GEW Hamburg

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft - Landesverband Hamburg
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Ulrich Bleidick ist nicht mehr unter uns!

Geschrieben von: 
Karl-Dieter Schuck
Nachruf

Prof. Dr. Dr. h.c. Ulrich Bleidick ist am 28.12. 2022 im Alter von 92 Jahren in Hamburg gestorben. Er vertrat an der Universität Hamburg von 1969 bis 1995 die „Allgemeine Behindertenpädagogik“. Sein Leben und Wirken waren geprägt von bildungspolitischer Verantwortung und ethischer Verpflichtung zur Verbesserung von Lebenslagen behinderter und benachteiligter Menschen. Er gilt bis heute als einer der einflussreichsten Vertreter und vor allem Modernisierer des Faches, der einer erziehungswissenschaftlichen Pädagogik erschwerter Lern- und Bildungsprozesse weit über Hamburg hinaus Geltung verschaffte. Für seine wissenschaftliche Lebensleistung verlieh ihm die Universität München die Ehrendoktorwürde. In den universitären strukturellen Entwicklungsprozessen stand er für den Ausbau der sonderpädagogischen Fachrichtungen und in den bildungspolitischen Auseinandersetzungen um die Schulentwicklung für eine Erhöhung sonderpädagogischer Professionalität auch und besonders in der allgemeinen Schule. So ist in einem Spiegel Interview, Ausgabe 13 von 1980 „Schon als Kind ein geschlagener Mensch“ zu lesen, dass es die Aufgabe der Entwicklung des Bildungssystems sei, die allgemeine Schule so auszulegen, dass sie unter Beteiligung sonderpädagogischer Professionalität die Entstehung einer „relativen Behinderung“ verhindern kann. In Würdigung seines Gesamtwerks darf Ulrich Bleidick als ein kritischer, wohlwollender Begleiter der Integration und nun der Inklusion bezeichnet werden. Mit seinen Beiträgen, die gerade in Gewerkschaftskreisen nicht immer ohne Widerspruch blieben, brachte er sich in bildungs- und sozialpolitische Auseinandersetzungen und in die Verbands- und Gremienarbeit ein. Viele seiner Veröffentlichungen sind bis heute bundesweit Gegenstand der universitären Lehre und der aktuellen Fachdiskurse. Ungezählte Generationen von Studierenden konnten von seinem herausragenden wissenschaftlichen Werk, von seinem belesenen Literatur- und Geschichtsbewusstsein, von seinem sicheren, moralisch-ethisch fundierten Urteilsvermögen und seiner sprachlichen Kompetenz profitieren. Die Fachöffentlichkeit, die ehemaligen Kolleginnen und Kollegen in den universitären und außeruniversitären Bildungseinrichtungen und die persönlichen Freundinnen und Freunde trauern um einen herausragenden Wissenschaftler und eine beeindruckende Persönlichkeit.