Wer – wie Herr Gladiator (CDU) – behauptet, Bundeswehrauftritte an Schulen seien völlig unproblematisch, offenbart ein bedenkliches Verständnis von politischer Bildung.
Das Kontroversitätsgebot verpflichtet Schulen dazu, umstrittene Themen auch als umstritten darzustellen. Und nichts ist umstrittener als die Frage, ob eine Armee im Klassenzimmer Werbung für militärische Karrieren machen darf.
Das Überwältigungsverbot ist ebenfalls eindeutig: Jugendliche dürfen nicht durch staatliche Institutionen einseitig beeinflusst werden. Wenn uniformierte Soldat*innen an Schulen auftreten, sind sie nicht neutrale Informationsgeber*innen, sondern vertreten eine Organisation, die Nachwuchs gewinnen will. Wer das ignoriert, blendet die Realität aus – oder will sie bewusst nicht sehen.
Die GEW fordert deshalb klar: Sicherheitspolitik gehört in den Unterricht – aber ohne Rekrutierungsdruck. Lehrkräfte können Hintergründe, Interessen und Alternativen vermitteln, von Friedenspolitik über Abrüstung bis zu zivilen Konfliktlösungen. Das ist Bildungsauftrag. Bundeswehrwerbung ist es nicht.
Als Bildungsgewerkschaft fordern wir unsere Mitglieder in den Bildungseinrichtungen auf, die kritische Diskussion und Meinungsbildung der Schüler*innen zu diesen Themen aktiv zu unterstützen. Zur Debatte um die Wehrpflicht im Schulunterricht hat das Landesinstitut für Qualifizierung und Qualitätsentwicklung in Schulen (LI) Anregungen und unterstützendes Materialien bereit gestellt.
„Ab dem Jahr 2026 sollen junge Männer in Deutschland zum 18. Geburtstag einen Fragebogen erhalten, mit dem ihre Bereitschaft zum Wehrdienst abgefragt wird. Eine Antwort ist verpflichtend. Frauen dürfen sich freiwillig daran beteiligen. Ab 2027 sollen alle jungen Männer gemustert werden. Die Sorgen und die Kritik der Schüler*innen rund um die Themen Wehrpflicht, Frieden und Demokratie teilen wir. Als Bildungsgewerkschaft fordern wir unsere Mitglieder in den Bildungseinrichtungen auf, die kritische Diskussion und Meinungsbildung der Schüler*innen zu diesen Themen aktiv zu unterstützen.
Mit großer Sorge beobachten wir, dass die Bundeswehr in Schulen zunehmend präsent ist, insbesondere durch Vorträge von Jugendoffizieren oder durch ihre Teilnahme an Berufswahlmessen. Einseitige Inhalte zum Thema internationaler Sicherheit sowie Werbeversuche der Bundeswehr an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen lehnt die GEW klar ab und weist auf die UN-Kinderrechtskonvention hin, nach der die Rekrutierung von Unter-Achtzehnjährigen geächtet wird“, so Sven Quiring, Vorsitzender der GEW Hamburg.
Du willst eintreten? Herzlich willkommen!
Bild: Chat GPT

