Der Bundespräsident hat Hans-Peter de Lorent das Verdienstkreuz am Bande verliehen. Gewürdigt wird damit ein Lebenswerk, das die Aufarbeitung der Geschichte des Hamburger Schulwesens in der NS-Zeit ins öffentliche Bewusstsein gerückt und beharrlich fortgeschrieben hat.
Warum diese Auszeichnung?
De Lorent arbeitet seit rund vier Jahrzehnten zur NS-Vergangenheit des Bildungswesens in Hamburg. Bekannt wurde er mit den Reihen „Schule unterm Hakenkreuz“ (1985) und „Schulalltag unterm Hakenkreuz“ (1986) sowie den seit 2007 in der Hamburger Lehrerzeitung (hlz) veröffentlichten Nazibiografien. In den drei Bänden „Täterprofile – Die Verantwortlichen im Hamburger Bildungswesen unterm Hakenkreuz“ (2016, 2017, 2019) legte er über 180 Biografien vor und zeigte personelle Kontinuitäten nach 1945 wie auch gesellschaftliche Verdrängungsmechanismen auf. Die Bände erschienen bei der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und wurden u. a. im Curio-Haus vorgestellt.
Ein GEW-Mann: hlz-Schriftleiter, Landesvorsitzender, Hauptvorstand
Hans-Peter de Lorent ist eng mit der GEW verbunden – und die GEW mit ihm. 1980–1986 war er Chefredakteur/Schriftleiter der hlz, 1990–1996 Landesvorsitzender der GEW Hamburg und zugleich Mitglied des Hauptvorstands. Auch nach seinen Amtszeiten blieb er der Organisation als Autor, Referent und Wegbegleiter verbunden; viele seiner „Nazibiografien“ erschienen zunächst in der hlz, und erscheinen dort noch immer.
Forschungsarbeit aus der Praxis – für die pädagogische Öffentlichkeit
De Lorent ist gelernter Volks- und Realschullehrer, später Lehrerausbilder, und veröffentlichte zahlreiche Beiträge zu Schulgeschichte und -politik. Neben den „Täterprofilen“ hat er Biografien gewerkschaftlicher Bildungsakteure vorgelegt, darunter Max Traeger, den ersten GEW-Vorsitzenden, sowie Erich Frister. Damit hat er nicht nur die Geschichte des Hamburger Schulwesens, sondern auch Gewerkschaftsgeschichte erschlossen und diskutierbar gemacht.
Engagement mit Haltung
De Lorents Arbeiten stehen für eine erinnerungspolitische Praxis, die Namen, Funktionen und Verantwortung klar benennt – auch wenn dies Widerspruch auslöst. Öffentliche Debatten und juristische Auseinandersetzungen um einzelne Biografien hat er ausgehalten und als Bestätigung verstanden, dass historische Forschung frei und zugänglich bleiben muss.
„Unser“ Preis – auch für gewerkschaftliches Engagement
„Wir freuen uns, dass mit dem Bundesverdienstkreuz nicht nur der persönliche Einsatz und die wissenschaftliche Qualität von Hans-Peter de Lorent geehrt werden, sondern ausdrücklich auch sein Wirken in und mit der GEW: als hlz-Schriftleiter, als Landesvorsitzender, als Kollege, der Generationen von Lehrkräften ermutigt hat, Schulgeschichte kritisch aufzuarbeiten, demokratische Schule zu gestalten und Haltung zu zeigen. Die GEW Hamburg gratuliert herzlich – und sagt Danke, Delo!“, erklärt Bodo Haß, stellvertretender Vorsitzender der GEW Hamburg.
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