Am Donnerstag, den 11. Dezember 2025, trifft Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal erstmals im Akademischen Senat der Universität Hamburg mit Vertreter*innen aus Forschung, Lehre und Studierendenschaft sowie der Verwaltung zusammen – und sieht sich einer wachsenden Sorge um die finanzielle Zukunft der Universität Hamburg gegenüber. Hintergrund ist die seit dem Frühjahr bekannte Ankündigung der Universitätsleitung, im laufenden Haushalt mindestens 4,5 Prozent einsparen zu müssen. Was 2025 nur mit Notlösungen gelang, wirft massive Fragen für die kommenden Jahre auf: Bereits heute sind rund 20 Prozent der Stellen in Forschung und Lehre unbesetzt, teils nur vorübergehend, teils dauerhaft. Weitere Einsparungen würden diese Lücke vergrößern – mit deutlichen Folgen für Lehrveranstaltungen, Prüfungen und Verwaltungsabläufe, die schon jetzt spürbar ins Stocken geraten.
Die strukturellen Probleme sind jedoch seit Jahren bekannt. Bereits 2019 hatte die Personalversammlung des wissenschaftlichen Personals eine Aufstockung des Landesbudgets um mindestens 30 Mio. € pro Jahr gefordert, um das strukturelle Defizit zu überwinden. Dies ist jedoch nie geschehen. Die Lage verschärfte sich kontinuierlich, da die seit 2021 geltende Hochschulvereinbarung die jährliche Erhöhung der Landesmittel für Tarifsteigerung und Inflationsausgleich insgesamt auf maximal 2 % begrenzt. Auf dieser Grundlage ist es nicht möglich, außergewöhnliche Kostensteigerungen – etwa im Bereich IT-Sicherheit – abzufedern. Die jährliche Zuweisung an die Uni erhöht sich zwar, die Kosten steigen jedoch in deutlich stärkerem Maße! Die Folge ist ein dramatischer Realverlust.
Besonders belastend: Der politisch geforderte Ausbau der Lehramtsstudiengänge wird seit 2018 aus einem Sondertopf finanziert, der nicht an die gestiegenen Personalkosten angepasst wurde. Die Uni trägt die Mehrkosten seit Jahren selbst. Zudem verursachen die in Folge der Exzellenzinitiative neu entstehenden Strukturen Folgekosten, die nach Projektende vollständig im Etat der Universität verbleiben – ohne dynamische Gegenfinanzierung.
Für die GEW Hamburg ist klar: Die Grundaufgaben der Universität dürfen nicht hinter einer trügerischen Exzellenzfassade verschwinden. „Wer Exzellenz will, muss zuerst die Basis stärken – sonst bricht das ganze Gebäude ein“, betont Sven Quiring, Vorsitzender der GEW Hamburg. „Die Ausbildung von Lehrkräften, Wissenschaftler*innen und Fachkräften für die Stadt ist kein optionaler Luxus, sondern ein zentraler Baustein gesellschaftlicher Zukunftsfähigkeit.“
Unter Mitgliedern der Universität wächst der Unmut über die kontinuierliche Verschlechterung der Arbeits- und Studienbedingungen, die von der Hamburger Landespolitik zu verantworten ist.
In Zusammenkünften mit mehreren hundert Teilnehmern haben sich sowohl Mitarbeiter als auch Studierende mit der Lage befasst und über Aktionen beraten. Patrick Grommes, Hochschulbeschäftigter und GEW-Mitglied stellt fest: „Die Aussage der Wissenschaftssenatorin im Hamburger Abendblatt vom 24.06.2025, die Uni habe schlecht gewirtschaftet und müsse deswegen jetzt sparen, entspricht nicht der Realität. Meine Kolleg*innen und ich haben keinerlei Verständnis dafür, sondern fordern gemeinsam mit den Studierenden den Erhalt und Ausbau statt eines Abbaus der Universität!“
Da zuletzt zu hören war, Schließungen von Studiengängen seien „kein Tabu“ mehr, blickt die gesamte Universität mit großer Erwartung auf den Besuch der Senatorin.
Angesichts der unzulänglichen Grundfinanzierung der Universität Hamburg und der ebenfalls höchst prekären Lage der HAW fordert die GEW Hamburg:
- den Ausgleich der strukturellen Defizite in den Haushalten der Hochschulen
- eine dynamische Anpassung des Grundetats, orientiert an den realen Kostenentwicklungen für Tarifsteigerungen und Sachkosten, insbesondere im Bereich der IT-Sicherheit
- eine auskömmliche Finanzierung der Lehramtsstudiengänge, angepasst an die tatsächlichen Personal- und Strukturkosten.
- Keine Kürzungen und keine Schließungen von Studiengängen – stattdessen langfristige Planungssicherheit für Beschäftigte und Studierende.
Die GEW erwartet von der Wissenschaftssenatorin klare Aussagen zur zukünftigen Entwicklung der Universität – und die Bereitschaft, Verantwortung für eine auch zukünftig noch attraktive Wissenschaftsmetropole Hamburg zu übernehmen.
Bild: NDR Hamburg Journal
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