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Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft - Landesverband Hamburg
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Verschwörungserzählungen und Schule

Geschrieben von: 
Webredaktion
Ein Überblick zur Situation in Hamburg
Foto: Gabi Eder / pixelio.de

Im Kontext der Coronapandemie haben Verschwörungserzählungen Hochkonjunktur und stellen auch Schulen und Lehrkräfte vor Herausforderungen.

Verschwörungserzählungen wirken besonders anziehend auf Menschen, die auf der Suche nach eindeutigen Identitätsangeboten sind. Junge Menschen haben meist noch kein gefestigtes verschwörungsmytisches Weltbild, sondern reproduzieren verbreitete Erzählungen. Während der Coronapandemie finden sie in den sozialen Medien vermeintliche Antworten wie: Corona gebe es gar nicht; Corona sei eine Maßnahme, um die allgemeine Impfpflicht einzuführen; Corona sei ein Kampfstoff, den mächtige Staaten entwickelt hätten, um noch mehr Menschen zu unterdrücken; Corona sei in Israel hergestellt worden, um die Weltherrschaft zu erlangen. Verschwörungsmythen gehören zu den Risiken und Nebenwirkungen moderner Gesellschaften. Sie scheinen die verwirrende Welt, mit all ihren Widersprüchen zu ordnen, indem sie komplexe Fragen ausschließlich in Kategorien von Gut/Böse, Freund/Feind, Richtig/Falsch beantworten.

Präventionsarbeit gegen Verschwörungsdenken sollte daher bereits zu den Grundlagen von Bildungskonzepten in Kinder- und Jugendarbeit sowie Schule gehören.

Konflikte mit Pandemieleugner*innen auch an Hamburger Schulen

Es gab in den letzten Monaten einige Vorkommnisse an Schulen, so eine Demo von 15 Corona-Leugner*innen vor der Ganztagsgrundschule Sternschanze unter dem Motto „Maskenfrei“ und eine unangemeldete Ansammlung von fünf Menschen vor der Stadtteilschule Finkenwerder mit dem Motto „Maskenverweigerung“. Darüber hinaus gab es vereinzelte Aktivitäten an einigen Schulen wie das Verteilen von Flyern von Coronaleugner*innen oder das Sprayen von Schriftzügen wie querdenker.de oder auch elternstehen auf.de.

Tipps für pädagogisches Personal zum Umgang mit Verschwörungserzählungen

Verschwörungsdenken muss umfassend in einer gemeinsamen Anstrengung des gesamten Bildungssystems angegangen werden, die Lehrkräfte dürfen damit nicht allein gelassen werden. Die Amadeu Antonio Stiftung, mit der wir eng zusammenarbeiten, gibt unter dem Titel „2 x 6 Punkte gegen Verschwörungsdenken“ Tipps für die Praxis. Empfohlen wird, es ernst zu nehmen, wenn Heranwachsende sich für politische Verhältnisse und Ereignisse interessieren, die durch Verschwörungsdenken scheinbar erklärt werden, Haltung zu zeigen und eine Grenze zu markieren, wenn antisemitische oder rassistische Äußerungen fallen, aber auch, sich an Fachstellen zu wenden, wenn Anzeichen für verfestigte Denkmuster erkannt werden.

Präventionsarbeit ist wichtig!

Nötig sind Fortbildungen für die Lehrkräfte mit dem Ziel, aufklärerisch wirken zu können. Am Landesinstitut für Lehrer*innenbildung gibt es mittlerweile gute Fortbildungsangebote zum Thema Verschwörungstheorien, auch als GEW bieten wir Seminare dazu an. Insbesondere muss die Politische Bildung gerade in dieser aktuellen Krisenzeit ernst genommen werden. Die Corona-Krise hat leider dazu geführt, dass die gesellschafts- und sozialwissenschaftlichen Fächer insbesondere an den Stadtteilschulen kaum oder gar nicht im Fernunterricht erteilt wurden und auch im Präsenzunterricht wenig Raum finden. Die Schüler*innen sind derzeit allein gelassen mit den Phänomenen der in Krisenzeiten zunehmenden Formen von Rechtspopulismus, Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus und Verschwörungsmythen. All dies ist auch Ausdruck einer Verunsicherung in unserer Gesellschaft, auf die mit einer Offensive für die politische Bildungsarbeit geantwortet werden muss.

Fredrik Dehnerdt, stellvertretender Vorsitzender der GEW Hamburg

Foto: Gabi Eder / pixelio.de