit 2006 Geographie. Von November 2010 bis Dezember 2011 war sie Präsidentin der /Federación de Estudiantes de la Universidad de Chile/ und Sprecherin der /Confederación de Estudiantes de Chile/ (Confech - Verband der Studierenden der traditionellen Universitäten Chiles). Aufgrund ihrer Rolle während der Studentenproteste 2011 wählten die LeserInnen der britischen Tageszeitung /The Guardian/ Camila Vallejo zur «Person des Jahres 2011». Im Januar 2012 erscheint in Chile ihr Buch «Podemos cambiar el mundo» («Wir können die Welt verändern»).

Karol Cariola (24) studiert seit 2005 Geburtshilfe an der /Universidad de Concepción/. In den Jahren 2009 und 2010 war sie Präsidentin der /Federación de Estudiantes de la Universidad de Concepción/. Seit November 2011 ist Karol Cariola Generalsekretärin der/ Juventudes Comunistas de Chile/ (Kommunistischen Jugend).

Jorge Murúa (35) ist Mitglied der Leitung der Metallarbeitergewerkschaft /Confederación Nacional de Trabajadores Metalúrgicos/ (CONSTRAMET) sowie Mitglied in der Leitung des Gewerkschaftsdachverbandes /Central Unitaria de Trabajadores de Chile/ (CUT).

Interview mit Camila Vallejo in der FAZ:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/camila-vallejo-das-gesicht-des-kommunismus-11637668.html
 

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