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Professorinnen werden schlechter bezahlt als Professoren

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GEW Hauptvorstand
Gender Pay Gap
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Frauen, die an Deutschlands Universitäten eine Professur besetzen, verdienen im Durchschnitt deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Das ist das Ergebnis einer statistischen Auswertung, die die Zeitschrift „Forschung und Lehre“ veröffentlicht hat. GEW-Vize Andreas Keller forderte Hochschulen und Länder auf, gegenzusteuern.

Bei Professuren mit der höchsten Besoldungsstufe W3 klafft die durchschnittliche Bezahlung um 650 Euro monatlich auseinander: Während bei Frauen die durchschnittliche Besoldung bei 7.930 Euro liegt, beträgt sie bei Männern 8.580 Euro. Bei W2-Professuren liegt der Unterschied zwischen Professorinnen und Professoren bei 320 Euro: Männer verdienen im Schnitt 6.290 Euro, Frauen 5.970. W1-Professorinnen (insbesondere Juniorprofessorinnen) werden mit durchschnittlich 4.510 Euro um 200 Euro schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen (4.710 Euro). Die Ergebnisse sind im Einzelnen in der Dezemberausgabe der Zeitschrift „Forschung und Lehre“ veröffentlicht. Die Daten beziehen sich ausschließlich auf Professuren an Universitäten, Fachhochschulen wurden nicht untersucht.

Hochschulen müssen Ursachenforschung betreiben

GEW-Vize und Hochschulexperte Andreas Keller zeigte sich besorgt über die Daten. „Frauen haben nicht nur deutlich schlechtere Chancen als Männer, überhaupt auf eine Professur zu kommen. Wenn sie berufen werden, sind sie mit einem massiven Gender Pay Gap konfrontiert. Das ist diskriminierend. Die Länder und die Hochschulen müssen endlich Ursachenforschung betreiben, um wirksam gegensteuern zu können“, sagte Keller. Betroffene Professorinnen ermunterte er, die Rechte des 2017 in Kraft getretenen Entgelttransparenzgesetzes zu nutzen. Nach diesem Gesetz haben Beschäftigte, auch Beamtinnen und Beamten, einen individuellen Auskunftsanspruch, mit dem sie in Erfahrung bringen können, nach welchen Kriterien und Verfahren ihr Entgelt ermittelt wird und wie hoch die Vergleichsentgelte sind.

Zu den Gründen für die ungleiche Bezahlung von Professorinnen und Professoren könnte eine ungleiche Geschlechterverteilung nach Fächern gehören: In den MINT-Fächern, wo Frauen besonders stark unterrepräsentiert sind, liegen die Besoldungen zumeist höher als etwa in den Erziehungswissenschaften, wo es relativ viele Professorinnen gibt. Weiter ist zu vermuten, dass Hochschulen Professoren eher höhere Zulagen gewähren als Professorinnen. Hintergrund dafür könnten subtile Vorurteile männlich dominierter Hochschulleitungen gegenüber Wissenschaftlerinnen sein.

Wie hoch die Besoldung von Professorinnen und Professoren ist, hängt im Übrigen nicht nur vom Geschlecht ab, sondern auch vom Bundesland. So beträgt die durchschnittliche Besoldung auf einer W3-Professur an bayerischen Universitäten 8.950 Euro, in Mecklenburg-Vorpommern nur 7.570 Euro.