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Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft - Landesverband Hamburg
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Zum Umgang der Behörde mit Abschulungszahlen

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Presseredaktion
"Voreilige Erfolgsmeldung provoziert jede Menge Fragen"

Als "bemerkenswert voreilig" bezeichnet Klaus Bullan die heute veröffentlichte Interpretation der Schulbehörde zur Zahl der jungen SchülerInnen, die zwischen Gymnasien und Stadtteilschule wechseln müssen. "Diese Zahlen werfen mehr Fragen auf, als dass sie Antworten liefern", konstatiert der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft/GEW Hamburg. "An diesem schwierigen Punkt sind wir nur, weil die Stadt Hamburg weiterhin Kinder in unterschiedliche Schulformen selektiert. Was wohl die betroffenen Eltern und Schüler von dieser Art des Schulfriedens halten?"

Zum Hintergrund:

Die Behörde weiß von 1.282 voraussichtlich wechselnden Schülerinnen und Schülern der Klassen 5 bis 10 (Sekundarstufe I), die zum kommenden Schuljahr die Schule wechseln; davon 741 vom Gymnasium auf eine Stadtteilschule (vgl. Pressemitteilung des Senats vom 12. Juli). Laut Bildungsbehörde werden damit in diesem Jahr am Ende von Klasse 6 ebenso viele SchülerInnen wegen unzureichender Leistungen von Gymnasien auf Stadtteilschulen abgeschult wie im Vorjahr, obwohl neuerdings ab Klasse 7 auf Gymnasien ein Abschulungsverbot besteht. Es war erwartet worden, dass Gymnasien nun deutlich mehr SchülerInnen zum letztmöglichen Zeitpunkt - dem Ende der Klasse 6 - abschulen als bisher.

"Aber", so fragt Bullan, "wie viele verlassen schon vor dem Ende der 6. Klasse die Gymnasien und warum? Tun sie es freiwillig oder nur mit sanftem Druck seitens der Schule? Was ist mit denen, die ab Klasse 7 die Gymnasien verlassen, obwohl dies eigentlich nicht mehr vorgesehen ist? Bekommen diese Jugendlichen den Rat der Schule, freiwillig zu gehen? Mit welchen Bedürfnissen kommen diese so genannten Rückläufer in den Stadtteilschulen an? Werden an den genannten vier Schulen besondere "Rückläufer-Klassen" geschaffen oder werden alte und neue Klassen gemischt? Wie kommen die Stadtteilschulen mit ihnen zurecht und was wird aus ihnen in den kommenden Jahren?"

Bullan weiter: "334 Abschulungen sind 334 Einzelschicksale des Scheiterns am Gymnasium. Das betrifft jeden 20. Schüler. Diese SchülerInnen kommen in bestehende Stadtteilschulklassen und müssen sich in bestehenden Klassenverbänden zurechtfinden, wenn sie nicht sogar in neue Klassen mit ausschließlich Abgeschulten zusammengefasst werden. Die Alternative wäre, bestehende Stadtteilschulklassen neu zusammenzusetzen, was auch nicht gerade pädagogisch sinnvoll wäre."