Der Endbericht der Hamburger Arbeitszeit- und Belastungsstudie liegt nun in gedruckter Form vor: über 350 Seiten schwer und nicht mehr zu ignorieren. Vervollständigt wurde er im November noch durch die Ergebnisse der Belastungsbefragung der Lehrkräfte mit Schulleitungsaufgaben in Hamburg und Berlin.
Schulleitungen tragen nicht nur Verantwortung für Unterricht, Personalentwicklung und Schulorganisation, sondern auch gesetzlich für den Arbeits- und Gesundheitsschutz ihrer Beschäftigten. Sie müssen Gefährdungen erkennen, Prävention organisieren und Krisen abfedern – kurz: eine gesunde Schule gestalten. Doch die Studie zeigt, dass viele Leitungen selbst unter Bedingungen arbeiten, die ihrer eigenen Gesundheit schaden. Gesundheitsschutz kann nur wirken, wenn diejenigen, die ihn organisieren, selbst gesund bleiben.
Viele Schulleitungen erleben laut Studie ein Arbeitspensum und -tempo, das langfristig nicht tragfähig ist. Zwischen Unterricht, Verwaltung, Krisenmanagement und Elternarbeit bleibt kaum Raum für Pausen oder präventive Arbeit. Orientierung, Gesundheitsprävention und ein stabiles Arbeitsklima für das Kollegium leiden darunter. Das ist kein individuelles Versagen, sondern ein strukturelles Problem. Gesundheitsschutz erfordert Zeit – für die eigene Qualifizierung, Beratung, Beobachtung, Begleitung und vorausschauende Planung. Ohne diese Zeit wird Gesundheitsschutz zur Nebensache, erhält nicht die notwendige Priorität.
Nach Empfehlung der Wissenschaftler kann verbindliche Arbeitszeiterfassung hier Schutz bieten – nicht als Überwachung, sondern als Instrument für die eigene Gesundheit, für das Kollegium und für die pädagogische Qualität. Sie macht Arbeitsspitzen sichtbar, verhindert die Normalisierung von Mehrarbeit und gibt der Politik die nötigen Daten, um echte Verbesserungen zu ermöglichen. Gesunde Führung wirkt: Kolleginnen werden besser begleitet und erhalten ein echtes Vorbild, Schülerinnen profitieren von stabileren Lernumgebungen, und die gesamte Schule gewinnt ein verlässliches, wertschätzendes Arbeitsklima.
Das System darf sich nicht länger auf Selbstaufopferung in der Auskömmlichkeit verlassen. Gefordert sind realistische Arbeitszeitregelungen, digitale Zeiterfassung, stärkere administrative Unterstützung und ausreichend Zeit für Gesundheitsschutz sowie pädagogische Entwicklung. Schulleitungen wollen Verantwortung übernehmen – jetzt muss Politik sicherstellen, dass sie es auch gesund können. Die Frage ist nicht, ob wir Entlastung leisten können, sondern ob wir es uns leisten können, darauf zu verzichten.
Yvonne Heimbüchel, stellvertretende Vorsitzende GEW Hamburg
| Anhang | Größe |
|---|---|
| 6.84 MB |

