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„Bildung ist die stärkste Waffe”

Geschrieben von: 
Enayatulla Habib
Veranstaltung "Schulen in Afghanistan" 25.1.2013
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In Afghanistan gibt es Unmengen an Waffen.Leider sind diese Waffen jedoch nicht die Bildung der Bevölkerung, sondern Waffen in Form von Landminen und Blindgängern. Davon gibt es in kaum einem anderen Land der Welt mehr als in Afghanistan.

Das Land befindet sich über 30 Jahre im Krieg. Generationen wurden traumatisiert und Angst vor Anschlägen und Gewalt prägen den Alltag der Menschen in Afghanistan. Die Beurteilung der internationalen Gemeinschaft und ihres Engagements in Afghanistan fällt ernüchternd aus. Trotz starker Präsenz und
Unterstützung der Regierung Karsai haben die ISAF-Truppen es innerhalb von 11 Jahren nicht geschafft, das Land zu stabilisieren und die Taliban zu entmachten.

Die Gründe hierfür sind komplex. Eine wichtige Rolle spielt das Nachbarland Pakistan, das massiv die Taliban unterstützt und an einem schwachen Afghanistan interessiert ist, um seine eigene Machtposition in der Region zu stärken.

Die inneren Probleme Afghanistans sind enorm. Das Land ist hochkorrupt, traumatisiert und wird von einer Regierung geführt, die lediglich am eigenen Machterhalt interessiert ist. In den Jahren des Bürgerkrieges
ist das afghanische Bildungswesen kollabiert. Die Zahl der Analphabeten beträgt über 70%. Zahlreiche Schulen wurden zerstört, Mädchen und Frauen fast vollständig vom Zugang zu Bildungseinrichtungen ausgeschlossen. Auch wenn sich dieser Zustand geändert hat, sind die Defizite des afghanischen
Bildungswesens immer noch enorm hoch.

Der Bedarf an Bildung ist groß: 1,3 Millionen Jugendliche benötigen Ausbildungsplätze, landesweit gab es 2011 nur 129 Berufsschulen für 44 300 Schüler. (Quelle:GIZ)

Eine deutsche Organisation, die in Afghanistan den Bildungssektor unterstützt, ist die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit  (GIZ). Sie fördert die Lehrerausbildung, stärkt die Planung und Managementkapazitäten des Bildungsministeriums und unterstützt die Ausbildungsstätten, z.B. durch Weiterbildung der Lehrer.

Ich habe als Gewerbelehrer in einem Bildungsprojekt für die GIZ im Kabul Mechanical Institut (KMI) gearbeitet. Meine Aufgaben waren das Unterrichten von afghanischen Lehrern sowie der Aufbau von Fachräumen für
die naturwissenschaftlichen Fächer. Diese Unterstützung ist sehr hilfreich für die einzelnen Schulen und die afghanischen Kollegen. Gerne werden sie als Vorzeigeprojekte präsentiert. Doch die meisten Schulen haben nicht einmal minimale Grundausstattungen, wie der folgende Bericht zeigt:

Eine Schule ohne Gebäude

Ein afghanisches Sprichwort sagt: Was man selber sieht und erlebt, ist ganz anders als das, was man nur hört. 

Seit meiner Ankunft aus Kabul kann ich kaum schlafen. Vor mir sehe ich die Augen der kleinen Mädchen und Jungen im Alter zwischen 6 bis 13 Jahren, die auf dem felsigen Boden sitzen und von ein paar mutigen  Lehrer/ innen in der heißen Sonne betreut werden. Hilflos blicken sie zu mir. Auf meine Frage, woher diese
Kleinen in der Hitze etwas zu trinken bekommen, erwidert die selbst erschöpfte Lehrerin, dass die Schule keinen Brunnen habe. Die Kinder müssen den dreistündigen Unterricht aushalten. Danach werden sie entlassen, um sich auf einen langen Fußmarsch über den Berg hinunter in ihre Dörfer zu machen.
Anschließend kommt eine neue Gruppe Schüler, insgesamt sind es 800 Kinder täglich, die hier in dieser Feldschule, nicht weit von der Hauptstadt, unterrichtet werden.

Drei halb hochgezogene Mauerwerke, die selbst keine Decke verbindet, bilden das Schulgebäude, in dem es weder Wasser noch Strom gibt. Die Sufi-Askari Schule ist eine Grundschule. Nach einem afghanischen Mystiker und Dichter wurde sie getauft. Sie kann nicht mit einer üblichen Schule verglichen werden, denn es fehlt an einem Gebäude, an Wasser, Strom, Stühlen und Bänken. Trotzdem unterrichten hier Lehrer und Lehrerinnen 800 SchülerInnen wie in einer üblichen Schule.

Die Sufi-Askari Schule wird von der Kabuler Schulbehörde verwaltet und taucht wahrscheinlich auch in den Statistiken auf, die gerne auswärts präsentiert werden, um den Fortschritt des Landes zu präsentieren.
Unverständlich nur, wieso diese Feldschule, 15 km von der afghanischen Hauptstadt entfernt, nichts von dem vorgeblichen Fortschritt mitbekommen darf.

Das afghanische Bildungswesen ist in den Jahren des Bürgerkrieges zusammengebrochen, zahlreiche  Schulen wurden zerstört. Mädchen und Frauen wurden fast vollständig vom Zugang zu Bildung  ausgeschlossen. Dies hat sich geändert. Seit dem Ende der Taliban-Herrschaft zeigen sich insbesondere im Bereich der Grundbildung beachtenswerte Erfolge. Die Kriegsgeneration, die heute im Erwachsenenalter ist,
wird davon jedoch kaum erreicht. Insgesamt liegt die Zahl der Analphabeten über 70 %. Bildung wird für eine lange Zeit eine große Herausforderung für die afghanische Regierung und Gesellschaft bleiben. Ohne internationale Hilfe kann sie nicht die Defizite im Bildungssektor ausgleichen.

Enayatulla Habib
ehemals Gewerbeschule Bautechnik

Kollege Enayatulla Habib bittet um eine Spende für die von ihm betreute Sufi-Askari-Schule
„Schule in Not“ Hamburger Sparkasse BLZ 200 505 50, Kto Nr. 1169534912

 

Enayatulla Habib berichtet über seine persönlichen Eindrücke von der Situation in den Schulen Afghanistans
Freitag, 25 .01.13 um 16 Uhr im Curiohaus.

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