GEW Hamburg

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft - Landesverband Hamburg
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Was können Pädagog_innen zur Unterstützung von Flüchtlingen tun?

Geschrieben von: 
Joachim Geffers
Viele kamen und suchten gemeinsam mit der BG-Ruheständler_innen nach antworten
Foto: Stefan Gierlich

Unerwartet viele Stühle mussten nachgeliefert werden, um  allen Interessierten, die der Einladung der BG Ruheständlerinnen und Ruheständler gefolgt  waren, gerecht zu werden. Wie  können wir als Pädagog_innen  etwas beitragen zum Empfang  und ersten sich Zurechtfinden  in Hamburg? Was brauchen die  Flüchtlinge, was brauchen die  Helfer_innen? Was gibt es bereits an bestehenden Hilfsangeboten?

Marita Müller-Krätzschmar  vom LI – verantwortlich für den  Bereich Sprachbildung/Sprachförderung/DaZ – schilderte, was  aus Sicht der Schulbehörde an  Daten bekannt und an Maßnahmen ergriffen worden ist. Grundsätzlich bestehe der Anspruch,  alle Kinder und Jugendlichen  zu beschulen. Auch in der noch  unsicheren Situation der Erstaufnahmezentren werden (ca.40)  Lerngruppen eingerichtet. 50  Kolleg_innen seien dafür ein- geplant. Die Kinder in der Folgeunterbringung werden den  Schulen zugewiesen und dort in  Basisklassen zur grundlegenden  Lese- und Schreibschulung (33)  und dann in Internationalen- Vorbereitungs-Klassen (IVK)  auf die Eingliederung in alters- gemäße Regelklassen vorbereitet. Diese bisher 151 IV-Klassen  gibt es auch an Gymnasien. Es  ist sicherlich im Sinne des Lernerfolgs und einer gelingenden  Integration wünschenswert, dass  nicht an einzelnen Schulen über- proportional viele IV-Klassen  sich ballen. Die Bereitschaft zur  Einrichtung solcher Klassen an  Gymnasien hat sich schon als  eine Bereicherung für beide Seiten herausgestellt.

Das LI bietet für die eingesetzten Kolleg_innen Fortbildungen  für Deutsch als Zweitsprache  an. Diese seien aber so überlaufen, dass es keine Möglichkeit  gebe, auch ehrenamtlich tätige  Pädagog_innen mit fortzubilden.  Allerdings biete das LI Handreichungen, Materialien und Unterrichtseinheiten. (Abholung im LI  oder Download).

Die Vielfalt praktischer  Flüchtlingshilfe wurde anschließend dokumentiert. Susanne Jacobs schilderte, mit welcher ungewöhnlichen Lernbereitschaft  und Disziplin minderjährige Jugendliche das Bildungsangebot  der Berufsschule (AVJM) annehmen. Stefan Gierlich berichtete  von der Arbeit als ehrenamtlicher Deutschlehrer in der Farmsener Flüchtlingsunterkunft. Ins- besondere ältere Flüchtlinge und  auch Frauen mit zu versorgenden  Kleinkindern nehmen dieses An- gebot zum Erlernen des ABC  an. Diese Gruppe der Flüchtlinge wird von den in der Stadt  angebotenen Integrations- oder  Sprachkursen oft nicht erreicht.  Das Unterrichten mit solchen  Schüler_innen sei trotz aller ungewohnten Momente ein beglückendes Vergnügen gerade auch  für den Lehrenden.

Ein sehr breit gefächertes  Hilfsangebot hat die Flüchtlingshilfe Harvestehude (www. fluechtlingshilfe-harvestehude.de) entwickelt. Mitglieder der  Initiative berichteten von der  großen Einsatzbereitschaft der  Ehrenamtlichen für Deutschkurse auf verschiedenen Lernstufen  und auch im „Buddy-System“,  das heißt: direkte Begleitung  von Flüchtlingen bei Alltagsproblemen aller Art.

Weitere Informationen sind  auch über www.hamburg.de/hh- hilft/ zu finden. Grundsätzlich  gilt: Wer will, der findet auch  etwas, um sich im Rahmen seiner Möglichkeiten einzubringen.  Es muss nicht nur Sprachunterricht sein. Denn viele Aktivitäten  brauchen auch organisatorische  Hilfen, z.B. um den Informationsaustausch zwischen den  vielen Einzelinitiativen zu verbessern.

Das sehr sachliche und engagierte Gespräch der über 100  Anwesenden mündete in die ein- stimmige Verabschiedung von  Forderungen an die politisch  Verantwortlichen zur Bewältigung der Aufgabe von Unterricht  und Integration der Flüchtlinge. Die Veranstaltung zeigte das Bedürfnis nach  Austausch und wird sicherlich  nicht die letzte Initiative im Bereich der GEW-Mitglieder gewesen sein.

 

Stefan Gierlich, Ruheständler/hlz-redaktion 

 

Foto: Stefan Gierlich