GEW zum Schulentwicklungsplan Berufliche Schulen (SEPL-BS): Viele offene Fragen

21. November 2013Von: PresseredaktionThema: Bildungspolitik

Es ist 28 Jahre her, dass in Hamburg zuletzt ein Schulentwicklungsplan für die beruflichen Schulen vorgelegt wurde. Die Notwendigkeit, das berufliche Schulwesen einer Vielzahl von veränderten Rahmenbedingungen anzupassen und umzustrukturieren, ist unbestritten. Heute stellt die Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB) ihren Referentenentwurf zum Schulentwicklungsplan Berufliche Schulen der breiten Öffentlichkeit vor.

Dazu Anja Bensinger-Stolze, Vorsitzende der GEW Hamburg:

„Die im Referentenentwurf zum Schulentwicklungsplan Berufliche Schulen (SEPL-BS) vorgesehenen Bildungsgangverlagerungen, Zusammenlegungen beruflicher Schulen und anderen Umstrukturierungen (wie z. B. Verwaltungsleitungen implementieren) bedeuten einen massiven Umbruch der Berufsschullandschaft in Hamburg. Die Erfahrungen früherer Zusammenlegungen zeigen klar, dass Fusionen gegen den Willen der Beteiligten nicht erfolgversprechend verlaufen. Die GEW fordert die BSB, und damit das HIBB dringend auf, die vorgelegten Planungen in denjenigen Punkten, die auf Ablehnung gestoßen sind, zu überprüfen und einen Interessenausgleich anzubahnen. Es ist sicherzustellen, dass die Sichtweisen der betroffenen Kollegien in den Prozess weitestgehend einbezogen werden. Ein weiteres wichtiges Erfolgskriterium wird  sein, wie in der Frage der Ernennung von Schulleitungen fusionierter Schulen vorgegangen wird. Die GEW vertritt die Auffassung, dass Voten der Kollegien einzuholen und mit bindender Wirkung zu berücksichtigen sind.“

Ein derart umfängliches Vorhaben wie der vorgelegte SEPL-BS kann nicht ohne ausreichende Ressourcen umgesetzt werden. Zwar werden personelle Mittel von je einer ½ Stelle pro Fusionsschule zur Verfügung gestellt, aber die vielfältigen zu bewältigenden Aufgaben in Bezug auf die Schaffung neuer räumlicher und curricularer Rahmenbedingungen bedürfen an vielen Fusionsschulen weit mehr personeller Ressourcen. Um in den Schulen einen dauerhaften Ausnahmezustand zu verhindern, müssen mehr Stunden zur Verfügung gestellt werden.

Engelbert Prolingheuer, GEW Spitzenkandidat für die Lehrerkammerwahl (ab 25.11.), kritisiert den Umgang mit dem Thema Inklusion: 

„Wir hoffen, dass das geplante ESF-Projekt gesichert ist und der weitere Rahmen durch eine in Vorbereitung befindliche Bürgerschaftsdrucksache geklärt werden wird. Diese zukunftsgerichteten Arbeiten ändern aber nichts daran, dass die HIBB-Schulen  trotz des gesetzlichen Anspruchs auch in den nächsten Jahren ohne Inklusionskonzept arbeiten werden. Wir kritisieren, dass das ESF-Projekt zu spät kommt. Die Inklusion hätte mit der Schulentwicklung zusammen gedacht werden müssen.“

Prolingheuer bemängelt außerdem, dass keine umfängliche Beteiligung der Beschäftigten an den Schulen stattgefunden hat. Die Lehrerkonferenzen hätten früher und explizit vom HIBB zu einer Stellungnahme aufgefordert werden sollen, um diese Beteiligung zu sichern.

Im SEPL-BS bleiben somit verschiedene Fragen nach der Schulentwicklung unbeantwortet. Anja Bensinger-Stolze bringt es auf den Punkt:

„Was wird 2020 in den neu gebauten größeren Schulen stattfinden?
Wie wird die Inklusion ausgestaltet sein?
Welche Rolle nehmen die beruflichen Schulen im Schulsystem über duale Ausbildung, Übergangsbegleitung und wenige vollschulische Bildungsgänge hinaus wahr?“

 

© Foto: Karl-Heinz Laube /www.pixelio.de